Sie war zu ihren Lebzeiten eine bekannte Person in Wolfsberg. In Gries erinnert eine Straße an sie. Ihr Grab liegt auf dem Stadtfriedhof. Ihr Name ist auf einer Gedenktafel für Ehrenbürger verewigt. Und: Jetzt liegt die erste Biografie dieser ungewöhnlichen Frau vor, verfasst von Sonja Bachhiesl, Mitarbeiterin und Stadtführerin in Museum im Lavanthaus.
„Robert Swatek vom Verein Lavanttaler Heimatmuseum ist vor zwei Jahren an mich herangetreten und hat mich auf das Leben und Werk dieser Dichterin aufmerksam gemacht. Ich habe dann lange geforscht, da die Quellen zum Teil spärlich waren, obwohl ihr Nachlass im Museum im Lavanthaus aufliegt. Aber ich wollte sie vor dem völligen Vergessen bewahren“, erzählt Bachhiesl.
„Fräulein Tini“
Die Rede ist von Tini Supantschitsch, jener Frau, die alle nur als „Fräulein Tini“ kannten und die am 5. Feber 1886 in der Burgergasse 140, am heutigen Gendarmerieplatzl, in Wolfsberg als Christine Carolina Supantschitsch geboren wurde. Der Vater Johann Supantschitsch war Schneider, die Mutter Christina, geborene Dohr aus Zellach, Damenkleidermacherin. Sie verstarb, als Tini 15 Monate alt war, an einer Bauchfellentzündung.
Während es den älteren Bruder, Johann Nepomuk, 1880 geboren, nach seiner Heirat 1917 nach Kirrlach, einem Stadtteil von Waghäusel in Baden-Württemberg, zog, wuchs die kleine Tini bei ihrer Tante Anna Dohr im Lavanttal auf. Nach der Volksschule ging sie beim Vater in die Schneiderlehre, übersiedelte 1924 kurz zum Bruder, kehrte aber 1926 nach Wolfsberg zurück, wo sie ihren Lebensunterhalt als sogenannte Störschneiderin und Weißnäherin bestritt. „Sie wurde oft in Bürgerhäuser gerufen, um dort Näharbeiten zu übernehmen, wie das damals durchaus üblich war“, sagt Bachhiesl. Fräulein Tini blieb ledig und kinderlos.
Wann Tini die Liebe zum geschriebenen Wort entdeckte, ist unklar. Erste einfache Reime dürften aber bereits in ihre Kindheit fallen, zudem zeichnete sie gerne. „Da kennen wir Zeichnungen aus der Schulzeit“, sagt Bachhiesl. Ihr erstes Buch jedenfalls erschien 1947, 1958 folgte noch ein zweites. Da war Tini im Lavanttal jedoch bereits als Literatin bekannt und hochgeschätzt. Sie verfasste zahlreiche Werke im Auftrag der bürgerlichen Familien zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeiten. Aber auch die Natur – vor allem der Frühling, den sie besonders mochte – oder Liebe und Heimatreue waren Themen, die sie beschäftigten. In ihrer Prosa, vielfach im Dialekt geschrieben, setzte sie Ereignissen und Menschen ihrer Zeit ein Denkmal. „Zudem hatte sie, die als bescheiden, akkurat und gläubig beschrieben wird, einen feinen Humor.“
Tini pflegte viele Kontakte, was nicht zuletzt in ihrer Arbeit in den Bürgerhäusern begründet war, und hatte zahlreiche Freunde und Bekannte. Sie ging regelmäßig zur Messe und dankte Gott in ihrem Werk für ihr Talent, mit dem sie ihre Mitmenschen erfreuen wollte. Ein wichtiges Medium für Veröffentlichungen waren die „Unterkärntner Nachrichten“, mit denen sie nach eigener Aussage „50 Jahre verheiratet“ war. Unzählige Male wurde ihr Name erwähnt, wurden Gedichte und Geschichten abgedruckt, erfuhr sie Würdigungen zu ihren Geburtstagen. „Sie wurde auch öffentlich geehrt. Am 31. Oktober 1937 wurde ihr vom Bezirkshauptmann die Große Silberne Plakette des Bundespräsidenten in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste für die heimische Dichtkunst überreicht“, hat Bachhiesl herausgefunden.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte das Fräulein Tini krankheitsbedingt im Landespflegeheim in Wolfsberg-Gries. Sie starb am 25. Dezember 1969.