Die Kärntner Dietlinde Schober und ihr Partner Walter Wrulich waren Mittwochvormittag mit ihrem VW Bus auf der Autobahn in Richtung Triest unterwegs, sie unternehmen regelmäßig Kurztrips nach Italien. Diesen wird die Italienischlehrerin nicht so bald vergessen, allerdings aus einem wenig erfreulichen Grund: Spiegeltrick-Betrüger nahmen ihr Auto ins Visier. „Wir sind gerade bei Udine Süd auf die Autobahn aufgefahren und schon kurz danach überholte uns ein cremefarbener Lancia, schnitt uns dann ziemlich brutal und verlangsamte vor uns seine Fahrt abrupt“.

Dann hätten sie schon einen Knall gehört, so als ob etwas gegen ihr Auto geschossen worden wäre: „Der Lancia fuhr vor uns und der Lenker deutete uns mit Handgesten aus dem Seitenfenster seines Autos an, dass wir ihm auf die nächste Pannenbucht folgen sollen.“ Dem kam das Pärchen aber nicht nach: „Ich habe mich an die Berichte in der Kleinen Zeitung erinnert, wo vor dem Spiegeltrick gewarnt wurde“.

Der Bus von Schober und Wrulich
Der Bus von Schober und Wrulich © Dietlinde Schober

Mit 180 davongerast

Als der Lenker des Lancia bemerkte, dass die beiden weiterfuhren, nahm er noch einmal die Verfolgung auf. „Mein Handy war leer, trotzdem tat ich so, als ob ich ihn filmen würde, als er auf unserer Höhe war. Sein Gesicht war durch einen Hut, eine Brille und den dunklen Bart aber kaum zu erkennen. Als er das Handy bemerkte, drückte er aufs Gas. Er ist sicher mit 180 durch den dichten Verkehr mit zahlreichen Lkws zickzack gerast und hat alle Verkehrsteilnehmer rücksichtslos gefährdet“, erzählt Schober.

An der nächsten Ausfahrt fuhren die Kärntner ab, um bei der Polizei Anzeige zu erstatten. „Die haben sofort gewusst, dass es sich um eine Bande von Spiegeltrick-Betrügern handelt, die im Raum Udine bis zur Abfahrt nach Grado aktiv ist. Das Auto sei ihnen bereits bekannt, auch ein weißer Alfa Romeo und noch ein drittes Fahrzeug werden genutzt. Sie haben es auf Pensionisten und Urlauber abgesehen, erzählte uns der Carabinieri“, ihren Opfern würden sie einreden, sie hätten ihren Spiegel kaputtgefahren und verlangen dafür 200 oder 300 Euro, sagt Schober.

„Sofort 112 anrufen“

Man werde alle Autobahn-Kameras prüfen und sehen, ob der Lancia erfasst wurde, erklärte die Polizei: „Die Carabinieri haben uns gesagt, wenn so etwas vorkommt, solle man auf keinen Fall anhalten, das Kennzeichen notieren und sofort 112 - die Nummer der Autobahnpolizei - wählen. Diese würde dann alle Autobahnabfahrten sperren.“ In der Zentrale der Autobahnpolizei würde man auch englisch sprechen, wurde Schober versichert: „Was aus Erfahrung in Italien ja nicht überall der Fall ist“.

Delle vom Geschoß auf der Beifahrerseite.
Delle vom Geschoß auf der Beifahrerseite. © Dietlinde Schober

Schlussendlich sei man mit dem Schreck davongekommen, sagt Dietlinde Schober: „Uns ist zum Glück nichts passiert. Das Auto hat eine Delle, wie von einer Kugel und nicht von einem Stein, vielleicht hat der Lenker während der Fahrt mit einer Airsoft-Pistole auf unseren Bus geschossen. Er war ja, was wir gesehen haben, allein im Fahrzeug. Den Urlaub werden wir trotzdem fortsetzen, möchten aber gerade jetzt zu Ostern alle Kärntner warnen: Ja nicht stehenbleiben und sofort die 112 wählen!“