Seit zwei Wochen verzichten Tausende Kärntner Schüler freiwillig auf ihr Handy - zwei Wochen ohne soziale Medien, ohne Online-Spiele, ohne Apps, Musik und dem üblichen Schnickschnack zum Zeitvertreib. Bis kommenden Dienstag läuft das wissenschaftlich begleitete Experiment noch und viele Kinder und Jugendliche sind überzeugt, dass sie das Handyfasten durchhalten.
Von den 41 Schülern, die am BORG Wolfsberg den Smartphoneverzicht wagen, hat überraschenderweise noch keiner abgebrochen. Obwohl Lena Doler kurz schwach wurde. „Ich habe das Handy zuvor ja immer intensiv genutzt und Soziale Medien fehlen mir. Da das Telefon daheim in der Küche liegt, habe ich einmal kurz Snapchat verwendet“, gesteht die 14-Jährige. Das wird laut den Handyexperiment-Regeln aber nicht als Abbruch gewertet.
Lena zieht ein positives Resümee nach zwei Wochen ohne Handy: „Ich schlafe, besser, länger, tiefer und bin - wenn ich von Alexa geweckt werde - besser ausgeruht.“
Andere Schüler pflichten ihr bei. „Früher habe ich eineinhalb Stunden zum Einschlafen gebraucht, jetzt geht es schnell und auch die Schlafqualität ist besser. Ich werde nach dem Experiment verstärkt auf das Handy verzichten“, sagt Julia Loibnegger.
Die Teenager beschäftigen sich plötzlich mit anderen Dingen. „Ich bin öfter am Fußballplatz und interessiere mich für Kreuzworträtsel und Sudokus“, zeigt er auf die Rätselseite der Kleinen Zeitung. Als Dankeschön, dass wir die Schüler begleiten dürfen, wurde den Schülern der zwei vierten Klassen ein dreiwöchiges Gratisabo zur Verfügung gestellt.
Jakob kocht
Anja Traußnigg übt verstärkt am Klavier, viele Kinder spielen in der Schulpause Tischtennis statt Handy. „Ich mach‘ jetzt mehr Hausarbeiten. Saugen, Geschirrspüler-Einräumen und mit der Mama koche ich ein wenig. Nudeln, Reis und Saucen kann ich schon alleine machen“, erzählt Jakob Dohr. Hannah Thaler-Friesacher liest mehr Bücher als zuvor, Lorenz Jäger hat neuerdings Brett- und Kartenspiele als Hobby. „ich gehe auch mehr Spazieren oder unternehme etwas mit meiner Schwester.“
Schallplattenhören bei der Oma
Und die Schüler sind erfinderisch, wenn sie nach Alternativen in Sachen Unterhaltung suchen. „Ohne Handy fehlt mir die Musik, um abzuschalten. Mein Lieblingsalbum ist Currence von Tame Impala. Ich habe mir jetzt eine Schallplatte gekauft und höre die am Plattenspieler meiner Oma“, sagt Tobias Zarfl.
Dass Schüler mit dem Handyverzicht fallweise sogar besser umgehen können als Erwachsene, zeigt Pädagogin Eva Fischer auf, die die Klassen während des Experiments betreut. „Ich habe den Schülern im Vorfeld gesagt, sie müssen unbedingt ihre Tickets für Bus und Bahn ausdrucken. Allerdings verzichte ich auch aufs Handy, habe das Klimaticket am Smartphone und hatte gleich bei meiner ersten Bahnfahrt in die Schule kein ausgedrucktes Kärnten-Ticket mit. Zum Glück gab es keine Kontrolle.“
Noch eine Woche
Das Experiment endet am kommenden Dienstag. Dann werden Fragebögen ausgefüllt, um zu ermitteln, wie sich Stimmung, Schlaf, Stress, persönliche Begegnungen oder Online-Gewohnheiten verändert haben.