Der Osttirol Tourismus bläst zur Bettenoffensive – und will den aktuellen Rückenwind nutzen. Wie die Kleine Zeitung berichtete, steuert der Bezirk Lienz auf einen Rekordwinter zu. Alleine im Jänner betrug das Nächtigungsplus im Vergleich zum Vorjahr vier Prozent. Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, betont einmal mehr, dass man dabei dem „Bettenschwund“ trotzt: „Der positive Trend ist darauf zurückzuführen, dass die Qualitätsbetten eine immer stärkere Auslastung verzeichnen. Die Nächtigungszahlen sind eine Sache, aber die Wertschöpfung eine ganz andere.“ Die Wertschöpfungssteigerung liegt laut des TVB-Obmanns sogar „noch einmal deutlich“ über den Nächtigungszuwächsen.

Qualitätsbetten statt Bettenschwund

„Die Chance liegt nun, den Bettenschwund mit neuen Qualitätsbetten aufzufangen“, so Theurl weiter. Daher sei es an der Zeit, dass Investitionen wieder mit verstärkter Förderung begleitet werden. Zum Hintergrund: Osttirol ist das einzige regionale Sonderfördergebiet Tirols, für welches EFRE-Mittel („Europäischer Fonds für regionale Entwicklung“) parat stehen. Aktuell sind die Mittel jedoch blockiert. „Der im Land ausgerufene Qualitätsbettenstopp, darf für Osttirol nicht gelten, wenn man Vergleiche mit Nordtiroler Destinationen anstellt, wo teilweise bis zum Sechsfachen Vier- und Fünfsternbetten zur Verfügung stehen“, zürnt Theurl über die Ungleichbehandlung und fordert, mit der Wirtschaftsförderstelle des Landes eine Lösung zu finden.

Bereits bei der TVB-Generalversammlung wiederholte Obmann Franz Theurl seine Forderungen nach mehr Qualitätsbetten und mehr Förderungen
Bereits bei der TVB-Generalversammlung wiederholte Obmann Franz Theurl seine Forderungen nach mehr Qualitätsbetten und mehr Förderungen © Andre Schmidt

Doch auch ohne Förderung: Neue Hotels sind im Kommen. Allen voran mitten in Lienz. Dort, wo noch vor wenigen Wochen der ehemalige Glocknerhof vor sich hinwelkte, wird nun definitiv ein Hotel der französischen B&B-Kette entstehen. Der alte Komplex nahe der Fagerer-Kreuzung und im Schatten der OMV-Tankstelle ist von der Firma Machbau inzwischen dem Erdboden gleichgemacht worden. Grundsätzlich grünes Licht für das Megaprojekt gab der Lienzer Gemeinderat schon im vorherigen Mai. Bei der Hotelkette gibt man sich auf Nachfrage zwar zugeknöpft, bestätigt aber: „Der Beginn der Bauarbeiten ist nach aktuellem Stand für das erste Quartal dieses Jahres vorgesehen.“

Fertigstellung im ersten Quartal 2027

Auch einen Blick in die Zeitschiene erlaubt die Pressestelle des im Jahr 1990 in Brest gegründeten Unternehmens: „Die Fertigstellung des Projekts ist für das erste Quartal 2027 geplant. Unverändert vorgesehen sind rund 104 Zimmer.“ Darüber, ob es sich dabei um Theurls ersehnte Qualitätsbetten handelt, lässt sich streiten. Wie andere „Economy“-Ketten à la Motel One oder Explorer entzieht sich B&B Hotels der klassischen Sternezertifizierung, will stattdessen höchstmöglichen Standard zum fairen Kurs bieten. Damit das Konzept aufgeht, minimiert B&B das Drumherum. Eingecheckt wird am Terminal, ein Restaurant gibt es nicht, das Frühstück ist „Self Service“. Fast 900 Häuser in 15 europäischen Ländern betreibt die Kette. Lienz wird der erste Standort in ganz Tirol sowie der 14. in Österreich.

Nüchtern, aber stilvoll: die Zimmer in einem B&B-Hotel wie hier in Aachen
Nüchtern, aber stilvoll: die Zimmer in einem B&B-Hotel wie hier in Aachen © B&B Hotels

Über 350 neue Betten auf dem Zettersfeld

Hoch über der Bezirkshauptstadt geht die Bettenoffensive ebenfalls munter weiter. Theurl: „Am Zettersfeld soll es heuer noch zum Baubeginn für eine Hotelanlage mit 200 Betten kommen. Wunsch-Fertigstellung wäre zur Wintersaison 2027/28.“ Ein weiteres Projekt im Lienzer Skigebiet mit an die 125 Qualitätsbetten – eine Hotelanlage im Bereich des Jugendheimareals – sei zudem in konkreter Vorbereitung. Dazu kommt wie bereits berichtet das 5,5 Millionen schwere Vorhaben der WIP-Dresden GmbH: eine Appartementanlage mit zwei großen Gebäuden und bis zu 40 Betten auf der Faschingalm. „Dies alles lässt die Attraktivität und das Potenzial im Skigebiet Zettersfeld erkennen“, freut sich der TVB-Obmann.

Zum bestehenden Faschingalm-Gasthof (links am Bildrand der Visualisierung) sollen zwei Neubauten errichtet werden
Zum bestehenden Faschingalm-Gasthof (links am Bildrand der Visualisierung) sollen zwei Neubauten errichtet werden © WIP-Dresden GmbH

Neue Häuser auch in St. Jakob und Matrei

In St. Jakob im Defereggental ist derweil eine Hotelerweiterung mit an die 100 Betten in Planung. Fahrt nimmt auch das Hotelprojekt der Schultz-Gruppe in Matrei auf. Nachdem es zuletzt zu Verzögerungen kam, könnte es im Frühjahr mit dem Bau losgehen. 114 Wohnungen mit 150 Gästeschlafzimmern und 300 Betten soll der Komplex umfassen. In der Planung enthalten sind auch ein Sportgeschäft, Empfangsräumlichkeiten, ein Speisesaal samt Küche und Nebenräume, zwei Wellnessbereiche, ein Fitnessbereich, Kinder- und Jugendräume sowie gar ein Schwimmteich.

Weiter geht es im Süden des Bezirks: In Kalkstein am Talschluss des Vilgratentals befindet sich gerade ein qualitativ hochwertige Appartementanlage im Bau, welche in nächster Zeit ihrer Bestimmung übergeben werden soll. In Sillian sind weitere Investitionen in Hotelbetten momentan allerdings auf „hold“ gesetzt, da Investoren laut Theurl „auf das Projekt Skischaukel Sillian-Sexten warten“. In Obertilliach hat zuletzt das Almfamilyhotel Scherer weitere Gästebetten geschaffen und den Wellnessbereich erweitert.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Hotelkomplex in Matrei
Die Visualisierung zeigt den geplanten Hotelkomplex in Matrei © TVB

Stimmung für Neuinvestitionen ist gut

Weitere Chancen ergeben sich laut Theurl durch die enge Kooperation des TVB mit der Angebotsgruppe „Urlaub am Bauernhof“ in Zusammenarbeit mit der landwirtschaftlichen Lehranstalt (LLA): „Ziel muss es dabei sein, die jungen Hofübernehmer zur Schaffung von Zuerwerb am Hof, durch Errichtung von Qualitätsbetten zu motivieren.“ Das zuletzt mit der LLA umgesetzte Leuchtturmprojekt „Super Host“ war dabei ein vielversprechender Start. Osttirols oberster Touristiker abschließend: „Die Stimmung für Neuinvestitionen scheint gut zu sein – nur muss an den Rahmenbedingungen für die Tourismustreibenden weitergearbeitet werden.“