Für Empörung sorgte die aktuelle Ausschreibung für das geplante Primärversorgungszentrum (PVZ) in der jüngsten Sitzung des Völkermarkter Gemeinderates. Denn, wie von der Kleinen Zeitung berichtet, wird mittels dieser, anders als etwa in den Bezirken Wolfsberg und Spittal an der Drau, wo das Zentrum direkt in den Bezirkshauptstädten errichtet werden muss, in Südkärnten bezirksweit nach einem Betreiber gesucht. Als Grund dafür führte die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), die die Betreibersuche gemeinsam mit dem Kärntner Gesundheitsfonds durchführt, eine unbesetzte Kassenstelle für einen Allgemeinmediziner in Bleiburg/Pliberk an. „Die Ausschreibung sieht hier deshalb im Einvernehmen mit dem Land größere Flexibilität vor“, hieß es dazu bereits vonseiten der Pressestelle der ÖGK.

Dass die künftige Primärversorgungseinheit (PVE) somit theoretisch südlich der Drau entstehen könnte, will man in der Bezirkshauptstadt keinesfalls hinnehmen. Per Dringlichkeitsantrag fordern die SPÖ und der Gemeinderat der Stadtgemeinde Völkermarkt „im Zusammenhang mit der aktuellen Ausschreibung einer Kassenvertragsstelle für ein Primärversorgungszentrum im Bezirk Völkermarkt, analog zu den Ausschreibungen in Wolfsberg und Spittal/Drau, die Bezirkshauptstadt Völkermarkt als sogenannten ,Makro-Standort‘ sicherzustellen.“ Adressiert wurde die von ÖVP und FPÖ einstimmig mitgetragene Resolution an die ÖGK, die Sozialversicherung der Selbstständigen, die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau, den Kärntner Gesundheitsfonds und das Land Kärnten.

Einigkeit unter den Parteien

„Die Ausschreibung war natürlich nicht wunschgemäß für uns als Stadtgemeinde“, sagte Völkermarkts Bürgermeister Markus Lakounigg (SPÖ), nachdem er die Petition vor der Abstimmung im Gemeinderat verlesen hatte. „Die Dringlichkeit dieses Antrages ist nicht nur dringlich, sondern überdringlich“, begründete Stadtrat Gerald Grebenjak die Zustimmung der FPÖ. Über die Einigkeit aller Parteien – die ÖVP stimmte ohne Wortmeldung zu – freute sich danach Gesundheitsreferent und Vizebürgermeister Aaron Radaelli (SPÖ). Als eines der Argumente für ein Primärversorgungszentrum in der nördlich der Drau gelegenen Bezirkshauptstadt führte Radaelli die Dichte an Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag ins Treffen. Diese sei – auch in Bezug auf die für das PVZ planungsrelevante Tagesbevölkerung – in den Gemeinden südlich der Drau um einiges höher als nördlich.

Diese Unterschiede werden vonseiten der ÖGK bestätigt. „Im ländlichen Raum kommen weniger Einwohner auf eine Planstelle, damit trotz geringerer Bevölkerungsdichte eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt ist und längere Anfahrtswege vermieden werden“, lautet die Begründung dazu aus deren Pressestelle. Im Hinblick auf die Resolution wiederholt die ÖGK-Pressestelle ihre Aussage, dass im Bezirk auf Basis der Bedarfsanalyse „grundsätzlich“ mehrere Standorte in Frage kommen würden, „neben der Stadt Völkermarkt unter anderem auch die Stadt Bleiburg/Pliberk, wo es eine unbesetzte Hausarztstelle gibt“. Die Entscheidung für den Standort werde unter Begutachtung des Versorgungskonzeptes der Bewerber und der Versorgungssituation getroffen.

Frist für Bewerber läuft

Was der Bleiburger Bürgermeister Stefan Visotschnig (SPÖ) dazu sagt, dass sich seine Gemeinde einmal mehr als möglicher Standort für das PVZ herauskristallisiert? „Ich sehe das sehr positiv, dass die ÖGK an den ländlichen Raum denkt“, zeigt sich Visotschnig erfreut. In seiner Stadt gebe es zudem Räumlichkeiten, die mit wenig Aufwand für ein solches Zentrum adaptiert werden könnten. „Obendrein ist Bleiburg sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Zug gut erreichbar“, sagt er. Neben der derzeit unbesetzten Kassenstelle werde laut Visotschnig außerdem auch bald eine Hausärztin in der südlich der Drau gelegenen Kommune in Pension gehen.

Zur Gründung einer Primärversorgungseinheit als Kassenvertragsstelle müssen sich mindestens zwei Allgemeinmediziner mit einer diplomierten Pflegeperson und einer Ordinationsassistenz zusammenschließen. Bewerbungen sind noch bis zum 28. Jänner 2025 möglich. Finanziert werden die Zentren zur Entlastung von Spitalsambulanzen von den Sozialversicherungsträgern, dem Land und dem Kärntner Gesundheitsfonds.