Seit einiger Zeit ziehen aus Holz gebaute mehrere Meter hohe Rampen im Kühnsdorfer Ortsteil Seebach, direkt neben der Seeberg Bundesstraße, die Blicke auf sich. Sie befinden sich von Völkermarkt kommend auf der linken Seite nach dem Arbö-Stützpunkt auf dem Grund von Hubert Kügler. Anrainer haben bereits nachgefragt, was auf dem asphaltierten Lagerplatz passiert. „Es wurde sogar vermutet, dass es sich um einen Spielplatz handelt und Kinder hier mit ihren Rädern fahren könnten“, erzählt Kügler.

Doch dem ist nicht so, der Grund für die Rampen hat aber sehr wohl etwas mit einem Rad zu tun. Die Fläche nutzt nämlich Kärntens BMX-Ass, der Klagenfurter Kevin Böck (26), für seine Zwecke. Böck ist amtierender österreichischer Meister in der Randsportart BMX-Freestyle, fährt im A-Kader und vertritt damit Österreich bei Weltmeisterschaften und generell im Ausland. Im Winter trainiert er mehrmals wöchentlich in einer alten Fabrik in Slowenien seine Sprünge und Tricks, ab dem Sommer will er sich dann in Seebach auf seine nächsten Shows und Wettbewerbe vorbereiten. Sein großes Ziel ist die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2028 und 2032. „Das wird zwar unglaublich schwer, weil es im BMX-Freestyle nur zwölf Startplätze bei Olympia gibt, aber ich will es schaffen“, erzählt der sympathische Sportler, der hauptberuflich Vollzeit als Techniker im Zählermanagement bei den Klagenfurter Stadtwerken arbeitet.

Momentan befindet er sich auf Platz 36 der Weltrangliste. Eine Leistung, auf die Böck, angesichts fehlender Trainingsmöglichkeiten in seiner Heimat, sehr stolz ist: „Die wenigen vorhandenen Parks in Österreich sind eher klein gehalten.“ Nichts für jemanden, der – im wahrsten Sinne des Wortes – hoch hinaus will. Nachdem sich Böck vor acht Jahren dazu entschied, das BMX-Fahren auf professioneller Ebene zu trainieren, baute er erste Rampen im elterlichen Garten in Klagenfurt. „Nach einiger Zeit fühlten sich die Nachbarn aber durch den Lärm gestört und ich durfte dort nicht mehr trainieren“, erzählt Böck.

Sprünge in bis zu acht Metern Höhe

In Seebach wird in Zukunft der Lärm das geringste Problem sein, denn der angrenzende Straßenverkehr übertönt die Geräusche des Sprungtrainings bei weitem. Es gab vor Ort aber ein anderes Problem, nämlich die über dem Areal verlaufende Starkstromleitung. „Wir bekamen sogar eine Sicherheitsunterweisung durch die APG, denn näher als vier Meter dürfen wir nicht an die Leitungen rankommen. Es besteht sonst die Gefahr eines Stromüberschlags“, erklärt Böck, der mit seinen beiden besten Freunden, die ebenfalls BMX-Fahrer sind, die Rampen in Eigenregie baut. Bis zu acht Meter hoch kann Böck mit genügend Anlauf „fliegen“ und seine Tricks trainieren. Als Sicherheitsnetz dient ein Holzcontainer voller Schaumstoff.

Erste Teilnahme bei „Masters of Dirt“

Noch wird in der Freizeit fleißig an der Fertigstellung des Areals gearbeitet, ab dem Sommer soll trainiert werden. „Zuschauer sind gerne willkommen“, sagt Böck, der all seinen Sponsoren, Unterstützern und vor allem seiner Familie dankt. Wer nicht so lange warten will, kann den BMXler mit seiner eigenen Show zum Beispiel beim Radfest in Stainz am 25. und 26. April oder bei der „Masters of Dirt“-Tour (das Finale findet heuer am 27. Juli in Klagenfurt statt) sehen, wo er das erste Mal vertreten ist.

Auch Eberndorfs Bürgermeister Wolfgang Stefitz (SPÖ) freut sich, dass der BMX-Freestyler in Seebach trainiert: „Unsere Gemeinde ist ein lebendiger und vielfältiger Ort, der auch Platz für Hochleistungssport bietet. Ich wünsche Kevin Böck alles Gute.“