Die Küste der italienischen Adria, vom Po-Delta im Norden bis hinunter nach Ancona, zeigt sich auf Satellitenbildern grün eingefärbt und steht im deutlichen Kontrast zum sonst üblichen Tiefblau. Grund für die Verfärbung, die bereits Anfang Mai eingesetzt hat: Eine massive Algenblüte an der Küste der zentralen und nördlichen Adria in Italien, die in diesem Ausmaß selbst die Experten von Copernicus überraschte und besorgt.

Europäische Umweltbeobachtung

„Copernicus ist ein Programm der Europäischen Union, an dem in Österreich die GeoSphere wissenschaftlich mitarbeitet“, erklärt Gerhard Hohenwarter, Meteorologe und Klimaexperte der GeoSphere Austria. Das Programm widme sich, gestützt auf Satellitenbeobachtung und den daraus gewonnenen Daten, den Entwicklungen des Klimas, der Umwelt, dem Bodenverbrauch oder eben dem Zustand der europäischen Gewässer, sagt Hohenwarter: „Wir bekommen regelmäßig Berichte über den Zustand Europas, etwa ob es im Schnitt zu warm oder zu kalt ist. Das Ziel ist es. wissenschaftliche Beobachtungen über nationale Grenzen hinaus in einen europäischen Kontext zu bringen.“

Warme Adria und Niederschläge

Das Satellitenbild der italienischen Adria, das von „Copernicus“ geteilt wurde, zeige die Situation am 2. Mai. Die Algenblüte führen die Experten auf die überdurchschnittlichen Temperaturen des gesamten Mittelmeeres, aber auch auf zahlreiche Niederschläge in der Region zurück: „Anfang Mai war es in Norditalien überdurchschnittlich warm. Gleichzeitig gab es viele Unwetter und Starkregen an der Küste. Dadurch wurde der Abfluss der Flüsse stark erhöht und es wurden viele organische Substanzen, die eine Algenblüte begünstigen, in die Adria gespült“, sagt Hohenwarter.

Tourismus und Fischerei

Algenblüten können den Sauerstoffgehalt eines Gewässers senken und das maritime Leben bedrohen. Italiener, Slowenen und Kroaten werden sich mit Schaudern an die „Meeresrotz-Plage“ des vergangenen Sommers erinnern, die über Wochen immer wieder auftauchte und Tourismus und Fischerei stark beeinträchtigte.

Satellitenbild vom 22. Mai
Satellitenbild vom 22. Mai © Screenshot/Copernicus EU

Aktuelle Bilder des Sentinel-Satelliten zeigen bedauerlicherweise auch drei Wochen später, am Mittwoch, nur wenig Besserung. „Derzeit ist der Großteil der Adria zwar ziemlich durchschnittlich temperiert - wie in Kärnten hat auch an der Adria eine unbeständige Wetterlage für viel Niederschläge und Wind gesorgt - allerdings liegen die Temperaturen entlang der zentralen und nördlichen Küste Italiens noch immer etwas über dem Durchschnitt. Insgesamt ist das gesamte Mittelmeer viel zu warm, der milde Winter konnte es kaum abkühlen.“, sagt Hohenwarter.