Niko* lag auf der Intensivstation. Seine Nieren und seine Lunge hatten aufgehört zu arbeiten. 20 Infusionsschläuche hingen an seinem kleinen Körper. Und neben ihm schwebten lauter bunte Luftballons. Es war sein erster Geburtstag. "Die Luftballons haben wir damals extra gekauft. Wir haben sie an seinem Bett im Krankenhaus festgebunden und geweint und gehofft, dass er es schafft", schildern seine Eltern. Niko hat überlebt.
Doch der Überlebenskampf hat Spuren hinterlassen: Dem einjährigen Niko mussten damals beide Beine bis zu den Knien amputiert werden und sechs Fingerkuppen wurden abgetrennt. Heute ist er über zehn Jahre alt. Zur Begrüßung lacht er und fragt: "Gemma spazieren?" Er trägt eigene Kinderprothesen. Geschickt steigt er damit auf einen Tretroller und kurvt über den Asphalt. Für längere Strecken nimmt er den Rollstuhl. "Er hat noch nie gefragt, warum er keine Beine hat", sagt seine Mutter. "Er kennt es nicht anders, er hat gelernt, ohne seine Beine zu leben."
Niko hatte damals, als er so krank wurde, eine Meningokokken-B-Sepsis (Blutvergiftung). Es hatte ganz harmlos begonnen: Er bekam leichtes Fieber und war weinerlich. "Doch ich hab so ein eigenartiges Gefühl gehabt", erinnert sich die erfahrene Mutter noch heute. Sie fuhr ins Krankenhaus und blieb auf Wunsch der Ärzte aus reiner Vorsicht eine Nacht mit Niko im Spital. Das sollte sich später als lebensrettend herausstellen. "Denn noch in der Nacht bekam Niko blaue Flecken und dann war klar, dass er in Lebensgefahr ist." Jede Sekunde zählte.
"Heute besucht Niko die erste Klasse einer Mittelschule und ist dort in einer kooperativen Kleinklasse gut aufgehoben", erzählt seine Mutter. Niko wirkt zufrieden. Er hüpft mit seinen Prothesen im Trampolin herum und hantiert mit den amputierten Fingerchen geschickt am Kinder-iPad. Dass er das alles kann, grenzt an ein Wunder. "Als Niko damals aus dem Krankenhaus entlassen wurde, konnte man uns überhaupt nicht sagen, wie er sich entwickeln wird", berichtet seine Mutter. Sie und ihr Mann sind ein starkes Team. Beide sind berufstätig und managen gemeinsam die Familie. Mit seinem Bruder flitzt Niko auf dem Scooter um die Wette. "Die zwei Jungs sind die besten Freunde", erzählt die Mutter. Niko grüßt jeden, der vorbeigeht. "Hallo, Hallo ..." "Das macht er in der Schule auch. Er ist sehr offen und grüßt alle, er kann aber natürlich auch total anstrengend sein."
Im Herbst steht Niko wieder eine große Operation an den Händen bevor, weil an den Knöcheln etwas nicht passt. Krankenhausbesuche, Therapien und Ärztemarathons gehören zum Alltag der Familie. "In Österreich gibt es kaum Erfahrungen mit Kinderprothesen. Das macht es oft schwierig. Aber wir haben im Laufe der Zeit gelernt, geduldig zu sein und viel selbst in Erfahrung zu bringen", sagen die Eltern.
Der Verein "Kärntner in Not" hat Nikos Familie vor vielen Jahren kennengelernt und bei der Finanzierung von Therapie-Hilfsmitteln unterstützt. Damals war Niko noch ein Kleinkind, saß auf dem Wohnzimmerboden und nuckelte an seinem Becher. Die zwei Prothesen wollte er sich früher nie anlegen lassen. Er warf sie um und krabbelte flink und grinsend davon.
Und jetzt? Niko ist mit seinen Prothesen so flott unterwegs, dass ihm seine Mutter kaum nachkommt. Wie sagen seine Eltern immer? "Niko ist ein echter Kämpfer." Ein großer, kleiner Kämpfer.
*Name von der Redaktion geändert