Vor ziemlich genau einem Jahr standen eine Journalistin und ein Journalist im Hinterhof eines herzeigbaren Mehrparteienhauses an der Klagenfurter Westeinfahrt. Der Hinterhof der Firma Lilihill. Weil die Tür nicht geöffnet wurde und sich niemand über die Gegensprechanlage meldete, konnte der Blick schweifen - und landete auf einem Nachbarn, der gerade mit dem Rad den Hof verlassen wollte. Egyd Gstättner, Literat und Kolumnist dieser Zeitung. Er lebt seit seiner Geburt auf der anderen Seite des Hinterhofs und erlebte in den Jahren davor, wie sich immer wieder Menschen in diesem Hinterhof einfanden. „Prominente, die wie die armen Büßer da herumstanden“ Und wenn er sie entdeckte, war es ihnen nicht recht. „Das merkte man an Minenspiel und Körperhaltung.“ Und wen genau traf er da? Vom amtierenden Landeshauptmann und der ehemaligen Bürgermeisterin abwärts „alle, die Rang und Namen haben“.

Das System Lilihill wird nun von der Staatsanwaltschaft durchleuchtet - vielleicht war es auch nur wirtschaftliches Unglück und ohne strafrechtliche Relevanz. Eine Prüfung, die noch länger dauern wird. Was all jene mit Rang und Namen, die da im Hinterhof waren, aber schon jetzt machen können: Ihr eigenes Gewissen und ihr Urteilsvermögen prüfen.

Der Lilihill-Podcast