Filmkritik"UNTITLED": Die Poesie der Rastlosigkeit

Der Diagonale-Eröffnungsfilm "UNTITLED" berührte das Publikum. Wegen Michael Glawoggers einzigartiger Gabe, die Schönheit von Menschen in skandalösen Lebensumständen zu entdecken.

Atemraubende Bilder vom unbekannten Alltag: Michael Glawoggers und Monika Willis "UNTITLED" © Filmladen
 

Es liegt nicht nur an seiner besonderen Entstehungsgeschichte, dass dieser Film das Publikum auf besondere Weise berührt.
Michael Glawogger war Ende 2013 von seinem Wohnort Pitten aufgebrochen, um seine langgehegte Vision von einem „Film, der nie zur Ruhe kommt“ zu verwirklichen.

Viereinhalb Monate später starb der Filmemacher bei den Dreharbeiten zu ebendiesem Film in Liberia an Malaria. Seine langjährige Cutterin Monika Willi hat das gedrehte Material zu einem Film arrangiert, der etliche von Glawoggers Themen noch einmal ausstellt: der schnelle Blick für Aussagekraft und Bedeutungsreichtum scheinbar einfacher Bilder, die Bereitschaft, die Schönheit und Würde von Menschen in skandalösen Lebensumständen zu erkennen, die abrupten Einschlüsse doppelbödigen Humors und vor allem Glawoggers sehr spezielle Poesie der Rastlosigkeit werden in „UNTITLED“ zur finalen Kulmination gebracht. Am Donnerstag läuft der Film regulär im Kino an.

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