An Teilen einer historischen Materialseilbahn in Radenthein nagt der Zahn der Zeit. 1920 wurde sie errichtet, um Magnesit von Radenthein nach Ferndorf zu transportieren. Nun soll die Umlenkstation – sie ist in Radenthein von der Millstätter Straße aus zu sehen – abgerissen werden. Gemeinderätin Evelyn Eiselsberg (ÖVP) macht sich für den Erhalt des Industriedenkmals stark: „Die Seilbahn ist ein wichtiges Zeugnis der Radentheiner Bergbaugeschichte. Sie könnte als bedeutende Landmarke saniert und zugänglich gemacht werden.“ Sie holte bereits die Meinung eines Experten des Bundesdenkmalamtes, der die Anlage ebenfalls für erhaltenswert hält, ein. „Andere Bergbaugebiete in Österreich wecken mit Schaubergwerken, Museen und Themenwegen großes Interesse bei den Besuchern, auch Radenthein hätte dieses Potenzial“, hofft Eiselsberg auf Rettung in letzter Sekunde.
Diesbezüglich macht ihr Christoph Stock wenig Hoffnung. Der Werksleiter von RHI Magnesita in Radenthein sagt, dass die rund zweiwöchigen Rückbauarbeiten ab 6. Oktober erfolgen werden: „Der Schritt erfolgt auf Aufforderung der Grundstückseigentümer und auf Basis eines gültigen Abbruchbescheids der Gemeinde Radenthein. Die Seilbahn ist seit Jahrzehnten stillgelegt, dennoch bestehen Pachtverträge für Grundstücke bei Teilen der Anlage. Der aktuell geplante Rückbau betrifft ausschließlich die Umlenkstation, nicht die gesamte Seilbahn.“ Seitens RHI habe man zwar Verständnis für das öffentliche Interesse an der Geschichte der Seilbahn, man müsse aber den rechtlichen Vorgaben und den Anliegen der Grundstückseigentümer entsprechen.
„Teile des Blechdachs sind heruntergefallen“
Dieter Burgstaller, Obmann der Nachbarschaft, schildert, warum die Umlenkstation zum Problem geworden ist: „Es gibt einen Pachtvertrag aus dem Jahr 1908, wonach die zur Seilbahn gehörenden Bauwerke nach der Einstellung des Betriebes abzutragen sind. Teile des Blechdachs sind bei stärkerem Wind bereits heruntergefallen, daher haben wir den Abriss beantragt. Zuvor haben auch wir darüber diskutiert, ob man die Umlenkstation als Industriedenkmal erhalten sollte. Derzeit ist sie aber so desolat, dass man sie entweder abreißen oder generalsanieren muss. Wer die Kosten dafür übernimmt, ist fraglich.“
Mittlerweile formieren sich einige Radentheiner, die den Abriss stoppen wollen, um ein paar Monate Zeit zu gewinnen. Ein Projekt soll ausgearbeitet und mögliche Sponsoren ins Boot geholt werden. Barbara Burgstaller ist eine von ihnen. Die Kunsthistorikerin sagt, dass es in der Gemeinde Ferndorf bereits einen Seilbahnweg gibt, den man nach Radenthein fortsetzen könnte: „Man sollte dieses Zeugnis der Radentheiner Industriegeschichte unbedingt erhalten und die Bergbauvergangenheit touristisch erlebbar machen.“
Bei der Umlenkstation handelt es sich um eine 40 bis 50 Meter lange und rund acht Meter breite Stahlkonstruktion. Das überdachte Bauwerk bildet eine leichte Kurve. Rechteckige Blechteile bilden die Dachhaut, die teilweise von stärkerem Wind abgetragen wurden. Es steht auf mehreren Parzellen der Nachbarschaft, und obwohl die Bahn seit den 1990er Jahren außer Betrieb ist, zahlt RHI Magnesita den Grundstückseignern eine jährliche Pacht.
Bürgermeister Michael Maier (ÖVP) sagt, dass man wenig Einfluss auf die Sanierung der Seilbahn habe, weil weder der Grund noch die Anlage im Besitz der Gemeinde seien. „Die Geschichte des Magnesitwerkes und des Bergbaus werden in einem eigenen Stockwerk des Granatiums behandelt. Natürlich ist es uns ein Anliegen, dass dieses Wissen nicht verloren geht. Jener Teil der Seilbahn, der gegenüberliegend auf die Millstätter Alpe führt, ist nach wie vor in Betrieb“, schildert Maier.
Übrigens: Dominic Smole, ein 17-jähriger HTL-Schüler aus Rothenthurn, hat sich die Mühe gemacht, einen Kurzfilm über diesen „Lost Place“ zu drehen. Unter dem Titel „Die Trasse und ihre Geheimnisse. Die Materialseilbahn von Radenthein“ werden Fragmente und Stützen der Seilbahn, großteils von Bäumen und Sträuchern überwuchert, gezeigt und Zeitzeugen interviewt.