ORF-WahlReaktionen auf den Weißmann-Sieg: "Gratuliere Roli!!"

Nach der Entscheidung für Roland Weißmann gingen zahlreiche Reaktionen ein: vom "fragwürtigen Schauspiel" (Irmgard Griss) bis zu Misstrauen, Glückwünschen und vielen Vorschusslorbeeren.

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Richard Grasl gilt als Mentor von Weißmann, dem nun gelang, was Grasl 2016 verwehrt blieb: Sich gegen Alexander Wrabetz durchzusetzen und ORF-Generaldirektor zu werden.

Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser wünscht sich eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe: „Der ORF ist das wichtigste Medienunternehmen des Landes und nimmt daher eine verantwortungsvolle Aufgabe ein. Ich wünsche dem neuen
Generaldirektor, dass er seine neue Aufgabe mit viel Fingerspitzengefühl im Sinne der Österreicherinnen und Österreicher erfüllt", so Kaiser.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer schickte dem neuen ORF-Generaldirektor seine Glückwünsche: "Ich gratuliere Roland Weißmann zur überzeugenden Wahl zum ORF Direktor und danke gleichzeitig Alexander Wrabetz für seinen Einsatz für den ORF. Ich wünsche Roland Weißmann eine gute Hand, Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft für die Führung des ORF." Wie Peter Kaiser wünscht sich Schützenhöfer eine Stärkung der Landesstudios - ein Vorsatz, den praktisch alle ORF-Bewerber bezeugten. Weißmanns neue Ära sieht er als Zeitenwende: "Im Interesse des Staatsganzen ist zu hoffen, dass es eine gute Zeit ist. Ich wünsche jedenfalls alles erdenklich Gute!"

Glückwünsche für den designierten Generaldirektor und Dank an den abtretenden kommt vom Vertreter der Katholischen Kirche im
ORF-Publikumsrat, Herbert Beiglböck.  Es gehe nun darum, das größte Medienunternehmen des Landes bestmöglich für die Zukunft zu rüsten. Dazu gehöre neben einer Änderung der gesetzlichen Bedingungen auch eine Reform der Strukturen: Der jetzige Bestellungsvorgang mit einer Kandidatenliste fast ohne externe Bewerbungen lasse politische Einflussnahme vermuten, so Beiglböck. Man habe den Eindruck gewinnen können, dass es nicht um die besten Köpfe gehe, sondern, dass die Interessen der parteinahen "Freundeskreise" Vorrang haben, sagte Beiglböck.

Journalist und Politikanalyst Christoph Kotanko zur Wahl:

In der Bundespolitik ist das Bild gespalten: FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker kritisierte die Bestellung Weißmanns scharf: „Nach dem Innen-, dem Justiz- und dem Finanzministerium krallt sich die türkise ÖVP in ihrem Machtrausch jetzt nach der ‚Kronenzeitung‘ auch noch den ORF und setzt mit Roland Weißmann einen willfährigen Vollstrecker der türkisen ‚Message-Control‘ als Generaldirektor ein." Die FPÖ-Stiftungsräte hatten sich mehrheitlich für Lisa Totzauer entschieden. 

Gratulationen kamen auch von VÖZ: "Der Verband Österreichischer Zeitungen gratuliert Roland Weißmann zu seiner neuen Aufgabe. Im ORF und seiner Führung fanden die heimischen Zeitungen und Magazine verlegerischer Herkunft immer einen verlässlichen Partner zur Sicherung der österreichischen Medienlandschaft. Wir freuen uns daher auf die weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem ORF und seinem zukünftigen Generaldirektor Roland Weißmann“ gratuliert Markus Mair, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ).

Zufrieden zeigte sich die Grüne-Mediensprecherin Eva Blimlinger mit der Entscheidung für Weißmann. In einer Aussendung gratulierte sie ihm, erinnerte ihn an die großen Herausforderungen, vor denen der ORF steht, und die Versprechungen seines Wahlkonzepts: "Bereits im September, bei der Bestellung des Direktoriums und der Landesdirektor:innen, hat Weißmann Gelegenheit, sein angekündigtes Programm in die Tat umzusetzen: Geschlechtergerechtigkeit und Diversität“, fasst Blimlinger zusammen. "Im Vordergrund muss jedenfalls immer die Unabhängigkeit des ORF stehen und ich bin sicher, dass sowohl der Stiftungsrat als auch der Redakteursrat dafür Sorge tragen werden", hält Blimlinger fest.

Voll des Lobes ist dafür ÖVP-Mediensprecher Axel Melchior: "Ich gratuliere Roland Weißmann zur Wahl zum ORF-Generaldirektor und wünsche ihm für die bevorstehenden Aufgaben alles Gute. Ein erfolgreicher ORF liegt in unser aller Interesse, dementsprechend wichtig ist es, dass die neue Generaldirektion die Weiterentwicklung des ORF vorantreibt." Und Richtung SPÖ: "Die SPÖ hat einmal mehr bewiesen, dass sie wie immer jemanden mit rotem Parteibuch an der Spitze des ORF wollte. Nur deshalb empört sich die SPÖ an der Entscheidung des Stiftungsrates."

Eine Strukturreform und Entpolitisierung wünscht sich die NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter vom Weißmann: „Es liegt eine Fülle an Herausforderungen vor Roland Weißmann, der sein Amt mit dem Geruch des politischen Mauschelns antreten muss. Jetzt muss er beweisen, dass er den ORF in eine neue Zeit führen und ihn zukunftsfit aufstellen kann." Der ORF müsse sich grundlegend erneuern, so Brandstötter. Die Neos-Stiftungsrätin Anita Zielina hatte sich für Lisa Totzauer entschieden. 

Die SPÖ sieht das naturgemäß fertig: „Die Mediendompteure im Kanzleramt haben ganze Arbeit geleistet und die Bestellung des Wunschkandidaten von Kanzler Kurz unter dem Beifall der grünen Statisten durchgepeitscht", ließ SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch ausrichten. Die SPÖ habe schon lange und vehement vor ungarischen Verhältnissen in Österreich gewarnt, so Deutsch, „mit der Übernahme des ORF durch die türkise Familie wird die Orbanisierung mittlerweile nicht einmal mehr kaschiert".

Schon vor der Wahl gab es Kritik am Bestellvorgang.  Als „fragwürdiges
Schauspiel“ bezeichnete Irmgard Griss vom Rechtsstaat & Anti-Korruptionsvolksbegehren die Vorgänge der vergangenen
Wochen. „Es widerspricht dem gesellschaftlichen Stellenwert des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks diametral, wenn dieser als Spielball
für Machtpolitik und Postenschacher missbraucht wird“, so die
ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und eine der
Proponentinnen des Volksbegehrens.

 

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