Lange Zeit war es still um die Pläne der BWS-Gruppe, die das ehemalige Euco-Areal in Völkermarkt zu einem nicht genannten Kaufpreis von der Adeg Wolfsberg-Genossenschaft erworben hat. Im Vorfeld der Schließung der Adeg-Filiale samt Restaurant und Textilhandel im September 2023 verriet die gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft mit ihrer Pressesprecherin Rita Michlits gegenüber der Kleinen Zeitung damals nur so viel: „Die Liegenschaft ist Gegenstand einer Projektentwicklung, in der auch ein Wohnbau vorgesehen ist.“ Grundbücherliche Eigentümerin der knapp 3900 Quadratmeter großen Liegenschaft an der Griffner Straße 16 ist mit der BWSt Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgesellschaft Bauen und Wohnen Steiermark Ges.m.b.H. eine Tochtergesellschaft der Wohnbaugenossenschaft, die österreichweit knapp 470 Wohnhausanlagen mit rund 24.000 Wohnungen verwaltet.
Mittlerweile hat das Vorhaben allerdings Fahrt aufgenommen, denn der Völkermarkter Gemeinderat ebnete in seiner Sitzung am 18. März mit zwei Beschlüssen den Weg für das geplante Wohnbauprojekt. Damit nach dem Abriss des leerstehenden Bauwerkes eine neue Wohnanlage errichtet werden kann, musste der Gemeinderat den bestehenden Teilbebauungsplan für das Bauland-Geschäftsgebiet mit der Sonderwidmung für ein Einkaufszentrum der Kategorie (EKZ) 1 aufheben beziehungsweise abändern. Danach beschloss das höchste politische Gremium der Stadt einen integrierten Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für die gegenständliche Liegenschaft an der Griffner Straße, die im Norden von der Röntgenstraße, im Osten von der Florian-Geyer-Straße und im Süden von der Raiffeisenstraße begrenzt wird.
Was die BWS-Gruppe konkret plant? Nach dem Abriss des Euco-Gebäudes sollen „insgesamt je zwei viergeschossige und zwei fünfgeschossige Gebäude für Wohnzwecke errichtet werden“, wie Andreas Motschnig (FPÖ) als Obmann des Ausschusses für Regional- und Verkehrsplanung sowie Umweltschutz in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vortrug. „Das gesamte Areal wird mit einer Tiefgarage ausgestattet und zwischen den Wohngebäuden soll ein neuer Grünraum entstehen. Derzeit ist die gesamte Liegenschaft komplett versiegelt“, berichtete er, der den restlichen Mandataren sowie mehreren Zuhörern auch sämtliche positive Stellungnahmen der zuständigen Abteilungen des Landes Kärnten vorlas.
Kein Nahversorger mehr
Trotz mehrerer Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern während der Kundmachungsfrist fassten die 31 Mandatare von SPÖ, ÖVP und FPÖ die beiden Beschlüsse einstimmig. „Wir haben uns im gesamten Verfahren für beide Tagesordnungspunkte, die zusammenhängen, sehr ausführlich mit den Einwendungen beschäftigt. Es sind vorwiegend Einsprüche von Anrainern, die ich großteils auch persönlich verstehe“, sagte der zuständige Planungsstadtrat Gerald Grebenjak (FPÖ). Nichtsdestotrotz gebe es gesetzliche Rahmenbedingungen, die allesamt in diesem Bereich von den Fachabteilungen, den Raumplanungsbüros und auch von der Landesregierung geprüft wurden.
In einem Einwand wurde etwa kritisiert, dass die Gemeinde mit der Aufhebung der EKZ 1-Sonderwidmung dem östlichen Stadtgebiet „die Grundlage für eine umfassende Nahversorgung“ entziehe. „Ich trauere dem ,Euco“ ebenfalls nach. Es ist schade, dass wir in diesem Teil nicht in der Lage sind, einen Nahversorger zu erhalten. Allerdings gibt es Situationen, in denen die Gemeinde nicht lenkend eingreifen kann“, betonte Grebenjak, der noch anfügte, dass man im Einkaufszentrum beim Isaak-Kreisverkehr „glücklicherweise“ zumindest noch ein fußläufig erreichbares Lebensmittelgeschäft hätte.
Stadt im Wandel
„Auch wenn es kein Nahversorger ist, muss man mit Blick auf die gesamte Entwicklung der Stadt froh sein, wenn es jemanden gibt, der dort Wohnungen baut, die wir brauchen werden“, meinte Vizebürgermeister Peter Wedenig (SPÖ), der auch skizzierte, dass sich derzeit eben nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Stadt im Wandel befinden würden.
Abschließend betrachtete Bürgermeister Markus Lakounigg (SPÖ) das Projekt mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“: „Das lachende Auge sieht den Wohnbau“, sagte Lakounigg mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung mit der Abwanderung von 100 bis 150 Einwohnern in den vergangenen Jahren sowie auf die Wohnungssituation mit der Liste von aktuell über 300 Wohnungsansuchen. In Richtung der Kritiker unter den Zuhörern räumte der Bürgermeister aber auch ein: „Ich hätte auch keine Freude, wenn vor meinem Wohnhaus ein Mehrfamilienhaus gebaut werden würde, aber wir befinden uns im innerstädtischen Bereich. Es ist auch nicht schön, wenn aus einem bestehenden Gefüge etwas herausgerissen wird, aber es ist einfach so. Der Bauwerber hat nicht nur Pflichten, sondern es gibt auch Rechte und diesen Rechten müssen wir jedenfalls entsprechen“, schloss er, dessen „weinendes Auge“ sich auf persönliche Erinnerungen an das ehemalige Molkereigelände bezog.
64 Wohnungen geplant
Nach der Gemeinderatssitzung erfuhr die Kleine Zeitung vom Projektwerber, dass aufgeteilt auf die vier mehrgeschossigen Gebäude mit einem begrünten Innenhof insgesamt 64 Wohnungen geplant sind. Bei den Wohnungen handelt es sich um frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen, wie die Pressesprecherin der BWS-Gruppe, Rita Michlits, mitteilt. Die Tiefgarage wird über 85 Stellplätze verfügen, weitere vier Parkplätze werden im Freien oberirdisch situiert. „Mit dem Projekt in der Griffner Straße in Völkermarkt schaffen wir leistbaren Wohnraum in einer Region mit wachsendem Bedarf. Unser Anspruch ist es, nicht nur qualitätsvolle Wohnungen zu errichten, sondern lebendige Lebensräume mit hoher Aufenthaltsqualität zu gestalten. Dabei legen wir besonderen Wert auf nachhaltige Bauweise, effiziente Grundrisse und ein gutes Miteinander der zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner“, betonen Kerstin Robausch-Löffelmann und Mathias Moser, die Vorstände der BWS-Gruppe.
Im nächsten Schritt werde die BWS-Gruppe um die Baugenehmigung für das Vorhaben ansuchen. Bei einem Baubeginn im ersten Halbjahr 2027 soll die neue Wohnanlage voraussichtlich bis Ende 2028 fertiggestellt werden.