Kein anderes Berg-Drama hat in den vergangenen Jahren so viel weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wie der Tod einer 33-jährigen Alpinistin am Großglockner. Es gibt sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag dazu – der in aller Einzelheit das schreckliche Unglück schildert.
In der Nacht von 18. auf 19. Jänner 2025 passierte das Unglück, die 33-Jährige erfror. Ihr Partner, ein heute 37-jähriger Alpinist, musste sich vor Kurzem vor Gericht wegen grob fahrlässiger Tötung verantworten. Der Mann wurde nicht rechtskräftig zu fünf Monaten bedingter Haft und einer unbedingten Geldstrafe in der Höhe von 9600 Euro verurteilt. Jedoch melden sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil an.
Fassungslos
Der Fall beschäftigt seither die Alpinszene: ServusTV lädt am Montag, 2. März, zu einem Talk in den Hangar-7 (Beginn ist 21.15 Uhr). In der Sendung werden der frühere Extremalpinist Hans Kammerlander, Berg- und Skiführer Alexander Blümel und der Bergführer und Alpin-Sachverständige Thomas Wanner zur Sache Stellung nehmen.
Der Fall macht auch deshalb so fassungslos, weil der Tod vermeidbar gewesen wäre: Wäre man rechtzeitig umgedreht – also vor Einbruch der Dunkelheit, oder man wäre gar nicht in den Stüdlgrat eingestiegen. Die Tour führte im Winter über die alpine Kletterroute des Stüdlgrats. Im Winter eine große Herausforderung – vor allem bei Eiseskälte und starkem Wind. Was die Alpinszene auch in Aufruhr brachte, war dieser Umstand: Es gibt den Begriff des „Führer aus Gefälligkeit“, der im Falle eines Unfalles auch haften könnte. Dafür müssen aber bestimmte Kriterien erfüllt sein.
Tragödien am Berg
Die Berge waren nie frei von Tragödien, die Frage, die in dem aktuellen Fall so bewegt, ist aber eine andere: Hätte man es vermeiden können? Warum sind die beiden überhaupt in den Stüdlgrat eingestiegen? Und hätte der Partner der 33-Jährigen bei ihr bleiben müssen? Im Bergsport geht es immer um die Frage der Hilfeleistung: Hätte man helfen können, war eine Hilfe überhaupt möglich, hat man es versucht? Man denke an den Tod von Hochträger Muhammad Hassan, der 2023 am K2 starb, als Dutzende Alpinisten und Alpinistinnen an ihm vorbeigingen. Der 27-jährige pakistanische Höhenträger kam in der Flaschenhals-Traverse in einer Höhe von 8200 Metern zu Sturz. Auch in diesem Fall muss man sich rückwirkend die Frage stellen: Wer hätte helfen müssen, wer hätte helfen können? Und hätte man Muhammad Hassan überhaupt retten können? Der österreichische Anbieter von 8000er-Expeditionen, Lukas Furtenbach, sagte damals: „Wenn das nicht ein Pakistani gewesen wäre, hätte es eine Rettungsaktion gegeben. Das ist der eigentliche Skandal.“