Die neue Tunnelröhre des Karawankentunnels wird nach acht Jahren Bauzeit am Mittwoch feierlich eröffnet. Und das gleich zweimal, denn schließlich verbindet sie zwei Nachbarn miteinander: „Der Neubau der zweiten Tunnelröhre des Karawankentunnels ist ein Meilenstein für diese wichtige Verbindung zwischen Österreich und Slowenien“, schreibt die Asfinag in ihrer Einladung zur Verkehrsfreigabefeier.

Um 13 Uhr werden sich der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Peter Hanke (SPÖ) und sein Regierungskollege Wolfgang Hattmansdorfer (ÖVP), Minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus im Festzelt vor dem neuen Portal auf österreichischer Seite einfinden. Dort werden sie auf Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) - bei dessen letzter Eröffnungszeremonie vor seinem Abgang - und Landeshauptmann-Stv Martin Gruber (ÖVP) aus Kärnten treffen. Empfangen werden sie von den Asfinag-Vorständen Hartwig Hufnagel und Herbert Kasser sowie zwei Geschäftsführern des Baumanagements des Autobahnbetreibers, Alexander Walcher und Andreas Fromm.

An der Grenze

Dem Festakt werden Vertreter aus Politik und Wirtschaft und von vielen Blaulichtorganisationen beiwohnen. Neben den geladenen Ehrengäste werden auch zahlreichen Medien dort anwesend sein, bevor es in den Tunnel zur Staatsgrenze gehen wird, wo um 14.30 Uhr mit den slowenischen Vertretern die symbolische Freigabe der neuen Tunnelröhre erfolgt.

Ein Blick in die Baugeschichte zeigt: Die EU-Nachbarländer hätten durchaus enger zusammenarbeiten und schneller vorankommen können. Denn schon 2014 begann die Planung für die zweite Röhre auf der Autobahn A 11 von Kärnten nach Slowenien. 2018 startete in Österreich der Bau, auf slowenischer Seite sorgte die Ausschreibung der slowenischen Autobahnbetreibergesellschaft Dars an den türkischen Konzern Cengiz für monatelange Verzögerung. Durch den folgenden Rechtsstreit wurden die Arbeiten auf der Südseite erst 2020 aufgenommen. Die Covid-19-Pandemie sorgte erneut auf beiden Seiten für Verzögerungen.

Verkehrsumlegung

Andreas Karlbauer, Projektleiter Karawankentunnel
Andreas Karlbauer, Projektleiter Karawankentunnel © Markus Andreas Traussnig

Nun ist für den Projektleiter dennoch ein erster Meilenstein verwirklicht: „Schon am nächsten Tag werden wir mit der Verkehrsumlegung beginnen“, sagt Andreas Karlbauer, bei der Asfinag verantwortlich für den Bau und die Sanierung des Karawankentunnels. Eine Woche lang werde der Verkehr einspurig nur in eine Richtung, von Slowenien nach Österreich, durch die neue Tunnelröhre geführt, Richtung Süden werden die Fahrzeuge noch durch die alte Röhre fahren. Damit wolle man verhindern, dass es in der Röhre zur Rauchbildung – wie es im Koralmbahntunnel passiert war – kommt. „Die Staubreste werden so aus dem Tunnel befördert“, sagt Karlbauer.

Intensiv wurde daran gearbeitet, den Baustaub aus der neuen Tunnelröhre zu waschen.
Intensiv wurde daran gearbeitet, den Baustaub aus der neuen Tunnelröhre zu waschen. © Asfinag

Noch kein Ende der Staus

„Es war ein komplexes Großprojekt. Linienbaustellen sind immer herausfordernd, liegt eine Staatsgrenze dazwischen, dann noch mehr, denn der Zugang kann nur über eine Seite erfolgen. Parallele Arbeiten sind dabei die logistische Herausforderung“, sagt Karlbauer, für den das Abenteuer Karawankentunnel damit noch lange nicht abgeschlossen ist. Nahtlos gehe es jetzt an die Sanierung des alten Bestandstunnels, erbaut von 1986 bis 1991.

Damit wird klar: Das lang ersehnte Ende der Staus im Urlauberreiseverkehr wird noch Geduld brauchen. Erst nach der Sanierung der „Alten“ wird es zweispurig in beide Fahrtrichtungen gehen. Das wird drei Jahre dauern, denn die Sanierung des vor 40 Jahren erbauten Tunnels, sei alles andere als ein kosmetischer Eingriff, erklärt die Asfinag. Geplante Verkehrsfreigabe: Juni 2029.

Sanierung der alten Röhre

Am 3. Februar erfolgte bereits die Baufeldübergabe an die ausführenden Bauunternehmen, nachdem die Baustelle eingerichtet wurde, wird am Freitag mit den ersten Arbeiten begonnen, erklärt Karlbauer: „Die Fahrbahn wird komplett herausgerissen, Bordsteine entfernt, Schlitzrillen und Innenschale saniert und die Zwischendecke herausgenommen und neu errichtet.“ Die Sanierung beschränke sich aber nicht nur auf den Tunnel, sondern umfasse auch alle Außenbereiche, erklärt der Projektleiter: „Die Betriebszentrale im Portalbereich und der Vorportalbereich werden generalsaniert und alle Zufahrtstrecken und Brücken werden erneuert.“ Die Topografie verlange auch nach umfassenden Baumaßnahmen zum Schutz vor Lawinen und Steinschlag im Bereich der Portalgalerie.

Aufwändige Verkabelung

Allein die elektromechanische (E&M) Ausrüstung des Tunnels wird ein Jahr brauchen. Darunter fallen etwa die Beleuchtung, die Fluchtwegsanzeigen, die Belüftung, Lautsprecher, Mobilfunk oder die Videoüberwachung. Dafür ist die Strom- und die Notstromversorgung sicherzustellen. Zehn Transformatoren, 425 Niederspannungsverteiler, 80 Tunnelhydranten, 189 Videokameras, 1300 LED-Tunnelleuchten werden verbaut. Etwa 800 Kilometer Kabel und Elektroleitungen muss man dafür verlegen.

Sicherheit habe oberste Priorität: „Alle 250 bis 300 Meter gibt es einen Querschlag, also einen Fluchtweg. Sobald die Türen geöffnet werden, gehen Kameras in diesem Korridor an. Der Operator, der in Klagenfurt sitzt, sieht über zumindest zwei Kameras sofort, was los ist und kann über das Notruftelefon und über eine Beschallung im Tunnel mit den Personen kommunizieren und sie anleiten“, sagt Markus Gröblacher, verantwortlich für die E&M-Projektabwicklung. Wesentlicher Sicherheitsaspekt seien im Tunnel die Brandmeldeanlagen und die Belüftung: „Alle 100 Meter wird eine Halbquerlüftung verbaut. Im Brandfall kann sie pro Sekunde 120 Kubik in die Zwischendecke absaugen und anschließend über Kamine den Rauch aus dem Tunnel befördern.“

„Es ist ein Riesenprojekt, wobei die längere Seite des 7957 Meter langen Tunnels auf österreichischer Seite liegt“, sagt Karlbauer. Für die Erneuerung der 4414 Meter seien in etwa 125 Millionen Euro budgetiert. Zum Vergleich: Der Neubau des Tunnels von 1986 bis 1991 kostete auf österreichischer Seite 1,2 Milliarden, allerdings Schilling, umgerechnet etwa 87 Millionen Euro.