Ein außergewöhnlicher Prozess findet in der kommenden Woche am Landesgericht Klagenfurt statt. Ein Baggerfahrer und ein Geschäftsführer eines Erdbauunternehmens müssen vor Gericht, weil sie mit asbesthaltigem Baumaterial nicht korrekt gearbeitet haben sollen. Konkret geht es um den Abriss des Alpen-Adria-Gymnasiums in Völkermarkt. Dabei kam es im Jahr 2024 zu massiven Problemen. Der Abriss der 50 Jahre alten Schule musste vorübergehend sogar gestoppt werden.
Asbest in Fassade
„Dem Geschäftsführer und dem Baggerfahrer wird zur Last gelegt im Juli 2024 in Völkermarkt beim Abbruch des ehemaligen Alpen-Adria-Gymnasiums das Vergehen der vorsätzlichen Beeinträchtigung der Umwelt verantworten zu müssen, indem sie asbesthaltige Fassaden im Zuge der Demontage nicht sachgemäß verarbeitet und gelagert haben sollen“, gibt das Gericht dazu bekannt. Der Geschäftsführer gilt für die Staatsanwaltschaft Klagenfurt als „Bestimmungstäter“ und der betroffene Baggerfahrer als „unmittelbarer Täter“. Die Anklagebehörde stellte einen Antrag auf Verhängung einer Verbandsgeldbuße. Für die Männer gilt die Unschuldsvermutung.
Der Abriss des Völkermarkter Gymnasiums war ein großes und erwartetes Projekt. Es fand sogar eine eigene Abrissparty statt. Doch nach Beginn der Bauarbeiten gab es aufgrund einer Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft Völkermarkt einen tagelangen Stopp: „Grund war der unsachgemäße Abbruch von asbesthaltigen Fassadenplatten, bei dem die Arbeitnehmerschutzvorgaben nicht eingehalten wurden. Es wurde daher vom zuständigen Arbeitsinspektor die sofortige Einstellung der Bauarbeiten angeordnet“, hieß es damals.
Die Abrissparty im Video
Suche nach Asbestfasern
Dass beim Bau des Alpen-Adria Gymnasiums Asbest verwendet wurde, war in der Region ein „offenes Geheimnis“. Nach Elternbeschwerden wurde im Jahr 2020 eine Untersuchung an zehn Stellen in Auftrag gegeben. Damals konnten in der untersuchten Luft keine Asbestfasern nachgewiesen werden, berichtete die Kleine Zeitung.
Arzt warnte
In den unsachgemäß beseitigten Fassadenplatten des Gebäudes wurde aber Asbest gefunden. „Asbest ist eine toxische Substanz und kann zur Lungenerkrankung führen. Jeglicher Kontakt sollte vermieden werden. Kommt man damit in Kontakt, sollten sofort Schutzmaßnahmen ergriffen werden“, warnte damals ein Arzt aus der Region.