Das Motto des Tages stellte der Obmann des Tourismusverbandes Osttirol, Franz Theurl, mit seinen ersten Worten klar: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Ein Jahrzehnt lang hatte Theurl dafür gekämpft, dass aus Oberkärnten anreisende Osttirol-Gäste gebührend empfangen werden. Zuletzt grüßte nur ein kläglicher Rest des einstigen Willkommensschildes. Nun ist es soweit: „Mutter Erde“, eine von Künstler Georg Planer entworfene und von Gestalter Gerhard Moser in Lienz-Peggetz vollendete Frau aus Glas, hebt unweit der Grenzsteine an der Drautalstraße B100 ihr Haupt in die Luft.
„Die Frauenfigur hat bereits in der Steinzeit eine Rolle gespielt, in der griechischen Mythologie war sie ganz entscheidend. Da geht es um Natur, um die Schöpfung, um die Fruchtbarkeit“, erklärte Osttirols Tourismus-Oberhaupt bei den Feierlichkeiten den tieferen Sinn: „Das passt zum Osttiroler Leitbild, das weit über die Landesvorgaben hinausgeht. Unser Kapital ist die heile Natur. Die Skulptur symbolisiert, was uns prägt.“
„Jetzt bin ich in einer Zauberlandschaft“
Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik, von Beginn an Befürworterin des Projekts, fand gar poetische Worte: „So eine wunderbare Naturlandschaft, solche Räume, wie wir sie im Bezirk haben – das gibt es ganz selten, wenn überhaupt. Diese Exzellenz wird durch das Eingangsportal widergespiegelt.“
Letzteres schafft dies dank geriffelter Glasstruktur, die durch Sonneneinstrahlung Lichtspiele wie ein Kristall erzeugt. Nachts sorgen die Scheinwerfer der Fahrzeuge für einen ähnlichen Effekt, der Osttirol-Schriftzug im Sockel strahlt fluoreszierend. „Ich habe schon früher, wenn ich von Wien kommend durchs Kärntner Tor gefahren bin, stets das Gefühl gehabt: Jetzt bin ich in einer Zauberlandschaft“, schwelgte die Bürgermeisterin vor der Enthüllung mit Hindernissen (siehe Video) weiter: „Durch die Portale zeigen wir, dass wir ganz was Besonderes sind. Ein Rohdiamant.“
„Mich hat es auch als gebürtiger und leidenschaftlicher Osttiroler fasziniert, was ich mit dem Medium Glas und dem Licht ausdrücken kann. Man taucht in ganz andere Sphären ein“, so der inzwischen in Oberkärnten lebende Künstler selbst zu seiner Skulptur, die auf einem Sockel aus Prägratener Serpentin thront. Dass nach der seit 2016 existierenden, ebenfalls von Planer entworfenen Skulptur am Felbertauern eine zweite grün schimmernde Glasfrau einen Willkommensgruß sendet, ließ Landtagsvizepräsidentin Blanik auch politisch frohlocken: „Noch sind wir im Bezirk drei Bürgermeisterinnen von 33. Aber vielleicht ändert es etwas an den Machtstrukturen, wenn wir an den Eingangsportalen so präsent sind.“
Gesamtkosten von 60.000 Euro
Rund 60.000 Euro hat das Ganze gekostet. Theurl: „Für so ein Kunstwerk ist das geschenkt. 20.000 Euro haben wir mit dem TVB übernommen.“ Der Rest kam unter anderem durch den Planungsverband, die Felbertauern AG und den Nationalpark Hohe Tauern zusammen. Portal Nummer zwei reicht dem TVB-Obmann indes noch lange nicht, die Gespräche im Oberland für ein Eingangstor in Arnbach würden erfolgsversprechend verlaufen. Für eine weitere Zufahrt gen Osttirol – am Iselsberg – hat Planungsverbandsobmann Markus Stotter (ÖVP) bereits die Schatulle geöffnet. Planer kann sich also Gedanken um eine neue Pose von Mutter Natur machen: Nach liegend (Felbertauern) und stehend vielleicht sitzend oder gar springend?