Bei den Klagenfurter Stadtwerken (STW) kehrt keine Ruhe ein. Ausgangspunkt ist ein seit Jahresbeginn schwelender Konflikt um Vertriebspartnerschaften: Jahrelang vermarktete der städtische Energieversorger Strom und Gas österreichweit über eine steirische Vertriebsagentur. Diese arbeitete mit der Wiener PR Beteiligungsholding als Subunternehmerin zusammen, die wiederum ein Netz an selbstständigen Verkäufern steuert. Mitte Jänner kam es zum Bruch: Die PR kündigte der Agentur die Zusammenarbeit – und schloss selbst eine direkte Vertriebspartnerschaft mit den STW ab. Die Steirer zogen dagegen vor Gericht. Kurz vor Ostern folgte ein Vergleich. Die STW lösten den umstrittenen Vertrag mit den Wienern wieder auf.

Formal ist damit alles beim Alten. Tatsächlich wird aber weitergestritten.

Vertriebler wollen Geld

Im Zentrum stehen Provisionszahlungen. Die STW überweisen diese weiterhin an die steirische Agentur, die sie an die PR weiterleiten sollte. Von dort gelangen sie üblicherweise zu den einzelnen Verkäufern. Doch derzeit hakt es offenbar. Zu Wochenbeginn wandten sich rund 60 Betroffene mit einem offenen Brief an Vorstand und Aufsichtsrat der STW. Ihre Situation sei untragbar: „Wir erhalten seit Jahresbeginn kein Geld für unsere Leistungen. Der Gesamtbetrag der ausstehenden Provisionsforderungen beträgt über 1,3 Millionen Euro.“

Die Schuldfrage ist umstritten. Der Geschäftsführer der Wiener Firma macht die steirische Agentur verantwortlich. Diese dementiert und kontert, dass umgekehrt die PR ihr Gelder in Millionenhöhe schulde. Beide Seiten haben sich gegenseitig geklagt und angezeigt. Auf eine gerichtliche Klärung wollen die Unterzeichner nicht warten. Sie fordern von den STW Zugang zu den Abrechnungsdaten und sofortige Zahlung der Provisionen. Andernfalls „behalten wir uns sämtliche rechtlichen Optionen ausdrücklich vor“.

Laut Angaben des Geschäftsführers der PR hat sein Vertriebsnetz im Vorjahr rund 61 Millionen Euro Umsatz für die STW generiert – etwa 14 Prozent des Gesamtvolumens. Diesen Kundenstock könne man zu einem anderen Lieferanten lotsen, „der verlässlich zahlt“.

Das Du-Wort entzogen

Bei den STW zeigt man sich davon unbeeindruckt. Beauftragung und Abrechnung liefen ausschließlich über die steirische Agentur, ein direktes Vertragsverhältnis mit den Subunternehmern gebe es nicht. „Die Rechtslage ist eindeutig: Streitigkeiten sind zwischen Agentur und Subunternehmen zu klären“, teilt die Pressestelle mit. Man sehe daher keine Grundlage, selbst als Zahler einspringen zu müssen.

Längst schlägt die Causa im Unternehmen hohe Wellen: Das Verhältnis zwischen Teilen des Aufsichtsrats und dem Vorstand gilt als schwer belastet. Nach gegenseitigen Vorwürfen soll man sich sogar das Du-Wort entzogen haben. Zudem drohen rechtliche Konsequenzen, nachdem ein leitender STW-Mitarbeiter den Versuch unternommen hat, Beweismittel für das Gerichtsverfahren mit der steirischen Agentur nachträglich zu verändern – die Kleine Zeitung berichtete exklusiv.