Es ist ein früher Morgen wie alle anderen, an denen sie Schule hat: Sie rennt eilig die Stiegen hinunter, steckt ihr Pausenbrot und ihre Wasserflasche schnell in ihre Schultasche, zieht Schuhe und Jacke an und läuft zum Auto, in dem ihr Vater schon ungeduldig auf sie wartet.

Als sie an der Ampel im üblichen Straßenverkehr warten muss, kann sie endlich wieder ihren Gedanken freien Lauf lassen. Eigentlich könnte sie ja in der Früh mit dem Bus zum Hauptbahnhof in Villach fahren anstatt mit dem Auto. Doch der fährt schon um 7:03 von der Haltestelle ab. Erstens ist das viel zu früh für sie, denn sie müsste dann schon um halb fünf aufstehen… so etwas würde in tausend Jahren bei ihr nicht vorkommen. Und zweitens würde sie dann eine halbe Stunde am Hauptbahnhof in Villach warten: nutzlos warten. Und im Winter auch noch in eisiger Kälte!

Aber eigentlich ist es doch besser, mit dem Bus zu fahren, statt mit dem Auto. Der Bus stößt weniger CO2 aus und er ist eine umweltfreundlichere Wahl. Außerdem ist der Zug, den sie normalerweise nehmen würde, ebenfalls ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, das die Straßen entlastet und den CO2-Ausstoß im Vergleich zum Individualverkehr deutlich senkt. Die Wartezeit wäre für sie eigentlich halb so schlimm, wenn der Bahnhof nicht so düster, trostlos und heruntergekommen aussehen würde, wie er eben aussieht. Die Warteräume sind trostlos und monoton und am Bahnsteig gibt es ebenso wenig Spannendes oder Herausstechendes. Im Sommer sieht er aus und fühlt sich an wie die Sahara und im Winter wie die Arktis.

Ein Weg, der die Welt verändert

Aber vielleicht wäre es auch besser, den Zug häufiger zu nehmen, statt sich auf das Auto zu verlassen, denn eine regelmäßige Nutzung des öffentlichen Verkehrs ist eine wichtige Maßnahme für den Klimaschutz. Weniger Autos auf den Straßen bedeuten weniger Staus und weniger Schadstoffe in der Luft .An der Ampel fährt nun vor ihr ein Bus vorbei, der mit Wasserstoff betrieben ist und nach Völkendorf fährt, über andere Orte, die sie nicht rechtzeitig gelesen hat. Eigentlich gibt es ja genug Verbindungen, die ganz Kärnten verbinden, aber irgendwie doch nicht. Egal… sie ist jetzt schon fast am Hauptbahnhof angekommen. Nur ist es mittlerweile schon 7.50, das heißt, ihr Zug würde in 6 Minuten losfahren. Eilig läuft sie durch die Glastür des Bahnhofes, nur um die Schüler von gefühlt allen Schulen im Großraum Villach zu treffen und die angezeigte Verspätung ihres Zuges zu sehen. Na toll! Der Tag fängt für sie ja schon fantastisch an.

Als die Durchsage ihren Zug ansagt, ist sie bereits von Kopf bis Fuß durchgefroren. Sie kann es kaum erwarten, in den warmen Zug zu steigen, sich zusammen mit ihren Freunden an einem Platz mit 4 Sitzen zu setzen und sich 10 Minuten lang einfach zu entspannen, so wie der ÖBB Slogan “Railaxed” auch behauptet. Doch das alles ist leichter gesagt als getan. Denn als sie den ersten Schritt in den Zug macht, kann sie schon ahnen, dass diese Fahrt alles andere als „Railaxing“ sein wird. Es ist der halbe Zug für die Schulklassen reserviert und alle anderen Plätze sind bereits besetzt. Und wieder einmal steht sie zusammen mit anderen gefühlt tausend Leuten, die ihr total fremd sind, auf 2 cm Abstand. Der Zug steht mittlerweile schon 10 Minuten still und hat den Bahnhof immer noch nicht verlassen, weil man den hinteren Zugteil zurücklassen muss. Dabei wäre die Zugfahrt so viel angenehmer, wenn sie etwas mehr Platz hätten, denn in dieser oft nach Schweiß stinkenden Luft erstickt sie schon langsam.

Punktlandung mit Glücksfaktor

Zehn Minuten später ist der Zug endlich in Velden am Bahnhof angekommen und sie drängt sich eilig durch die Menschenmenge, die sich im Zug gebildet hat, um zur Tür zu kommen. Sie läuft eilig die Stiegen der Unterführung hinunter. Als sie die zweite Stiege in Richtung Ausgang nach oben läuft, kann sie ihr Glück kaum fassen: obwohl der Zug Verspätung hat, steht der Bus, der sie vor die Schule führt, immer noch hier. Schnell holt sie ihren Zugausweis hervor und steigt in den Bus hinein, um sich einen Platz zu erobern und zu sichern.

Endlich steigt sie aus dem Bus aus, und dabei wundert sie sich, ob sich das alles gelohnt hat, nur um umweltfreundlich in die Schule zu kommen. Was wäre, wenn sie einfach das Auto genommen hätte, um schneller dort zu sein? Oder wenn sie an diesem Morgen einfach im Bett geblieben wäre, statt sich durch den grauen Regen zu quälen? Vielleicht hätte sie sogar ein Fahrrad nehmen können, aber was wäre, wenn das Wetter noch schlechter geworden wäre? Und würde es nicht einfacher sein, einfach wieder zurück ins Bett zu gehen, anstatt sich dem ganzen Schulstress zu stellen? Aber sie weiß, dass jede kleine Entscheidung, wie die Wahl des Zuges oder Busses statt des Autos, zur Reduzierung ihres persönlichen ökologischen Fußabdrucks beiträgt. Und vielleicht ist es doch gut, den schwierigen Weg zu gehen, um am Ende etwas für die Umwelt getan zu haben.

Umfrage unter mehr als 100 Schülern

Das Team der ISC für „Schüler machen Zeitung“ hat mehr als 100 Schülerinnen und Schüler befragt
Das Team der ISC für „Schüler machen Zeitung“ hat mehr als 100 Schülerinnen und Schüler befragt © KK/ISC

Utopie

Stell dir öffentliche Verkehrsmittel mal vor. Stell dir vor, die Züge wären unterhaltsam. Ein Kunstzug würde an dir vorbeifahren, in dem du jede Woche neue Ausstellungen bewundern könntest. Fünf Minuten später käme der Diskozug, in dem die Tanztiger zu jeder Stunde in Harmonie, Takt und Klang bis zum Zielbahnhof tanzen könnten. Zweimal täglich würde ein Streichelzoozug mit kuscheligen Kätzchen und anderen flauschigen Tieren zum Liebhaben kommen. Dieser Zug könnte doch “Hello Kitty Zug” heißen, oder?

Stell dir vor, die Züge wären für Leidenschaften ausgelegt. Öfters würde der Botanikzug an den Haltestellen halten, in dem alle mit grünem Daumen unter uns sich ihrer Passion widmen könnten. Die Leseratten würden ihren Zug auch dreimal täglich finden. Der Lesezug, ein Langstreckenzug, in dem über die ganze Strecke die berühmtesten Geschichten vorgelesen werden würden. Wäre ein Sportzug nicht auch interessant? Die Lokomotive würde nur durch die Energie der Sportler angetrieben werden und jeder Waggon hätte Sportgeräte, auf denen getreten, gestrampelt, gezogen und gehantelt werden könnte.

Stell dir vor, die Züge wären produktive Orte. Für die Stressgetriebenen könnte es einen Einkaufszug geben, in dem die Einkäufe während der Heimfahrt getätigt werden könnten. 36 mal am Tag käme der TUTOR-Zug. Ein Zug mit einer Lehrkraft, die Themen nahebringen könnte. Nun stell dir vor, durch diese Ideen, die du gerade in deinem Kopf geschaffen hast, würden wir alle die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzugen.

Stell dir vor, du hättest keine nervigen Leute in deinem Zug, da jeder den für sich passendsten Zug wählt. Stell dir vor, wie gut es dem Klima gehen würde. Stell dir vor, wie die ganze Welt in dieser Frische aufatmen würde. Schließ deine Augen. Atme tief durch. Öffne sie wieder.

Und nun schau dich um. Wir sind von diesen Ideen nicht weit weg, du hältst sie in deinen Händen. Und dennoch bleibt alles, wie es ist. Tobias Reischl