Fünf Stände am Prešernov trg, dem Platz vor den berühmten drei Brücken „Tromostovje“ sind die einzigen Hinweise im Zentrum der Altstadt von Ljubljana (Laibach): Slowenien wählt am Sonntag. An diesem sonnigen Montag sind ansonsten die Sitzgärten der Cafés entlang der Ljubljanica besser besucht als die in einer Linie aufgereihten Stände der wahlwerbenden Parteien. Spricht man in Laibach über die Wahlen, dann trifft man auf zwei Lager.

Noch vor Kurzem deutete alles auf ein Comeback des dreimaligen Ministerpräsidenten Janez Janša (SDS - Slovenska Demokratska Stranka - Slowenische Demokratische Partei) hin, der bei den Parlamentswahlen 2022 vom Mitte-Links-Quereinsteiger Robert Golob und seiner Bewegung für Freiheit (GS - Gibanje Svobod) abgelöst wurde. Janšas Rückkehr als Regierungschef wäre ein deutlicher Schritt zurück nach rechts, gilt er doch als Trump-Fan und Orban-Verbündeter. Bis zu 15 Prozent Vorsprung attestierten Umfragen ihm noch vor wenigen Wochen, mittlerweile ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der GS geworden. Welche Auswirkungen die am Montag öffentlich gewordene Affäre um die Geheimdienstfirma „Black Cube“ auf den Wahlausgang haben wird, ist offen.

Der Wunsch nach Veränderung ist spürbar: „Es soll wieder besser werden.“ Nur was genau und wie, darüber ist man sich eine Woche vor der Wahl in Laibach noch nicht einig. Denn dass es beim „Alten“ besser war und wieder wird, daran gibt es mindestens gleich viel Zweifel.

Mehr im Börserl

Nika Pelc, sie ist Unternehmerin und Social-Media-Creatorin
Nika Pelc, sie ist Unternehmerin und Social-Media-Creatorin © KLZ / Marko Petelin

„Ich erwarte, wie viele, dass Janša zurückkommen wird, obwohl ich nicht weiß, ob das wirklich gut ist oder nicht. Derzeit ist Slowenien in zwei Lager gespalten und der Ausgang der Wahlen ist glaube ich völlig offen“, sagt Nika Pelc. Die Laibacherin ist Unternehmerin und Social-Media-Creatorin und erhofft sich vor allem, dass die Steuerlast für Unternehmer weniger wird: „Unter der aktuellen Regierung haben wir junge Unternehmer gefühlt sehr wenig Rückhalt bekommen. Egal, ob es nun nach rechts oder links geht, im Börserl soll wieder mehr bleiben, damit wir davon auch leben können.“ Pelc meint trotzdem, dass man in Slowenien durchaus positiv bleiben kann und es im Prinzip allen gut gehe.

Bauern bleiben auf der Strecke

Am Bauernmarkt schlägt einem eine andere Stimmung entgegen. „Ach lassen Sie mich mit der Politik in Ruhe“, hört man missmutig von den Standlern. Nur Veronika Blezun, Landwirtin aus der Umgebung von Laibach will dann doch mehr sagen: „Mich interessiert nur, was ich pflanzen werde, was ich ernten werde und ob ich es hier am Markt auch verkaufen werde können. Ich bin Landwirtin und auf uns Bauern schaut man aktuell in Slowenien als Letztes. Ich glaube, ich spreche allen Bauern aus der Seele: Da sind wir, die wir hart arbeiten, und die, die nie arbeiten.“

Veronika Blezun, Landwirtin
Veronika Blezun, Landwirtin © KLZ / Marko Petelin

Von den Wahlen erwarte sie sich wenig außer dass die Verantwortlichen sich endlich erheben und zu arbeiten beginnen sollen: „Aber für mich wird es auch nach den Wahlen weiter bleiben, wie es ist. Wenn ich hart arbeite, dann habe ich am Montag etwas auf dem Teller, wenn nicht, dann eben nicht.“

Zusammenhalt geht verloren

Auch die Pensionistin Nada Vidmar kann nur schwer beantworten, was sie sich von den Wahlen am Sonntag erwarten soll.

Nada Vidmar, Pensionistin
Nada Vidmar, Pensionistin © KLZ / Marko Petelin

„Ich hoffe, dass die Menschen klug wählen werden. Dass es bei uns weiter friedlich bleibt, mehr brauchen wir eigentlich nicht, denn wir haben hier alles“, sagt Vidmar. Sie sehe nur ein Problem in der Gesellschaft: „Der wachsende Individualismus. Das hat noch nie zu etwas Gutem geführt, wenn der Zusammenhalt verloren geht.“ Egal ob in der Familie oder in Partnerschaften, man könne nicht auseinandergehen, nur weil etwas gerade nicht passt, das funktioniere so nicht. Und sie glaubt, eine Trennung steht Slowenien am Sonntag bevor, die jetzige Regierung werde abgewählt werden.

Globale Verwerfungen

Eine solche Vorhersage traut sich der Händler und Künstler Jure Bricman nicht zu treffen: „Persönlich habe ich die aktuelle Regierung in gewisser Weise genossen, weil sie wieder Ruhe ins Land gebracht hat. Wir konnten uns mit unserem Leben beschäftigen, anstatt jeden Tag über irgendwelche Politaufreger zu debattieren. Das ist es doch, was wir eigentlich von guter Politik erwarten dürfen, dass sie für uns effizient arbeitet, ohne dass man sich täglich damit auseinandersetzen muss, weil sie völlig unberechenbar ist.  

Jure Bricman 
Jure Bricman  © KLZ / Marko Petelin

Bricman glaubt nicht, dass die Themen im Land die Wahl entscheiden werden: „Es sind die globalen Entwicklungen und welche Antworten unsere Politiker auf diese Verwerfungen liefern. Deshalb sind diese Wahlen auch sehr wichtig, sie werden bestimmen, wie sich Slowenien in dieser sich verändernden Welt positionieren wird.“