Von einem alternativen Musikfestival kann hier nicht mehr die Rede sein: Das FM4 Frequency hat heute mehr mit der Ö3-Hitparade gemein, als mit dem Jugendsender, der weiterhin groß das Festivallogo ziert. Daran hat sich 2025 wenig geändert. Schon aber daran, was nun als radiotauglich akzeptiert wird. So divers und experimentierfreudig wie aktuell war die kommerzielle Pop-Landschaft nämlich schon lange nicht. Ein Blick ins Line-Up genügt. Am Mittwoch, dem ersten der drei Festivaltage, lädt eine der gefragten und unangepassten Pop-Diven der Gegenwart zur Audienz. Chappell Roan ist offen queer und besingt in ihrem Liederkatalog unerwiderte Liebe und den Wunsch, einfach mal mit Dragqueens durchzubrennen. In den „Pink Pony Club“. Voller Wortwitz, originell produziert und – wie ein Wunder – trotzdem massentauglich. Es gibt ihn also noch: handgemachten Pop, der über Umwege in den Mainstream einzieht.

Post Malone jetzt auch mit Country

Unmittelbar danach lockt am selben Tag ein anderer Gigant der Spotify-Charts zu seiner Austro-Premiere. Post-Malone, der sympathische Amateurtätowierer aus New York, kredenzt ein genreübergreifendes Mahl zwischen Trap, R&B und – neu im Repertoire – Country. Zu den Headlinern gesellen sich an Tag zwei Pop-Balladist Shawn Mendes und Cockney-Rapper Central Cee. Im Festivalendspurt hat sich hoher Besuch aus Hollywood angekündigt: Will Smith. Der Oscargewinner, der kurz nach Vergabe der Goldstatue das Gesicht von Komiker Chris Rock und folglich seinen Ruf malträtierte, rekapituliert in St. Pölten seine Anfänge in der Hip-Hop-Szene. Die reichen von „Bel Air“, dem Stadtteil von Los Angeles, wo er in den Neunzigerjahren als Fresh Prince die Runden drehte, bis ins sonnige Miami. Alternativ finden sich im Bereich Hip-Hop und R&B dieses Jahr vor allem viele Namen aus Deutschland. Szene-Acts, die die Generation Tik Tok eroberten: „Asi“-Rapper Finch, der mit seiner Prolo-Kunstfigur spielt, „Wildberry Lillet“-Charttopperin Nina Chuba, oder die selbsternannte Berliner „Atzin“ Ikkimel, die mit derber Wortakrobatik, Rave-Beats und bewusster Hypersexualisierung manche provoziert – und andere bestens unterhält. Für Vielfalt, selbst innerhalb sonst streng definierter Genre-Schubladen, ist in diesem Jahr vorgesorgt. Gut so.