Schuldig wegen Mordes, lautete am Donnerstag das Urteil gegen einen Polizisten aus Osijek in Kroatien: 18 Jahre Haft. Der Polizeibeamte war angeklagt, am 23. September 2023 eine 20-jährige Frau in seiner Wohnung mit einem Kopfschuss aus seiner Dienstwaffe getötet zu haben. Der Angeklagte und das Opfer, eine Studentin, waren zum Tatzeitpunkt seit kurzem in einer Beziehung.
Von den Ermittlern der Polizei von Osijek wurde der Kollege zunächst als Beschuldigter eines schweren Verbrechens gegen die allgemeine Sicherheit und Gefährdung von Leben und Eigentum beschuldigt. Nach heftigem Widerstand in der Öffentlichkeit und dem Protest der Familie des Opfers gegen diese Einstufung, erhob die Bezirksstaatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den Polizisten, schreibt Jutarnji list
Mordabsicht bestritten
Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, er habe gegen 22 Uhr in seiner Wohnung einen Schuss mit seiner Dienstpistole gegen den Kopf seines Opfers abgefeuert, mit der Absicht, sie zu töten. Der Angeklagte war mit dem Opfer liiert, sie starb an den Verletzungen durch den Schuss an Ort und Stelle. Der Polizist bekannte sich im Gericht zwar schuldig, die 20-Jährige getötet zu haben, eine Mordabsicht bestritt er allerdings. Es habe sich um fahrlässige Tötung gehandelt, das Abfeuern der Waffe sei aus unvorsichtigem Umgang erfolgt, verteidigte sich der Angeklagte, schreibt Index.hr.
Manipulationen am Tatort
Dieser Verteidigung schenkte das Gericht am Donnerstag keinen Glauben, zumal es sich bei dem Angeklagten um einen an der Dienstwaffe geschulten Polizeibeamten handelte. Weiters wurden vom Täter nach der Tat zahlreiche Manipulationen am Tatort durchgeführt. Laut Staatsanwaltschaft wurde das Opfer nach der Tat vom Angeklagten bewegt, Gegenstände wurden in der Wohnung umplatziert, sowie Kleidung gesäubert. Aufgrund von Zeugenaussagen, Beweismitteln und eines Sachverständigengutachtens kam das Gericht zum Schluss, dass es sich bei der Tat um Mord gehandelt habe.
Volle Absicht
In seiner Begründung teilte der Richter mit, dass mehrere Zeugen ausgesagt hätten, dass das Opfer wiederholt über das besitzergreifende, manipulative und kontrollierende Verhalten des Polizisten geklagt habe. Der Angeklagte hatte zum Tatzeitpunkt 0,63 Promille im Blut und die Waffe wurde aus einem Abstand von 30 Zentimetern abgefeuert. Auch habe der Angeklagte seine Aussagen mehrmals geändert, führte der Richter an. Zunächst habe er von einem Suizid des Opfers gesprochen, dann von einem Unfall. Seine Verteidigung sei unlogisch, widersprüchlich und unglaubwürdig gewesen, so der Richter: „Er war zum Zeitpunkt der Tat zurechnungsfähig, sich seiner Handlungen bewusst und hat diese in voller Absicht gesetzt“.
Nach der Urteilsverkündung brachen sowohl der Täter als auch die im Gerichtsaal anwesende Familie des Opfers in Tränen aus, berichtet Index.