Herausragende DebütsDiagonale: Beziehungsgeflechte als atemberaubende Abenteuer

Drei fulminante Beispiele jüngerer heimischer Filmkunst. Die Kritiken von Monja Arts "Siebzehn", Sandra Wollners "Das unmögliche Bild" und Adrian Goigingers "Die beste aller Welten." Eine Empfehlung.

Monja Arts einfühlsamer und in Saarbrücken prämierterJugendfilm Siebzehn © Orbrock
 

Siebzehn

Ein Provinzkaff, kurz vor Schulschluss. Paula steht auf Charlotte und wird selbst von Tim verehrt. Monja Art inszeniert in ihrem Langfilmdebüt nicht die übliche Karussellfahrt jugendlicher Liebe, sondern erzählt mit Feingefühl eine Geschichte, die alle Erwartungen an das Coming-of-Age-Genre unterläuft: Dort, wo man die melodramatischen Bruchlinien zu erkennen glaubt, sind gar keine, stattdessen wird nach und nach das komplexe Beziehungsgeflecht sichtbar, das in siebzehn Lebensjahren um einen Menschen wächst - und was damit an der Schwelle zum Erwachsenwerden passiert. Hinreißend zeigt das die junge Grazer Schauspielerin Elisabeth Wabitsch in diesem gelungenen Liebes- oder besser: Sehnsuchtsfilm.
1. 4., 16 Uhr, KIZ Royal.

 

Das unmögliche Bild

Die Kamera des verstorbenen Vaters wird für die halbwüchsige Johanna zum Instrument, mit dem sie das Nachkriegsidyll ihrer Großfamilie aufzeichnet. Die Frauenkochklubs im Haus der Großmutter erweisen sich aber bald als etwas ganz anderes. Konsequent verharrt Regisseurin Sandra Wollner in der Perspektive des Mädchens, mit dem man buchstäblich durch die Kamera hindurch das Hinschauen lernt, und wie man Sein vom Schein unterscheidet.
31. 3., 21 Uhr, UCI Annenhof 5.

Die beste aller Welten

Eine abgewrackte Siedlung in Salzburg-Liefering. Dort lebt Adrian, 7, mit seiner heroinsüchtigen Mutter (überwältigend: Verena Altenberger). Sie versucht ihre Welt, jene von Opiumrausch und Jugendamtsvorgaben, von jener Adrians zu trennen. Für ihn zimmert sie eine Fantasiewelt, einen Fluchtort voller Abenteuer. Eines Tages kollabieren die Welten. Adrians Leben steht auf dem Spiel. In seinem berührenden Debüt erzählt Adrian Goiginger seine Geschichte durch den zauberhaft unschuldigen Blick eines Volksschülers, ein Film über die bedingungslose Liebe einer Mutter zu ihrem Kind und umgekehrt. Was für eine Entdeckung!
Heute 18.30 Uhr, KIZ Royal. 1. 4. 14 Uhr, UCI Annenhof 6.

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