Kein offensives Trump-„Grillen“ des Oscar-Gastgebers Conan O‘Brien, keine vernichtenden Seitenhiebe in den Dankesreden: Der von vielen erwartete Frontalangriff gegen Donald Trump blieb bei einer angesichts der Weltlage erstaunlich unpolitischen Oscar-Gala in der Nacht auf Montag also aus.

Kuscht Hollywood?

Kuscht Hollywood vor Trump? Fragen wie diese kursierten bald. Als weißer Elefant im Raum war der US-Präsident sehr präsent, die eine oder andere Anspielung war unmissverständlich. „Ich denke, Amerikaner sind begeistert, dass jemand endlich einem mächtigen Russen die Stirn bietet“, sagte O‘Brien einmal. Das bezog sich auf Sean Bakers „Anora“, in der ein russisches Oligarchensöhnchen entzaubert wird. Von einer Sexarbeiterin. Auch der Seitenhieb auf Adam Sandlers Jogginganzug-Outfit dürfte sich auf den Eklat zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beziehen. Das israelisch-palästinensische Regieduo wurde in der Dankesrede zur ausgezeichneten Doku „No Other Land“ konkreter und griff die Außenpolitik Amerikas an.

Dass eine Stripclub-Dramedy wie „Anora“ zum großen Sieger mutierte, kann man als weltpolitischen Kommentar lesen. Die Liste der prämierten Filme lässt sogar folgende These zu: Die Academy hat Haltung bewiesen und Werke geehrt, die von autoritären Regimes erzählen, Außenseiterinnen feiern und Solidarität hochhalten.
Unpolitisch ist das nicht.