Das Jahr 2024 war für Osttirol ein bewegendes Mosaik aus dramatischen Ereignissen, hitzigen Kontroversen und kleinen Hoffnungsschimmern. Es war ein Jahr, das den Bewohnern einiges abverlangte, aber auch bewies, dass sie nie den Mut verlieren.
Erschütternde Schicksale
Zwei tragische Vorfälle rissen die Region ins Mark: Ein schwerer Unfall auf der Drautalstraße forderte das Leben einer Mutter aus Italien und ihrer beiden Kinder (7 und 10 Jahre), während ihr damals 13-jähriger Sohn schwer verletzt überlebte. Auch das Verschwinden einer Osttirolerin endete tragisch, als sie tot aufgefunden wurde. Die genauen Hintergründe bleiben im Dunkeln.
Olala-Gründer völlig unerwartet verstorben
Auch der plötzliche Tod von Hans Mutschlechner am 22. Juli erschütterte Lienz und die internationale Kulturszene. Als Gründer und treibende Kraft des Straßentheaterfestivals Olala verwandelte er die Stadt über drei Jahrzehnte hinweg in eine faszinierende Freiluftbühne. Mit Kreativität und Leidenschaft machte er Olala zu einem Fixpunkt im internationalen Festivalkalender und bereicherte es zuletzt mit zeitgenössischem Zirkus. „Mr. Olala“ hinterlässt eine beeindruckende kulturelle Hinterlassenschaft, die Lienz und seine Besucher auch in Zukunft inspirieren wird.
Heimkehr nach Felssturz
Anfang des Jahres brachte für Albrecht Ortner aus Innervillgraten ein dramatisches Kapitel: Ein Felssturz zwang ihn und seine Mutter zur Evakuierung. Doch es gibt Hoffnung: Die Wildbach- und Lawinenverbauung baut Schutzwälle, und wenn das Wetter mitspielt, könnte der erste Damm bis Jahresende stehen. Als Übergangslösung sorgt eine provisorische Heizanlage für Wärme. Währenddessen laufen die Planungen für einen Neubau des abgerissenen Gebäudes, bei dem es noch einige bürokratische Hürden zu überwinden gilt.
Bezirkshauptmannschaft in Aufruhr
Viel Lärm gab es rund um die Bezirkshauptmannschaft: Nach Vorwürfen über Mobbing und psychische Gewalt wurde Bezirkshauptfrau Olga Reisner ihres Amtes enthoben. Ihre Nachfolgerin, Bettina Heinricher, trat im Juni offiziell an. Doch kaum hatte sich die Bezirkshauptmannschaft von den Turbulenzen erholt, folgte der nächste Knall: Eine hochrangige Führungskraft wurde suspendiert. Der Landespressedienst bestätigt disziplinarrechtliche und strafrechtliche Ermittlungen gegen den betroffenen Mitarbeiter. Details dazu bleiben unter Verschluss, die Unschuldsvermutung gilt.
Felbertauern-Maut: Freie Fahrt für Osttirol fällt
Die Tage der Mautfreiheit für Osttiroler Fahrzeuge auf der Felbertauernstraße sind gezählt. Eine Änderung der EU-Wegekostenrichtlinie macht die Regelung unhaltbar. Stattdessen könnte ein Gutschein-System wie im Außerfern eingeführt werden. Viele Osttiroler sehen darin jedoch keine echte Entlastung.
„Cliffhanger 2“ wurde in Osttirol gedreht
Eine positive Überraschung boten die Dreharbeiten zu „Cliffhanger 2“. In Osttirol wurde der Nachfolger des Actionklassikers aus den 90ern gedreht. Hochkarätige Drehorte wie die Lienzer Dolomiten und ein Staraufgebot um Sylvester Stallone, Russell Crowe und Lily James lassen die heimische Bergwelt erneut auf die internationale Kinoleinwand strahlen.
Ein frostiger Start: Hochstein ohne Winterbetrieb
Für viele am Hochstein begann der heurige Winter mit einer frostigen Überraschung: Drei Monate vor Saisonstart verkündeten die Lienzer Bergbahnen, den Hochstein im Winter zu schließen. Christian Schiessl, Pächter der Sternalm, beklagt massive Verluste und ungehaltene Versprechen, nachdem er sich für den Betrieb umfassend vorbereitet hatte. Er forderte schließlich Schadenersatz in Höhe von 290.000 Euro, ist aber bereit, bei einer Zahlung von 90.000 Euro auf weitere Forderungen zu verzichten. Die Lienzer Bergbahnen lehnen die Ansprüche ab und sehen sich rechtlich abgesichert. Während die juristische Klärung noch aussteht, fühlt sich Schiessl von den Bergbahnen im Stich gelassen.
Schwarzbauten und Streit auf der Alm
Die Vermietung von Almhütten sorgte in der Großglocknergemeinde Kals für große Aufregung. Eine Anfrage der Liste Fritz deckte auf, dass auf der Lesachalm vier Schwarzbauten standen und ein Rückbau gefordert wurde. Zudem weiteten sich Ermittlungen auf andere Almtäler aus, wo Anzeigen wegen unzulässiger Vermietungen und unerlaubter Zufahrten sich häufen. Die Situation erhitzte die Gemüter – ein Kalser verglich sie mit „mehr Blut als bei den Wilderern im Villgratental“.
Radweg sorgt für Sturmlauf
In Matrei sorgt ein Enteignungsverfahren für Unmut. Elisabeth Trager und Stephan Köll, betroffen von der geplanten Enteignung für einen Radweg, werfen dem Land Tirol mangelnde Kommunikation und Planung vor. Die betroffenen Flächen sollen einem Radweg weichen, der die Sicherheit entlang der Felbertauernstraße verbessern soll. Die Betroffenen sprechen von einer „Machtdemonstration“ und zweifeln an der Prioritätensetzung des Landes.
Auch im Matreier Gemeinderat brodelte es: Mit knapper Mehrheit wurde eine Klage gegen einen Landwirt beschlossen, der mit einem Gatter eine Zufahrt blockiert haben soll. Trotz Bedenken der Opposition blieb Bürgermeister Raimund Steiner hart: „Es braucht eine klare Regelung.“
Krise am Fleischhaken
Auch wirtschaftlich rumorte es: Was als ambitioniertes Vorhaben für regionale Fleischverarbeitung begann, endete nach nur eineinhalb Jahren in der Insolvenz. Villgrater Bergfleisch meldete Schulden in Höhe von 1,4 Millionen Euro, 55 Gläubiger sind betroffen. Ungenügende Finanzierung, interne Konflikte und gescheiterte Investorenverhandlungen machten aus dem „Villgroter Stickl“ ein Symbol verfehlter Finanzpolitik.. „Es hätte Lösungen gegeben“, meint Andreas Schett, einer der Teilhaber. Doch die Möglichkeit, den Betrieb zu retten, versank im Chaos von Missmanagement und Funkstille.
Osttirols erster EU-Abgeordneter
Die FPÖ verdoppelte bei der Nationalratswahl ihre Stimmen im Bezirk – ein Erfolg, der nicht nur Freude auslöste. Nach der Wahl sorgte ein deutscher Tourist für Schlagzeilen, der seinen Urlaub in Matrei aufgrund des Wahlergebnisses stornierte.
Den nächsten Paukenschlag gab es bei der EU-Wahl. Der Osttiroler FPÖ-Bezirksobmann Gerald Hauser wurde auf dem fünften Listenplatz vorgestellt – und die FPÖ holte sechs Mandate. Hauser ist damit Osttirols erster EU-Abgeordneter.
310-Millionen-Dollar-Strafe für Osttiroler Firma „Funtime“
Ein US-Gericht in Orlando verhängte gegen die Osttiroler Firma Funtime ein Schadensersatzurteil in Höhe von 310 Millionen Euro nach einem tragischen Unfall mit einer ihrer Anlagen. Ein 14-Jähriger war mit der von Osttiroler Unternehmen errichteten Free Fall-Anlage gefahren und dabei tödlich verunglückt. Das Unternehmen, das die Vorwürfe entschieden zurückweist, erklärt: Manipulationen durch den Betreiber hätten die Sicherheitsmechanismen ausgehebelt – mit fatalen Folgen.
Weniger Verletzte, doch die Bilanz bleibt schaurig
Die berüchtigten Krampusläufe sorgten auch heuer für Aufsehen – und Verletzungen. 54 Menschen landeten nach den teils wilden Läufen im Krankenhaus. 36 Zuschauer und 18 Krampusse und Kleibeife erlitten Verletzungen – immerhin drei weniger als im Vorjahr.
Humor als Lichtblick
Inmitten der Krisen bot Thomas Glanzer, Wirt des Marinelli-Kultlokals, einen Moment des Aufatmens. Seine humorvolle Antwort auf eine schlechte Bewertung wurde viral und zeigte, dass Osttirol auch in schweren Zeiten Gelassenheit und Witz bewahrt.
Osttiroler sucht Glück – und bleibt allein
Beim Osttiroler Kandidaten Johannes von „Bauer sucht Frau“ nahm die Hofwoche ein abruptes Ende: Beide Frauen verließen enttäuscht den Hof, kritisierten oberflächliche Gespräche und unpassende Kommentare. Johannes zeigte sich zwar gekränkt, gab sich aber kämpferisch: „Vielleicht finde ich ja noch meine Traumfrau.“