Ratten leben in der Nähe des Menschen. „Auch in Lienz haben wir mit Sicherheit mehr Ratten als Einwohner, das ist überall so“, sagt Oskar Januschke, Leiter der Umweltabteilung der Stadt. Die Tiere sind nachtaktiv, daher nimmt man sie selten wahr. Sie bewegen sich in den Abwasserkanälen und finden dort warme Brutstätten sowie Nahrung im Überfluss vor. In Wien sind alle Liegenschaftseigentümer verpflichtet, gegen Ratten vorzubeugen und sie zu bekämpfen. Eine Meldepflicht, wie in Deutschland, gibt es in Österreich nicht.
Es besteht Gefahr für die Gesundheit
„Wir ersuchen unsere Bürger aber dringend, wirklich jede Sichtung sofort an unser Umweltamt weiterzugeben“, bittet die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik um Mithilfe. Der Appell ist ernst zu nehmen, um eine Plage zu verhindern. Die Tiere vermehren sich rasend schnell: Ein Weibchen kann in einem Wurf ein Dutzend Jungtiere zur Welt bringen, und das Monat für Monat. Schon nach zwei Monaten ist der Nachwuchs geschlechtsreif. Ratten dringen überall ein und gelangen bis in die Wohnungen. Sie übertragen Krankheiten, zum Beispiel Tuberkulose, Typhus, Salmonellose, Hepatitis und Borreliose.
Die Baustelle in der Isel treibt die Ratten in die Wohngebiete
„Der Grund für die vermehrten Sichtungen von Ratten im Stadtgebiet ist die Baustelle für den Hochwasserschutz im Flussbett der Isel“, erklärt Oskar Januschke, Leiter des Umweltamtes. Die Erdbewegungen und der Lärm treiben die Tiere zurück in das Kanalnetz und in die Wohngebiete. Nach jedem Hinweis rücken umgehend Mitarbeiter des Wirtschaftshofs aus, um in die Kanalöffnungen in den betroffenen Straßen Giftköder zu hängen. Bitterstoffe, die Ratten nicht riechen können, verhindern, dass andere Tiere diese Köder fressen. Das Gift wirkt mit Verzögerung, die Ratten verenden erst im Unterschlupf, sonst würden die anderen Tiere die Gefahr erkennen. „Eine andere Lösung gibt es nicht“, erläutert Januschke. Die Giftköder werden nach dem Ausbringen regelmäßig kontrolliert. Die Bissspuren an den Ködern lassen Rückschlüsse auf die Anzahl der Tiere zu.
Eine beliebte oberirdische Nahrungsquelle in der Stadt sind Komposthaufen. Januschke appelliert: „Auch wegen des Gesundheitsschutzes raten wir dringend, statt eigenen Kompostern die Bio-Abfalltonnen zu nutzen.“ Meldungen nimmt die Stadt per E-Mail an umwelt@stadt-lienz.at oder unter der Telefonnummer 04852/600 entgegen.