Seit ihrer Kindheit ist die gebürtige Völkermarkterin, Brigitte Slamanig, von einer Hörminderung betroffen. Erkannt wurde die Beeinträchtigung bei ihr im vierten Lebensjahr. Im Laufe ihres Lebens hat sich diese verschlechtert, seit einem Hörsturz 2016 ist die heute 60-Jährige fast ertaubt. Um den Hörverlust auszugleichen, bekam sie ein Cochlea-Implantat (CI) – eine elektronische Hörprothese für Ertaubte oder hochgradig Schwerhörige. „Ich höre damit sehr gut und kann in Lautsprache kommunizieren“, sagt Slamanig, die seit vielen Jahren in Klagenfurt lebt.

So funktioniert ein Cochlea-Implantat
So funktioniert ein Cochlea-Implantat © Adobes Stock

Eine Kommunikation im gesprochenen Wort ist auch das Ziel der einzigen unabhängigen und neutralen Beratungsstelle in Kärnten. Das „Forum besser HÖREN – Schwerhörigenzentrum Kärnten“ in Klagenfurt ist Projektträger dieser kostenfreien Beratungsstelle, bei der Slamanig seit der Gründung 2009 als Obfrau fungiert. Slamanig selbst arbeitete nach ihrem Studium einige Zeit in der Steiermark, darunter auch im Bereich der Hörbehindertenarbeit in Graz, ehe sie zurück nach Kärnten kam und sich weiterhin mit diesem Bereich auseinandersetzte.

Einsetzen eines Cochlea-Implantats
Einsetzen eines Cochlea-Implantats © Adobes Stock

Im Jahr 2000 rief sie in Klagenfurt eine Selbsthilfegruppe für Schwerhörige und deren Angehörige ins Leben, wobei „die Nachfrage sehr groß war.“ „Ich habe gemerkt, dass wir auch in Kärnten eine gemeinnützige Institution brauchen, die diese Menschen auf gesellschaftspolitischer Ebene vertritt“, ergänzt Slamanig, die auch Präsidentin des Österreichischen Schwerhörigenbundes ist. Im Jahre 2003 gründete sie kärntenweit die alleinige Anlaufstelle „Technische Assistenz und Beratungsstelle für Schwerhörige“ (TAB).

Hohe Zahl an Betroffenen

Österreichweit sind circa 1,7 Millionen Menschen von einer Hörminderung betroffen, in Kärnten beläuft sich diese Zahl auf rund 120.000 Menschen (Quelle: ÖSB), wobei es unterschiedliche Einstufungen gibt (siehe Infobox). Entweder sind Betroffene von Geburt an beeinträchtigt oder die Hörminderung tritt im Laufe ihres Lebens auf. Vor allem die frühe Erkennung bei Kindern ist Slamanig mit ihrem Verein ein besonderes Anliegen: „Je früher etwas bemerkt wird und eine Hörsystemversorgung inklusive individueller Hörfrühförderung erfolgt, desto rascher ist mit einem Erfolg in der Sprachentwicklung zu rechnen. Jeder sollte einmal im Jahr zu einem HNO-Arzt gehen, im Sinne einer Vorsorge.“

Das „Forum besser HÖREN“ ist in Klagenfurt stationiert
Das „Forum besser HÖREN“ ist in Klagenfurt stationiert © Kk/privat

Denn laut Slamanig haben Betroffene dadurch eher die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. „Schwerhörigkeit ist nach wie vor ein Tabuthema. Mit der möglichen Hilfe ist ein gutes Leben möglich“, betont Slamanig. Ein wichtiger Punkt für die Obfrau ist vor allem die akustische Barrierefreiheit. Dazu zählen beispielsweise bei öffentlichen Einrichtungen und Veranstaltungsorten eine entsprechende Raumakustik oder vorhandene Höranlagen. „Ohne diese wird verhindert, dass Betroffene mit gut hörenden Menschen auf Augenhöhe sind“, betont Slamanig, die auch auf die gleichen Chancen für Hörbeeinträchtigte in der Ausbildungszeit und Berufswelt hofft.

Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Gesundheitswesen plädiert sie für mehr Sensibilität, denn dort gäbe es nach wie vor massive Kommunikationsprobleme: „Es gibt noch so viel Unwissen, auch, wie man mit uns umgeht. Die meisten schreien mit Schwerhörigen, was kontraproduktiv ist. Weil sich viele nicht verstanden fühlen, ziehen sich Betroffene zurück, anstatt die Hörhilfen anzunehmen. Ich empfehle langsames und deutliches Sprechen, vor allem eine Kommunikation von vorne und starke Umgebungsgeräusche zu vermeiden.“ Als Selbstbetroffene, aber auch als Obfrau ist es ihr wichtig, die Thematik Hörminderung beziehungsweise Hörvorsorge in der Gesellschaft transparenter zu machen.

Es finden viele Treffen mit Betroffenen und Angehörigen statt
Es finden viele Treffen mit Betroffenen und Angehörigen statt © Kk/privat

Die Beratungsstelle möchte Betroffene, aber auch ihre Angehörigen auffangen – sowohl bei persönlicher Beratung, Hilfestellung als auch für Informationen rund um Behördengänge oder Kosten. „Für mich gehört meine Hörbeeinträchtigung zu mir, so wie meine Hände, Augen oder Haare. Wir Betroffenen sind genauso vollwertige Menschen wie jeder andere“, möchte Slamanig Mut machen. Im Zuge des heutigen „Welttag des Hörens“ lädt das „Forum besser HÖREN“ am 5. März zum „Tag der offenen Tür“ von 9 bis 18 Uhr in die Gasometergasse 4a in Klagenfurt ein.