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Kärnten500 Tonnen Müll landen im Straßengraben

Vom Kühlschrank bis zur Dose: Die Mitarbeiter der Kärntner Straßenmeistereien sammeln jedes Jahr Tonnen an Müll – Tendenz steigend. Der Schaden ist enorm, dabei kostet richtiges Entsorgen nicht viel.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei St. Veit beim Frühjahrsputz in St. Donat
Mitarbeiter der Straßenmeisterei St. Veit beim Frühjahrsputz in St. Donat © KLZ/Markus Traussnig
 

"Da, die Zeitung, die da neben der Autofußmatte im Gras liegt“, Ernst Pirker deutet auf lose Blätter hinter einer Bushaltestelle bei der Klagenfurter Schnellstraßenabfahrt St. Donat: „So was kann man jede Woche an den gleichen Stellen wegräumen. An jeder Straße haben wir einen, der das immer wieder tut.“

Pirker ist einer von jenen 430 Mitarbeitern der 17 Kärntner Straßenmeistereien, die jedes Jahr zum Frühjahrsputz an den Landesstraßen ausrücken. Mit Handschuhen, Müllsäcken und dem so genannten „Greif-Boy“ gehen sie zu Fuß 2749 Straßenkilometer ab und sammeln händisch ein, was Autofahrer achtlos aus dem Fenster werfen oder mutwillig im Straßengraben ablagern. Und da ist alles dabei – vom Kühlschrank bis zur Getränkedose, vom Bauschutt bis zum Plastiksack. „Für große Sachen haben wir einen Kran“, erklärt Pirker, der neben Altreifen oder vollen Müllsäcken auch schon Fenster oder Schiträger samt Inhalt entdeckt hat.

"Frühjahrsputz": 500 Tonnen Müll landen auf Kärntens Straßen

Los geht der Frühjahrsputz jedes Jahr, sobald der Schnee geschmolzen ist. „Die Mitarbeiter sind sechs bis sieben Wochen lang unterwegs“, sagt Josef Kogler, Leiter der Straßenmeisterei St. Veit. Jeden Tag um 7 Uhr beginnen die Mitarbeiter mit ihrer Tour – immer mit einem Begleitfahrzeug mit gelbem Signallicht, damit die Arbeiter nicht von Fahrzeugen erfasst werden.

Dosen oder Essens-Sackerl werden am häufigsten gefunden
Dosen oder Essens-Sackerl werden am häufigsten gefunden Foto © KLZ/Markus Traussnig

Plötzlich quietschen Reifen. Ein Lkw-Lenker hat die Mannschaft trotz der Sicherung erst im letzten Moment gesehen und bremst scharf ab. „Das ist nicht immer ungefährlich“, sagt Pirker. Dazu kommt, dass die Mitarbeiter als Dank dafür, dass sie den Müll der Autofahrer einsammeln, von diesen auch noch den Ärger abbekommen. „Manche sind schon sehr ungeduldig und schimpfen, aber das ist halt so wie überall“, sagt Pirker gelassen, der den Job bereits seit zwölf Jahren macht. Daran gewöhne man sich – ebenso wie an das Wetter, von brütend heiß bis nass und eiskalt.

Beim Mähen wird Müll aufgehäckselt

Eine Herausforderung bei der Frühlingssammlung sei es zusätzlich, dass man schnell sein müsse: „Denn bald kommen die Mannschaften mit den Mähwerken. Und wenn der Müll aufgehäckselt ist, bekommt man ihn noch schwerer weg.“ Insgesamt werden auf diese Weise in Kärnten jährlich 500 Tonnen Müll gesammelt – und da ist jener an den Gemeindestraßen noch gar nicht dabei. „Die Menge steigt von Jahr zu Jahr. Besonders schlimm ist es rund um den Wörthersee, da könnte man jede Woche sammeln“, sagt Thomas Unterüberbacher, Leiter des Straßenbauamtes Klagenfurt.

Das St. Veiter Team mit Gruber (3. von links), Unterüberbacher (5. von links) und Kogler (rechts)
Das St. Veiter Team mit Gruber (3. von links), Unterüberbacher (5. von links) und Kogler (rechts) Foto © KLZ/Markus Traussnig

Für Straßenbau-Referent Martin Gruber (ÖVP), der diese Problematik schon aus seiner bisherigen Tätigkeit als Bürgermeister von Kappel am Krappfeld kennt, ist das unverständlich: „Wir sind froh, dass die Mitarbeiter der Straßenmeistereien das machen. Aber ich weiß nicht, warum manche Leute ihren Müll so entsorgen. Da werden ganze Kühlschränke in den Straßengraben geworfen, obwohl man sie gratis in den Altstoffsammelzentren abgeben könnte. Wir haben in der Gemeinde sogar in entsorgten Müllsäcken nach Adressen und Namen gesucht und die Müllsünder dann Strafen geschickt.“ Und diese sind nicht unbeträchtlich. Wer etwa achtlos seinen Unrat aus dem Autofenster wirft, muss mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 500 Euro rechnen. Und wer gar seinen Müll illegal in der Natur ablagert, verstößt gegen das Naturschutzgesetz und kann dafür sogar mit bis zu 3500 Euro bestraft werden.

"Wir alle zahlen dafür"

Von härteren Strafen oder strengeren Kontrollen hält Gruber trotzdem nichts: „Das ist schwierig. Die Polizei muss Müllsünder direkt dabei beobachten, damit sie diese bestrafen kann. Und das ist schwierig.“ Er tritt daher für mehr Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung ein: „Das muss schon in den Schulen anfangen.“ Denn neben dem Schaden, dem man durch illegale Müllentsorgung der Umwelt zufügt, sei auch der finanzielle Aspekt zu berücksichtigen. Allein für die Müllbeseitigung auf den Kärntner Bundes- und Landesstraßen fallen pro Jahr 13.000 Arbeitsstunden an – das sind acht Mannjahre. Gruber: „Den Müllsündern muss klar gemacht werden, dass jeder einzelne von uns dafür mit zahlt.“

So schädlich ist der Abfall

In einer Sekunde aus dem Autofenster geworfen und dann Jahrhunderte lang in der Natur. Das passiert, vereinfacht ausdrücken, wenn jemand etwa eine Plastikflasche im Straßengraben entsorgt. Diese braucht nämlich 450 Jahre, um sich zu zersetzen. Bei einer Getränkedose sind es 200.

Gift in Zigarettenstummeln. Und diese Dinge liegen nicht nur lange in der Natur, sondern richten auch Schaden an. Ein Zigarettenstummel etwa besteht laut der Umweltschutzorganisation Global 2000 aus 4000 Chemikalien, die teils krebserregend oder erbgutschädigend sind. Und während der Zersetzung können all diese Gifte im Grund- und anschließend im Trinkwasser landen.

Wohin mit dem Müll?

Kostenlos in den meisten Altstoffsammelzentren abzugeben: Autobatterien, Elektrogeräte, Fahrräder, Heizkörper, Schrott, Problemstoffe.
Kostenpflichtig sind etwa Sperrmüll, Autoreifen, Kraftfahrzeuge oder Baumschnitt.

Unter www.abfallwirtschaftsverband.at findet man alle Sammelzentren in Kärnten sowie viele wichtige Informationen.

Die Müll App der Symvaro GmbH bietet Infos und Kalender mit Erinnerungen. Viele Kärntner Gemeinden sind dabei.

Kommentare (1)

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Quack9020
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Auto Kennzeichen auf...

...jedem McDonald's Produkt inkl. Umverpackung. So lange der Konzern dies nicht umsetzt, Verkaufsverbot am Drive oder Kostenbeteiligung.

Lässig sind die Autofahrer, die während der Fahrt, noch glühende Zigaretten aus dem Fenster werfen. Total fein für Radfahrer, Moped- und Motorradfahrer. Cabrios und offene Fenster sind auch super in der Situation.

Bezüglich Zigaretten empfehle ich einen Spaziergang durch das LKH Gelände in Klagenfurt, ZNA Haupteingang direkt bei der Rettungszufahrt. Schade, dass man hier keine Fotos posten kann.

Singapur wäre ein super Vorbild.

Ver- und Gebote helfen nur wenn kontrolliert und sanktioniert wird.

Siehe telefonieren im Auto.

Typisch für Österreich. Milliarden gegen die Symptome und Sudern gegen die Ursache.

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