Weiße Strände, türkisblaues Meer und eine Unterwasserwelt, die an Artenvielfalt und Farbenpracht ihresgleichen sucht. Ein Urlaub auf den Malediven bedeutet in den allermeisten Fällen Entspannung pur – das war er auch für Kleine Zeitung-Redakteur Andreas Hoi aus Straßburg und Freundin Sarah Kraßnitzer. Zumindest, bis die Vereinigten Staaten und Israel ihre Angriffe auf den Iran gestartet haben. Dieser antwortete unter anderem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf die Golfregion.

„Mir ist wichtig, zu betonen, dass das keine Jammergeschichte werden soll. Wir hatten, wenn man sich Erlebnisse von anderen Urlaubern anhört, nämlich sehr viel Glück. Aber die Story ist vielleicht trotzdem recht interessant“, beginnt Hoi zu schildern. „Als der Irankrieg am 28. Februar begann, waren wir eigentlich noch tiefenentspannt. Bis zu unserem Rückflug dauerte es noch über eine Woche.“ Rückblickend sei es „enorm naiv“ gewesen, zu glauben, die Sache sei bis dahin erledigt.

Das Paar kam am 24. Februar auf den Malediven an
Das Paar kam am 24. Februar auf den Malediven an © KLZ / Andreas Hoi

Flugannullierung folgte bald

Der angesprochene Rückflug wäre von der maledivischen Hauptstadt Malé via Abu Dhabi zurück nach Wien gegangen. „Über die folgenden Tage hörten die iranischen Raketenangriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate allerdings nicht auf. Dennoch nahm die Airline Etihad, mit der wir geflogen sind, am 4. oder 5. März wieder einen limitierten Flugplan auf.“ Einige ausgewählte Destinationen würde man von und nach Abu Dhabi anfliegen. Wien habe zunächst nicht auf dieser Liste gestanden, sei aber nur einen Tag später hinzugefügt worden.

„Da Wien plötzlich wieder angeflogen werden sollte, hatten wir natürlich die Hoffnung, dass unser Rückflug halbwegs wie geplant stattfinden kann.“ Lange währte diese jedoch nicht, nur kurze Zeit später folgte eine Mail von Etihad: „We‘re sorry, your upcoming flight to Vienna on 10 March 2026 has been cancelled“, war darin zu lesen.

Die Malediven sind durch den Klimawandel stark existenziell bedroht. Der Meeresspiegel steigt und Experten gehen davon aus, dass 80 Prozent des Landes 2050 nicht mehr bewohnbar sein werden.
Die Malediven sind durch den Klimawandel stark existenziell bedroht. Der Meeresspiegel steigt und Experten gehen davon aus, dass 80 Prozent des Landes 2050 nicht mehr bewohnbar sein werden. © KLZ / Andreas Hoi

Tagelang wurde hin- und hergeschrieben

Vor allem ab diesem Moment sei es „nicht mehr so witzig gewesen“. „Von da an war ich fast durchgehend am Korrespondieren mit TUI als unserem Reiseveranstalter, mit Hofstätter als unserem Reisebüro sowie mit Etihad.“ Von der arabischen Fluggesellschaft, die Hoi „auf sämtlichen Wegen“ kontaktiert habe, gab es allerdings keine Antwort. „Die haben vermutlich hunderttausende Nachrichten erhalten, das geht dann unter. Aber versuchen muss man es natürlich.“

Es folgten Tage der Ungewissheit. „Eigentlich dachte ich, dass im Laufe der kommenden Tage schon eine Lösung kommen wird. Schließlich waren es noch drei oder vier Tage bis zum ursprünglich geplanten Rückflug.“ So schnell tat sich allerdings keine Option auf. „TUI betonte immer wieder, dass sie sich bemühen, aber es aktuell kaum ein Flugkontingent gibt. Sie wissen nicht, wie lange es dauern wird, bis sie einen Flug finden.“ Dennoch war Hoi mit dem Krisenmanagement des Touristikriesen zufrieden. „Die waren natürlich auch überfordert, aber haben zumindest immer rasch auf Nachrichten geantwortet.“

Die Malediven sind für ihr türkisblaues Wasser bekannt
Die Malediven sind für ihr türkisblaues Wasser bekannt © KLZ / Andreas Hoi

Plötzlich war ein Flug verfügbar

Und vor allem habe TUI die Kosten für die zusätzlich notwendig gewordenen Übernachtungen übernommen. „Wir hatten Glück, dass das Resort nicht ausgebucht war – so konnten wir bleiben und mussten nicht zurück zum Flughafen.“ Seit der offiziellen Annullierung des Fluges waren etwa fünf oder sechs Tage vergangen. „In der Zeit ist im Grunde nichts passiert, es gab keine konkreten Informationen“, erzählt Hoi. „Am 11. März, einen Tag nach unserem eigentlichen Flugtermin, kam plötzlich ein Resortmitarbeiter auf uns zu und drückte uns einen Brief in die Hand. Dort stand, dass wir morgen auschecken müssen.“ Das Resort hat dem Paar einen Inlandsflug zum Flughafen nach Malé gebucht. Ein internationaler Flug sollte im Anschluss folgen.

Im ersten Moment sei man davon überrascht gewesen. „Man hört während des Wartens Geschichten von anderen Urlaubern, die eine Woche oder länger festhängen. Mental war ich schon darauf eingestellt, noch einige Tage hier zu verbringen.“ Wäre es dazu gekommen, hätte man sich laut Hoi überlegen müssen, selbst eine Heimreise zu organisieren. „Aber die Preise waren und sind absurd. 7000 bis 8000 Euro oder mehr für Flugtickets zu bezahlen, hatte ich eigentlich nicht auf meiner To-do-Liste.“

Welche Route wurde gewählt?

Dazu kam es glücklicherweise nicht. „Bei der Rezeption konnte man uns allerdings anfangs nicht sagen, über welche Route dieser Flug führt. Sie wussten nur, dass unser Reiseveranstalter ihn gebucht hat“, schildert der 29-Jährige. „Angefragt bei TUI kam jedoch die Antwort, sie wüssten überhaupt nichts von einem Flug. Da wurden wir dann schon wieder nervös“, blickt Hoi mit einem Schmunzeln zurück.

Das Missverständnis habe sich bald aufgeklärt. Das TUI-Krisenteam habe die Info einfach etwas später erhalten. „Dann wurde uns mitgeteilt, dass sie einen Flug mit Oman Air von Malé via Maskat (Oman) nach München gebucht haben.“ Eine amüsante Begebenheit – als letzte Pointe – folgte noch auf der Strecke von Maskat nach München. „Als wir schon in der Luft waren, fiel mir auf der Flight Map auf meinem Bildschirm auf, dass als Zielort Kairo eingegeben ist und nicht München.“ Es stellte sich heraus, dass die Maschine in Kairo zwischenlanden muss – um zu tanken. „Keiner der Passagiere wusste davon, kurzzeitig herrschte etwas Verwirrung.“

Urlaub wird in guter Erinnerung bleiben

Für Hoi und Kraßnitzer waren es spannende Tage, die mit der Landung in der bayerischen Landeshauptstadt zu Ende gingen. „Wir hatten verglichen mit anderen wirklich extrem viel Glück, dass alles so schnell ging. Außerdem hatten wir immer ein schönes Dach über dem Kopf, mussten nicht am Flughafen schlafen oder Ähnliches“, sagt der Journalist. „Witzig ist die Ungewissheit aber natürlich trotzdem nicht.“ Dennoch: So wunderschön der Urlaub auf den Malediven war, er wird auch aufgrund dieses Chaos in Erinnerung bleiben. „Und ich denke auch, in sehr guter Erinnerung“, sagt Hoi mit einem Lächeln.

Kraßnitzer und Hoi kurz nach der Ankunft am Münchner Flughafen
Kraßnitzer und Hoi kurz nach der Ankunft am Münchner Flughafen © KLZ / Andreas Hoi