Mit einem Hoch-Kultur-Festival hat die aus Osttirol stammende Musicbanda Franui im August 2023 ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Die Besonderheit: Eine professionelle Konzertbühne, deren Ausmaße internationalen Musikgrößen zur Ehre gereicht hätten, stand in der Wiese neben der urigen Oberstaller Alm auf 1673 Metern Seehöhe im Villgratental. Die insgesamt 7000 Konzertbesucher wanderten jeweils eine halbe Stunde lang vom Parkplatz zum Konzertgelände im Hochtal, um an drei Tagen ein gutes Dutzend an ausgewählten Musikacts inmitten der Natur zu erleben. „Alles, was über 1670 Meter Meereshöhe passiert, zählt ohne weiteres zur Hochkultur“, gab die Musicbanda mit einem Augenzwinkern die Richtung vor.

Franui-Fans aus dem gesamten deutschsprachigen Raum sind eigens für das Festival nach Osttirol gereist und haben in den meisten Fällen gleich einen Urlaub damit verbunden. Musikalisch verwoben die einzelnen Beiträge Klassik, Volksmusik, Jazz und zeitgenössische Klänge.

Franui unterstützt die Kulturspur Osttirol

„Wir haben bewiesen, dass Hochkultur im Hochgebirge die Leute nach Osttirol holt“, sagt Christof Schett, Geschäftsführer des Kulturnetzwerks Osttiroler Kulturspur. „Auf dieser Erfahrung bauen wir auf. Es gibt intensive Gespräche mit dem Tourismusverband Osttirol.“ Das erste „Hoch Kultur Festival“ war also Auftakt für weitere Veranstaltungen in dieser Größenordnung. Künstlerisches Zugpferd bleibt das Ensemble Franui, Bandleader Andreas Schett ist ein Bruder des interimistischen Geschäftsführers der Kulturspur. Franui wurde 1993 in Innervillgraten aus der Taufe gehoben. Aktuell stehen die elf Musikerinnen und Musiker mit ihrer Version von Thomas Bernhards Roman „Holzfällen“ im Burgtheater in Wien, in Hamburg, in Klagenfurt und in Linz auf der Bühne, gemeinsam mit Schauspieler Nicholas Ofczarek.

Die Musicbanda Franui blieb Osttirol in 30 Jahren treu
Die Musicbanda Franui blieb Osttirol in 30 Jahren treu © KK/Franui/Julia Stix

Franui setzte von Beginn an auf die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern und ist dadurch in kreativen Kreisen bestens vernetzt. Diese Kontakte will die Kulturspur zukünftig für den Bezirk nutzen und die Region dem Publikum zum Begriff machen. „Wir brauchen einen kulturellen Leuchtturm. Von diesem Impulsgeber sollen alle Osttiroler Kultureinrichtungen profitieren“, verwendet Christof Schett ein Bild. Aktuell sind 22 heimische Kultureinrichtungen unter dem Dach der Kulturspur versammelt: Museen, Kulturinitiativen, Burgen und Schlösser.

Fest steht, dass die Kulturspur ein Verein bleibt, und nicht in eine gemeinnützige Gesellschaft übergeführt wird. „Anders im Zillertal. Dort konnte eine Gesellschaft gegründet werden, weil vier Gemeinden jedes Jahr jeweils 20.000 Euro einzahlen. Unseren Gemeinden fehlt dafür einfach das Geld“, gewährt der Geschäftsführer einen Einblick, in welcher Größenordnung sich die Kosten bewegen. Mit Jahresende läuft die dritte und letzte LEADER-EU-Förderperiode aus. Die Kulturspur soll neun Jahre nach ihrer Gründung aber nicht versanden, sondern selbstbewusst und erfolgreich auf eigenen Beinen unterwegs sein. Das finanzielle Fundament liefern Mitgliedsbeiträge und Sponsoren.

Die Kultur soll in Osttirol zu einer Säule des Tourismus werden

„In allen Alpenregionen gehen Natur und Kultur so selbstverständlich zusammen wie Bruder und Schwester“, wagt Schett eine Einschätzung. „Was fehlt, ist die Struktur, die das weiß und die Räume bespielt.“ Die Kulturstätten in Osttirol sollen sich danach ausrichten und den Tourismus noch mehr als bisher einbeziehen. „Mit dem vielen Kleinen schaffen wir es nicht“, davon ist der Kulturspur-Vorstand überzeugt. Es müssten alle Ressourcen gebündelt werden: „Hochkultur und Natur, dazu Hochkulinarik. Unsere Gäste denken, im Unterschied zu uns selbst, nicht in den begrenzten Räumen unserer Täler. Die Urlauber wohnen im Virgental, fahren am Vormittag zum Bummeln nach Lienz und am Nachmittag in das Freilichtmuseum in Innervillgraten.“

Kulturspur-Geschäftsführer Christof Schett: „Natur, Kultur, Kulinarik. Das ist Osttirol.“
Kulturspur-Geschäftsführer Christof Schett: „Natur, Kultur, Kulinarik. Das ist Osttirol.“ © KK/Regina M. Unterguggenberger

Die Kulturspur steht im Austausch mit anderen Museen in ganz Österreich. Die vielen, meist sehr kleinen Einrichtungen in Osttirol, benötigen unter anderem qualifiziertes Personal, das Führungen übernimmt. Eine Idee ist ein Pool von Mitarbeitern, die jeweils in mehreren Kulturbetrieben tageweise eingesetzt werden könnten. Im Sommer soll erstmals eine Kulturlandkarte in Papierform die relevantesten Stätten in Osttirol zusammenfassen. Schett: „Auf unserer Homepage pflegen wir einen Veranstaltungskalender, den auch der Tourismusverband übernimmt. Wir bieten unseren Gästen alle Veranstaltungen und Informationen auf einen Klick.“