Ob mit dem Auto zur Hochsteinhütte, zum Anna-Schutzhaus oder zum Zettersfeld-Zentrum – die Kassa der beliebten Osttiroler Mautstraßen ist automatisiert. Und das meist schon seit vielen Jahren. Nur ein kleines Holzhaus samt Schranken trotzte bis zuletzt dem digitalen Fortschritt, setzte auf „Handbetrieb“ und den ein oder anderen Plausch zwischen Personal und Autobesitzern oder Radlern: die Mautstelle der Dolomitenstraße unweit des Kreithofs. Doch seit Anfang der Woche brummen hier auf rund 1050 Meter Seehöhe die Bagger, eine vollautomatisierte Schrankenanlage wird errichtet.
Mautpersonal kaum noch zu finden
Damit endet auch für viele Tristacher Schüler eine Ära, vor allem im Sommer war der Posten an der Maut ein beliebter Ferialjob. So erzählte Kletterass Lisi Steurer der Kleinen Zeitung vor Kurzem, wie sie sich dort das Geld für ihre Bergsteigerausbildung verdiente und so „vom Schranken“ aus in die weite Welt zog. Aber: „Es wurde vor allem in der Vor- und Nachsaison immer schwieriger, Personal zu finden. In den Sommermonaten wäre es mit Schülern und Studenten vielleicht noch gegangen“, sagt Armin Zlöbl, Obmann der bisherigen „Bringungsgemeinschaft Kreithof-Dolomitenhütte“, die aus rechtlichen Gründen in eine „Straßeninteressentgemeinschaft“ umgewandelt wurde. Zlöbl: „Ich habe noch viele gefragt. Aber auch für Pensionisten, die tageweise Zeit hätten, ist es steuerrechtlich uninteressant geworden. Tristachs Bürgermeister Markus Einhauer ergänzt: „Aufgrund der Personalproblematik war es ein logischer Schritt, die Maut zu automatisieren.“
Gegründet wurde die Dolomitenstraße als Wegegemeinschaft der Waldbesitzer, die Anfang der 1980er Jahre in die Bringungsgesellschaft samt Maut übergeführt wurde. Die in den Sommermonaten eingenommene Benützungsgebühr kam stets der Allgemeinheit zugute: So wurde mit dem Überschuss nicht nur die Straße instand gehalten, sondern auch der Rodelweg von der Dolomitenhütte bis zum Sportplatz präpariert, ebenso die beliebte Skitourenpiste über die Wiesen am Kreithof.
Hoher Aufwand der Instandhaltung
„Auch wirtschaftlich ergibt die automatisierte Maut Sinn. Es entfällt der Großteil der Lohnkosten, und wir können jetzt auch Fahrten in aller Früh oder spät am Abend bemauten“, so Zlöbl weiter. Zudem war die Maut bisher außerhalb der Hochsaison nur an den Wochenenden besetzt. Zlöbl weist auf den hohen Aufwand der Instandhaltung hin: „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Bergstraße, die der Witterung so ausgesetzt ist, noch so gut beieinander ist.“ In den Wintermonaten will man sich auch weiterhin um den Rodel- und Skitourensport „hinter‘m Kofl“ bemühen.
Die automatisierte Maut soll voraussichtlich Ende Mai ihren Dienst aufnehmen. Aktuell laufen Erd- und Straßenarbeiten durch die Firma OSTA. Für die Soft- und Hardware erhielt die Firma Scheidt & Bachmann aus St. Pölten den Zuschlag, die bereits die Anlagen aller wesentlichen Mautstraßen Osttirols installiert hat. Portal und Kassengebäude werden wiederum von Holzbau Unterluggauer aus Lienz schräg gegenüber des aktuellen Häuschens errichtet. Während der Bauarbeiten ermöglicht eine Umfahrung die Erreichbarkeit der Dolomitenhütte. Die Baukosten beziffert Zlöbl mit „knapp einer halben Million Euro brutto“, wobei alles inklusive eines nötigen Grundkaufes mit eingerechnet sei.
Vorausgegangen waren intensive Gespräche von Zlöbl etwa mit der Gemeinde Thurn, die vor wenigen Jahren die Anlage zum Zettersfeld in Betrieb genommen hat. Das Prozedere ist daher bekannt: Bei der Auffahrt wird am Schranken ein Ticket gezogen, das bei der Abfahrt am Kassenautomaten entwertet werden muss. Dazu werden Parkbuchten errichtet.
Während der Tagestarif mit neun Euro gleichbleiben wird, gibt es neu einen Kurztarif um sechs Euro. Die Saisonkarte kostet 60 Euro. „Berechtigte“ dürfen weiterhin freifahren, dazu gehören die Hüttenpächter/-besitzer samt Mitarbeiter, Jagdpächter, Mitglieder der Alpenraute Lienz, Mitarbeiter des ORF/ORS (Funkmast am Rauchkofel) sowie die Wegebetreuer von Tourismusverband und Alpenverein. Motorräder sind generell von der Maut ausgenommen.
Alle mit Hauptwohnsitz in Tristach genießen ebenfalls wie gehabt freie Fahrt, da die Gemeinde selbst Mitglied der Straßeninteressentschaft ist, wodurch man nicht etwa gegen EU-Recht verstößt. Für die Freifahrtberechtigten wird es ein dauerhaft gültiges Ticket oder einen Chip für die Windschutzscheibe geben, den die Anlage automatisch erkennt. Dass der Kult-Schranken nun verschwindet, sieht Zlöbl mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Wir haben von allen Mautstraßen in Osttirol am längsten durchgehalten, aber es wäre einfach nicht mehr gegangen.“