Wird der Regierungsbeschluss am 5. März tatsächlich gefasst, geht für die freie steirische Kulturszene eine fast viermonatige Durststrecke zu Ende: Förderstopp und Planungsunsicherheit für Projektbetreiber ohne Mehrjahresvertrag sollen dann Geschichte sein. Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) will in der Sitzung der blauschwarzen Landesregierung nicht nur eine neue Kultur- und Kunstförderungsrichtlinie auf Schiene bringen, sondern auch die Projektförderung für das erste Halbjahr 2026, die Jahresförderungen und die Filmförderung.

Für Förderwerber gibt es mehrere gute Nachrichten: Die Kleinförderungsgrenze wird von 3500 auf 8000 Euro angehoben. Für Projektförderungen bis 8000 Euro wird der vielfach als überbürokratisch kritisierte Verwendungsnachweis vereinfacht. Und auch die Abrechnung soll für Fördernehmer künftig einfacher gestaltet sein.

Einreichungen sind ab 5. März möglich

Außerdem sollen die Einreichtermine im Jahreslauf künftig besser strukturiert und die Förderungsvereinbarungen effektiver gegliedert werden: Künftig kann um Jahresförderungen sowie um Projektförderungen (bis 8000 und über 8000 Euro) angesucht werden. Pro Jahr sind künftig aber nur noch zwei Projektförderungen möglich, und deren Zeiträume dürfen sich nicht überschneiden.

Informationen über alle aktuellen Förderungsprogramme, das neue Förderungsformular und die neue Richtlinie sollen ab 5. März (nach Regierungsbeschluss) auf dem Kulturportal des Landes Steiermark zu finden sein. Auch die ersten beiden Einreichmöglichkeiten sind ab diesem Datum offen, lässt der Kulturlandesrat wissen: Um Projektförderungen bis 8000 Euro kann dann bis 31. März angesucht werden. Für Projektförderungen über 8000 Euro dauert die Einreichfrist bis 30. April.

Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl: Ende des Förderstopps
Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl: Ende des Förderstopps © Jürgen Fuchs

Also wieder alles paletti im steirischen Kulturgeschehen? Na ja. Lidia Krienzer-Radojevic, Geschäftsführerin der IG Kultur Steiermark, sieht in der Ankündigung „einen wichtigen ersten Schritt“. Endlich könnten die vereinbarten Jahresverträge fixiert und Projektförderanträge gestellt werden, „aber alles steht und fällt letztlich mit dem Budget. Und wenn ich höre, dass zum ersten Projektförderungstermin bis Ende März insgesamt 70.000 Euro und zum April-Termin 200.000 Euro ausgeschüttet werden, sehe ich Kürzungen und Absagen vorprogrammiert.“

Im Vergleich zu den Vorjahren seien die bereitgestellten Mittel deutlich knapper, rechnet Krienzer-Radojevic vor: Insgesamt 270.000 Euro würden für Projektförderungen nicht reichen. 2025 gab es ein ähnliches Problem, damals schichtete Kornhäusl nach Gesprächen mit der Szene Gelder aus Fördergeldern so um, dass letztlich 400.000 Euro zur Verfügung standen. „Fraglich, ob das heuer möglich ist“, zweifelt Krienzer-Radojevic angesichts von Budgetsperren und unklarer Mittel. Ein weiteres Grundproblem ist ­– wie berichtet – der Entfall der ORF-Landesabgabe, die großteils in die Kulturförderung geht: Seit Einführen der ORF-Haushaltsabgabe zahlen Unternehmen keine Landesabgabe mehr. So fehlen in der Kunst- und Kulturförderung  (bis zu einer geplanten Novellierung des Landesgesetzes, nach der Firmen dann wieder zahlen müssten) rund 1,5 Millionen Euro.

Noch größere Geldnöte drohen mit dem FPÖ-Vorhaben, die Landesabgabe ab 2027 überhaupt abzuschaffen. Für Kultur-, Volkskultur- und Sportförderung gäbe es dann zwischen 25 und 30 Millionen Euro weniger pro Jahr. „Wenn das Kulturbudget so dramatisch von der Landesabgabe abhängt, ist eine Abschaffung ohne Gegenfinanzierung oder konkreten Plan zur Kompensierung absolut inakzeptabel“, sagt Krienzer-Radojevic. Von der versprochenen Planungssicherheit könne angesichts der aktuell geplanten Regierungsbeschlüsse jedenfalls noch keine Rede sein: „Bei derart geringen Mitteln nimmt man Förderkürzungen und Projektabsagen wissend in Kauf.“

Lidija Krienzer-Radojevic: „Ein erster wichtiger Schritt, aber alles steht und fällt mit dem Budget“
Lidija Krienzer-Radojevic: „Ein erster wichtiger Schritt, aber alles steht und fällt mit dem Budget“ © Martin Huber

Es kommt also nicht nur auf die Wiederöffnung der Fördertöpfe an, sondern auch auf deren Füllhöhe. Ein Subventionsausfall wäre jedenfalls fatal für umtriebige lokale Kulturanbieter – speziell für jene, die vom Kulturkuratorium recht unvermittelt von der Jahresförderung auf Projektförderungen heruntergestuft wurden, darunter etablierte Einrichtungen wie die Plattform StainZeit oder die Rondell Gallery in Schwanberg. Sie alle stehen seit dem Förderstopp Mitte November vor dem gleichen Problem: Wie soll man Programm machen, wenn es kein Geld dafür gibt? Die „bluegarage“ im weststeirischen Frauental etwa, mit immerhin 120 Konzert- und Kabarettveranstaltungen im Jahr einer der engagiertesten Kulturanbieter in der Region, wurde quasi zum 20-Jahr-Jubiläum von der Jahres- auf Projektförderung abgestuft. Betreiber Bernd Sackl hofft, dass er abgesehen von diesem Schock („Das ist ja keine Kleinigkeit, wenn man 20 Jahre regelmäßig Programm macht.“) die Planung bald wieder aufnehmen kann: „Wir müssen unsere Konzerte ja ein Jahr im Voraus buchen, und ohne Unterstützung muss ich mir überlegen, was ich ausfallen lasse.“ Vorerst wird aber weitergemacht: Heute Abend spielt in der „Bluegarage“ das Jazzensemble „Zweimaurer“, am Dienstag die Bigband Kalsdorf.