Groß war die Sorge vor negativen Auswirkungen auf die Tierwelt in der Isel, als sich die Großbaustelle für den Hochwasserschutz in Lienz ankündigte. Vor allem Fischer befürchteten Auswirkungen, und zwar nicht nur im unmittelbar von Grabungsarbeiten betroffenen Stadtgebiet, sondern auch in den nachfolgenden Revieren, etwa durch zusätzliche Eintrübungen. Die Bewilligungsbehörde bestellte das Unternehmen Revital Integrative Naturraumplanung in Nußdorf als ökologische Bauaufsicht. Revital führt in der Isel entlang der direkten Eingriffsbereiche laufend Fischbergungen durch. „Damit soll nach Möglichkeit vermieden werden, dass die Fischfauna in den jeweiligen Bauabschnitten zu Schaden kommt“, erläutert das für den Hochwasserschutz zuständige Land Tirol.
Fischbestand und Artenreichtum nahmen schon vor Baubeginn ab
Die Isel ist ein ganzjährig kalter Gletscherfluss, und dennoch vielfältiger Lebensraum. Eine wissenschaftliche Dokumentation dazu liefert das kürzlich veröffentlichte Buch „Die Isel. Gletscherfluss in der Kulturlandschaft“. Die Wassertemperatur der Isel liegt auch im Sommer im Mittel bei nur 11,5 Grad Celsius, gemessen am Pegel in der Stadt Lienz. An Fischen prägen die Bachforelle, im Unterschied zu früher inzwischen auch die Regenbogenforelle, und die Äsche den Mittel- und Unterlauf vom Virgental bis zum Zusammenfluss in die große Drau. Auch die Koppe gehört zu den Leitarten in der Isel, wenngleich sie zu den seltensten Fischarten zählt, ebenso wie der Strömer, der zur Familie der Karpfenartigen zählt.
War die Elritze in den Siebzigerjahren noch bis nach Kals hinauf anzutreffen, haben ihre Bestände deutlich abgenommen. Auch die Aalrutte, eine Dorschart mit bis zu 40 Zentimetern Körperlänge, wurde bei einer Elektrobefischung im Abschnitt Ainet-Oberlienz im Jahr 2011 in beträchtlicher Zahl nachgewiesen. Fischer beklagten in der Vergangenheit einen von Jahr zu Jahr spürbaren Rückgang an Fischen. Vor allem der Äschenbestand soll deutlich eingebüßt haben. Am Ende der Nahrungskette in der Isel steht der Huchen, auch als Donaulachs bezeichnet. Ein Huchen erreicht eine Körperlänge von 1,30 Metern und ein Gewicht von 25 Kilogramm.
Behördliches Abfischen, im Regelbetrieb nur geringe Trübungen
Vor Baubeginn für den Hochwasserschutz hat man eine Befischung mittels Streifenbefischung zur Bestandserhebung und Beweissicherung durchgeführt. „In Abhängigkeit der Fischart haben sich dabei gute Altersverteilungen und Biomassen gezeigt“, das stellte ein entsprechender Bericht fest, der im Mai 2024 fertiggestellt und der Behörde übermittelt worden ist.
Auch hinsichtlich der befürchteten Eintrübungen des Flusswassers gibt das Land Entwarnung: Ein dauerregistrierendes Messnetz, bestehend aus einem Referenzpegel an der Isel, sowie einem weiteren Messpegel im Bereich der Hofgartenbrücke, hält alle Werte fest. Die Messergebnisse werden jeweils monatlich durch Fachleute der ökologischen Bauaufsicht ausgewertet und interpretiert.
Unbestritten verursacht die Baustelle an der Isel im Regelbetrieb Trübungen, allerdings „im sehr niederschwelligen Bereich“: Nur im Zuge einzelner, spezieller Baumaßnahmen werden kurzzeitige Trübungsspitzen im mittleren Bereich registriert, und das für die Dauer von 15 bis 30 Minuten. „Trübungen mit einer bedenklichen Intensität und/oder über einen längeren Zeitraum wurden bis dato nicht festgestellt“, heißt es von den Verantwortlichen. Die Behörde geht daher „aufgrund der Trübung weder in der Isel noch in der großen Drau von wesentlichen nachteiligen Auswirkungen auf die Fischfauna aus“.
Es gab nur wenige Meldungen an die Behörde
Im Zuge der bisherigen Bauphasen sind vereinzelt Rückmeldungen eingegangen. „Grundsätzlich erhalten alle Personen und Institutionen, denen im Rahmen der jeweiligen Verfahren eine Parteistellung zukommt, die Möglichkeit zur Mitwirkung“, heißt es vom Baubezirksamt, Abteilung Wasserbau. Man halte sich strikt an die in den Bescheiden festgelegten Vorgaben und Auflagen. „Aus heutiger Sicht ist nicht von langfristigen negativen Auswirkungen auszugehen. Vielmehr zielt das Projekt darauf ab, die ökologischen Bedingungen im Flusslauf nachhaltig zu verbessern.“ Auch Alexandra Steiber, seit zwei Jahren Obfrau des Osttiroler Fischerei-Revierausschusses, erklärt, dass an sie keine Beschwerden herangetragen worden seien. „Hoffentlich bleibt das so.“