Der März war bisher um rund sieben Grad zu warm. Das wirkt sich auch auf die Natur aus: Während sich viele Menschen in Kärnten und Osttirol über die bunten Frühlingsblumen oder die ersten umherflatternden Schmetterlinge freuen, gibt es auch zahlreiche unliebsame Gäste, die uns heuer früher als sonst beehren. Nacktschnecken ziehen ihre Spuren in Richtung der zum Teil schon (zu früh) bepflanzten Gemüsebeete, die ersten Gelsen kriechen aus ihren Verstecken und der eine oder andere kommt vom Ausflug ins Grüne mit einer Zecke zurück.
„Ja, wir hatten heuer schon ein paar Meldungen von Zecken auf Menschen, Hunden oder anderen Tieren wie Schafen. Ab einer Außentemperatur von etwa 5 bis 7 Grad, die über mehrere Tage anhält, werden die Spinnentiere aktiv“, sagt Laura Waldner, Leiterin der Abteilung Zoologie beim Landesmuseum für Kärnten. Vor ihrer Arbeitsstätte im Sammlungs- und Wissenschaftszentrum des kärnten.museums in der Liberogasse 6 in Klagenfurt hängt ein auf den ersten Blick kurios anmutender Briefkasten. Darauf steht „Zecken-Abgabe-Box“, in der tatsächlich regelmäßig Zecken landen. Denn die Forscher bitten jeden, der eine Zecke findet, diese mit einem Klebestreifen auf ein weißes Blatt Papier zu kleben, in ein Kuvert zu stecken und in diesen Briefkasten zu stecken.
„Wichtig ist auch, den Fundort, wobei die Postleitzahl genügt, das Datum, den Wirt, also ob Mensch oder Tier, und ob die Zecke bereits gebissen hatte, darauf zu vermerken“, sagt Waldner. Die Zeckensammelaktion ist Teil eines Monitoringprojekts der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), bei dem die Tiere selbst, das Zeckenaufkommen, die Fundorte, die unterschiedlichen Arten und die durch die Tiere übertragbaren Krankheiten erforscht werden. Auch über die Ausbreitung invasiver Arten, also Zecken, die bisher nicht in Österreich heimisch waren, erlangt man dadurch mehr Erkenntnisse. Die Tiere können auch direkt an die Ages in Wien geschickt werden. Wichtig dabei ist aber, diese als „Freigestellte veterinärmedizinische Probe“ zu verschicken (bei der Post erhält man entsprechende Informationen darüber).
Denn in Kärnten und Osttirol ist zwar der Holzbock die häufigste Zeckenart, mittlerweile wird aber auch die sogenannte Riesenzecke immer wieder entdeckt. „Meist werden diese aber von Reisen aus dem Süden mitgebracht. In Kärnten hatten wir noch nicht sehr viele Nachweise und es gibt auch noch keinen Hinweis darauf, dass sie bei uns überwintern können“, sagt Waldner. Sollte es in Zukunft noch mildere Winter geben, sei aber nicht ausgeschlossen, dass auch diese Zeckenart, die unter anderem das Krim-Kongo-Fieber übertragen kann, bei uns überwintert.
Generell bemerke man, dass viele Tiere früher Winterruhe, -starre oder -schlaf frühzeitig beendeten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich diese besser entwickeln oder stärker vermehren würden. „Im Gegenteil. Dass sie früher aktiv sind, kann für viele Spinnentiere negativ sein, denn die vertragen es sehr schlecht, wenn dann die Temperatur wieder extrem absinkt“, sagt Waldner.
Nur wenige Tigermücken in Kärnten
Andere Insekten, wie etwa die unterschiedlichen Gelsenarten, sind zum Teil ebenfalls schon wieder aktiv - wobei in Kärnten und Osttirol im Gegensatz zur Steiermark die Tigermücken bisher nicht besonders oft auftreten. „Sie legen ihre Eier meistens in Vogeltränken oder Topfuntersetzern, in denen Wasser steht, ab. Befinden sich diese im Freien, überleben das die Tiere nicht. Aber wenn man die Töpfe zum Beispiel im Keller lagert, ist es auch für sie warm genug, um bei uns zu überwintern“, sagt Waldner.
Der überdurchschnittlich kalte Jänner hingegen dürfte den Tieren nicht geschadet haben, meint auch Manuel Vilgut, Vorstand der Fachgruppe Entomologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Kärnten: „Für Tiere, die aus dem Süden eingewandert sind, ist das eher ein Problem. Heimische Arten haben eigene Überwinterungsstrategien und können gut damit umgehen.“ Dass man jetzt schon gewisse Schmetterlinge und Falter sieht, sei daher gar nicht verwunderlich. „Zitronenfalter oder der Kleine Fuchs sind mitunter auch schon im Februar aktiv“, sagt Schmetterlingsexperte Vilgut.
Dass die aus dem Süden eingeschleppten Arten durch einige sehr kalte Wochen im Winter wieder verdrängt werden, sei aber auch nicht zu erwarten. Es könne zwar zu einer Dezimierung der Population kommen, aber viele Insekten suchen im Winter in warmen Räumen, also in der Nähe von Menschen, Unterschlupf.
Ein Paradebeispiel dafür ist aus eine Stinkwanzenart, die Asien stammende Marmorierte Baumwanze. Im Herbst ärgern sich viele Hausbesitzer über die Tiere, die sich massenweise auf den Hausmauern versammeln. Das hat einen einfachen Grund, erklären die Insekten-Experten: „Wenn es kälter wird, suchen sie einen warmen Ort, um zu überwintern.“ Vielen Tieren gelingt es dann auch, ins Innere zu gelangen und sie können den Winter im Keller verbringen.