Roland Weißmann hat nach seinem Rücktritt als ORF-Generaldirektor seinen Anwalt die bereits angekündigte Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft (StA) Wien einbringen lassen. Sie richte sich gegen zwei Personen, wie der APA von StA-Wien-Sprecherin Nina Bussek bestätigt wurde. Weißmanns Anwalt Norbert Wess wollte sich zur Strafanzeige auf APA-Anfrage nicht äußern, da die Anfangsverdachtsprüfung durch die StA noch laufe.

Damit ist weiterhin nicht bestätigt, gegen welche Personen Weißmann vorgeht und auf Basis welchen vermuteten Tatbestands. Weißmann hat sich vor bald zwei Wochen zurückgezogen, nachdem sich eine Mitarbeiterin mit Vorwürfen rund um Fehlverhalten Weißmanns ihr gegenüber mittels eines Anwalts an die ORF-Stiftungsratsspitze gewandt hatte. Konkret soll der Medienmanager sie zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben, wobei er u.a. auch auf explizite Nachrichten gesetzt haben soll. Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe.

Die Frau forderte von Weißmann unter anderem den Rückzug von der ORF-Spitze bzw. keine Neu-Kandidatur für die Periode ab 2027. ORF-Stiftungsratsvorsitzendem Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze ließ sie Nachrichten, Tonaufnahmen und Bilder vorlegen, die ein mutmaßliches Fehlverhalten Weißmanns ihr gegenüber dokumentieren sollen. Dass es Freizeit-Treffen – ob beim Laufen, beim Heurigen oder Picknick – zwischen Weißmann und der Mitarbeiterin ist unbestritten, war indes seit Jahren kein Geheimnis.

Offen bleibt, warum Weißmann angesichts des Drucks der ORF-Stiftungsräte Lederer (SPÖ) und Schütze (ÖVP) so „einknickte“ und den Rückzug vollzog. Haben damit die obersten Köpfe des ORF-Aufsichtsorgans wirklich „auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt“, wie Schütze erklärte? Und warum passiert das alles kurz vor der Bekanntgabe der zweiten Kandidatur, die letztes Wochenende bei einem hochrangigen Treffen auf dem Arlberg geplant war? Die gebuchten Zimmer blieben leer . . .