Gordon Kelz ist ein sehr eifriger und ebenso umstrittener Verfasser von Leserbriefen. Mit unglaublicher Vehemenz verfolgt er sein „Lieblingsthema“: Die hohen Kosten im Zusammenhang mit (Urnen-)Bestattungen in Kärnten. Seit Jahren kämpft der Villacher Pensionist dagegen an. Es ist mühsam für den 76-Jährigen, aber auch für andere. Vor allem dann, wenn Kelz wieder einmal Online-Foren mit „seinem“ Bestattungsthema zupostet.

Jetzt musste der Villacher eine schwere und teure Niederlage einstecken: Im Dezember vergangenen Jahres ist Kelz „der Topf seiner Nerven übergekocht“, wie er selbst sagt. Er hat Günther Vallant (SPÖ), Präsident des Kärntner Gemeindebundes, und Arnold Muschet, Landesgeschäftsführer des Städtebundes, in einem Kommentar auf seiner Facebook-Seite schwer beleidigt, sie unter anderem beschimpft und Lügner genannt. „Das hätte nicht sein dürfen“, sagt Kelz heute. Es sei ein unpassender Ausdruck seiner Verzweiflung über das Nichthandeln der Politik gewesen. „Es war aus der Emotion geschrieben und es war unangebracht. Ich bereue das sehr und habe mich bereits mehrmals entschuldigt.“

„Es tut mir leid, ich bereue es sehr“, sagt Gordon Kelz
„Es tut mir leid, ich bereue es sehr“, sagt Gordon Kelz © Privat

Warnung brachte nichts

Die Einsicht kam zu spät: Vallant und Muschet haben gegen den 76-Jährigen insgesamt acht Klagen eingebracht. „Dies aber erst, nachdem einer meiner Mandanten Herrn Kelz bei einer Veranstaltung persönlich gebeten hat, die Beleidigungen einzustellen, weil er ansonsten rechtliche Schritte ergreifen wird“, sagt Michael Sommer. Der Rechtsanwalt vertritt Vallant und Muschet. Doch statt das Angebot anzunehmen, habe es weitere Beschimpfungen gegeben, so Sommer.

Es folgten vier Zivilklagen, zwei von jedem Betroffenen, wegen Ehrenbeleidigung und Kreditschädigung. Weil diese Klagen nicht binnen vier Wochen beantwortet wurden, beantragte Sommer sogenannte Versäumungsurteile, die mittlerweile rechtskräftig sind. Geldstrafe gab es für Kelz keine.

Er hat sich in diesen Verfahren mehr oder weniger selbst verteidigt. „Aus Gründen der eigenen Sparsamkeit habe ich es abgelehnt, einen eigenen Rechtsanwalt beizuziehen“, sagt der 76-Jährige.

Privatanklagen zurückgezogen

Dasselbe gilt für die insgesamt vier Strafverfahren, die Vallant und Muschet gegen Kelz wegen übler Nachrede und Beleidigung angestrengt haben. Nach knapp einer Stunde Verhandlung einigten sich die Streitparteien am Landesgericht Klagenfurt auf „eine aus unserer Sicht sehr, sehr faire Lösung“, sagt Sommer. Kelz muss jedem der zwei Kläger jeweils 500 Euro Entschädigung bezahlen. Zudem muss er sich bei Vallant und Muschet schriftlich entschuldigen und versichern, künftig Beschimpfungen zu unterlassen. Mit dieser Einigung haben die beiden Privatanklagen zurückgezogen.

Was angesichts der Vorwürfe nach sehr wenig klingt, kostet den 76-Jährigen aber eine Stange Geld. Denn er muss auch Prozesskosten und Gerichtsgebühren sowie die Kosten für den Anwalt der beiden Kläger bezahlen. In Summe knapp 19.000 Euro. Um diesen Betrag bezahlen zu können, mussten Kelz und seine Frau „einen entsprechenden Kredit aufnehmen“, sagt er. „Den stottern wir zu circa 500 Euro im Monat ab.“

Posting nach Urteil

Wer jetzt glaubt, die Angelegenheit ist vorbei, der irrt: Zwei Tage nach der Einigung am Landesgericht postete Kelz erneut auf seiner Facebook-Seite. Darin wirft er Politikern sinngemäß vor, dass sie Bürger provozieren und sie so zu „unqualifizierten Äußerungen anstiften, um dann ihre Juristen loszulassen und ein saftiges Körberlgeld einzustecken“.

Für Gordon Kelz wird das erneut Konsequenzen zur Folge haben. „Ich werde im Namen meiner Mandanten zumindest vier weitere Klagen einbringen“, sagt Rechtsanwalt Michael Sommer.