Das Osterfest naht mit großen Hasensprüngen. Natürlich darf bei keiner Kärntner Osterjause der traditionelle Reindling fehlen. Daher laufen in den regionalen Bäckereien gerade die Öfen heiß. Die Osterzeit zählt zur umsatzstärksten, aber auch arbeitsintensivsten Zeit für die Bäcker. Schließlich gehen nicht nur die Reindlinge in der Backstube, es werden Osterlämmer gebacken und Briochehäschen geformt.
„Ostern ist die fünfte Saison für uns Bäcker. Eine sehr wichtige Zeit im Jahr. Das Kärntner Traditionsgebäck, der Reindling, mit Zimt, Zucker und Rosinen, ist nach wie vor sehr gefragt“, schildert Martin Franz Vallant, Landesinnungsmeister der Lebensmittelgewerbe und selbst Bäcker in St. Veit. Nachdem Ostern ein Familienfest ist, werden häufig große Reindlinge vorbestellt, aber viele Kärntner suchen mittlerweile auch kleinere Größen. „Hier gibt es einen Ernährungstrend. Man isst etwas weniger und günstiger ist der Reindling somit auch“, weiß Vallant. Die Preise für einen Kärntner Reindling variieren stark, aber „mit rund 20 Euro muss man als Konsument rechnen“, sagt Vallant.
Teure Zutaten
Zutaten, wie Rosinen und Butter, sind teuer. Daher wünschen sich viele Bäcker, dass die Leute wieder mehr vorbestellen, damit sie sich besser vorbereiten können. „Wir können nicht auf gut Glück vorproduzieren. Das würde uns in die Bredouille bringen. Rosinen und Butter sind sehr teuer. Leider warten viele mit dem Kauf bis auf die letzte Minute. Bei uns werden in etwa die Hälfte der Reindlinge vorbestellt und die andere Hälfte spontan gekauft“, weiß Johannes Weissensteiner von der gleichnamigen Bäckerei zu berichten. Neben dem traditionellen Kärntner Reindling werden auch Pinzen, Ostertorten, Briochehasen und die sogenannten Palmbrezen angeboten, die man am Palmsonntag traditionell auf den (möglichst langen) Palmbesen bindet. Eine Besonderheit ist auch der Schinken im Brotteig. „Unsere Kunden bringen uns dafür den rohen Schinken und wir ummanteln diesen mit Brotteig. Das wird besonders saftig“, sagt Weissensteiner. Bis zu 500 Reindlinge bäckt die Bäckerei Weissensteiner täglich in der Karwoche.
Preiselbeere bis Nutella
„Wir gehen ganz normal in den Wahnsinn“, sagt Harald Taupe, seine Konditorei in St. Veit ist besonders bekannt für die vielen verschiedenen Reindling-Varianten. Gefüllt wird der runde süße Germteigkreis mit Pistazien, Preiselbeeren, Mohn, Mandeln, Nutella oder Macadamianüssen. „Wir verkaufen sehr viele Reindlinge und mussten daher im Vorjahr auch die Bestellungen stoppen. Wir haben nur eine gewisse Kapazität, die errechnet sich durch unsere Ofenfläche und die Anzahl der Stunden, die ein Tag hat, und wenn die Grenze erreicht ist, ist sie erreicht“, sagt Taupe, der jedes Jahr zu Reindling-Backkursen lädt. Sein Geheimtipp für alle Hobbybäcker: „Zeit. Reindlingbacken kann man nicht nach der Uhrzeit. Hefe und Lufttemperatur sind nie gleich“, sagt Taupe.
Ein Reindling unterwegs nach England
Bis nach England schickt die Bäckerei Stocklauser ihren Reindling. „Eine sehr nette 97-jährige frühere Kärntnerin, die in England lebt, bestellt jedes Jahr einen Reindling. Um diese Bestellung kümmere ich mich gerne persönlich“, sagt Hannes Franz Stocklauser vom Gurktaler Familienbetrieb, den er mit Bruder Martin Stocklauser führt. „Wir sind sehr zufrieden mit der Osterzeit. Der Reindling wird schon sehr stark nachgefragt. Die richtige Reindling-Saison fängt dann mit nächster Woche an“, weiß er aus Erfahrung. Aber auch im Gurktal wird immer kurzfristiger gekauft. „Das Geschäft und die Gesellschaft sind im Wandel“, sagt er. So würden auch weniger Taufpaten ins Geschäft kommen, um traditionell den Reindling für ihr Patenkind zu kaufen.
Rosinen, Zimt und Zucker
Die Feldkirchner Bäckerei Saliterer liefert ihre saftigen Reindlinge bis in Gourmet-Supermärkte in Wien. „Wir verwenden nach wie vor das Rezept meines Opas Stefan Saliterer. Ostern ist für uns die umsatzstärkste Zeit im Jahr“, sagt Christoph Saliterer, der in der vierten Generation das Traditionsunternehmen führt. Hunderte Reindlinge formt er täglich mit seinen Händen. Angeboten werden auch Reindlinge mit Nüssen oder aus Dinkelmehl gemacht. Am beliebtesten ist aber nach wie vor der „normale“ Reindling mit Rosinen, Zimt und Zucker.