Für einen schwerkranken Spanier kam das schönste Weihnachtsgeschenk heuer aus Osttirol. Es hatte keine Verpackung und kein Mascherl, aber es war unglaublich wertvoll: Denn für den Leukämiepatienten aus Spanien wurden passende Stammzellen gefunden. Und zwar bei dem 33-jährigen Jungpapa Manfred Jestl aus der Gemeinde Virgen im Osttiroler Iseltal. Er ist der genetische Zwilling des Spaniers. Seine Stammzellen passen perfekt zu dem Patienten.

Stammzellen spenden

„Ein echtes Weihnachtswunder“, sagt Julia Neugebauer, die Sprecherin von „Geben für Leben“. Der Verein organisiert immer wieder Typisierungsaktionen (siehe Info): Dabei lassen sich Freiwillige mittels Mundhöhlenabstrich als Stammzellenspender registrieren. So wie Manfred Jestl. „Ich habe im Jahr 2024 eine Speichelprobe abgegeben, weil für ein krankes Mädchen Stammzellen gebraucht wurden, da wollte ich helfen.“

Leukämie

Danach kamen seine Blutwerte in eine weltweite Datenbank. Nun wurde Jestl gefragt, ob er mit seinen Stammzellen einem leukämiekranken Mann das Leben retten kann. „Da kann man nicht nein sagen“, meint der Osttiroler und erklärte sich sofort zu einer Stammzellenspende bereit. „Sonst hätte ich mich ja nicht typisieren lassen.“

Der Stammzellenspender mit seiner Familie | Manfred Jestl aus Virgen mit seiner Frau Romana und Tochter Isabella, die nun ein Jahr alt ist
Der Stammzellenspender mit seiner Familie
| Manfred Jestl aus Virgen mit seiner Frau Romana und Tochter Isabella, die nun ein Jahr alt ist © Privat/KK

Bevor es so weit war, musste er sich selbst Spritzen geben, damit sich die Stammzellen in seinem Blut vermehren. Das war genau in der Krampuszeit. Da ist Jestl normalerweise immer als Krampus, als „Klaubauf“, unterwegs, wie viele andere Osttiroler auch. Aber heuer habe ich ausnahmsweise nicht beim Krampus-Laufen mitgemacht, weil ich nichts riskieren wollte. Denn wenn ich mir beim Krampuslauf den Hax gebrochen hätte oder mich sonst irgendwie verletzt hätte, wäre die Stammzellenspende vielleicht nicht zustande gekommen. Das wäre schlimm gewesen,“ meint Jestl. Außerdem hatte er von den Spritzen sowieso Hüft- und Gliederschmerzen, daher verzichtete er gerne auf das alljährliche Krampuslaufen. „Sicher ist sicher und nächstes Jahr kann ich eh wieder als Klaubauf gehen.“

Am 9. Dezember fuhr der Papa einer einjährigen Tochter dann vom hintersten Osttiroler Iseltal ins LKH Graz zur Stammzellenentnahme. „Ich habe das alles an einem Tag erledigt, das war kein Problem. Mein Schwiegervater hat mich begleitet. Wir sind vier Stunden hingefahren, vier Stunden zurück und dazwischen lag ich drei Stunden im Krankenhaus.“ Dort wurde Jestl mit Schläuchen an eine Maschine angeschlossen, ähnlich wie bei einer Blutabnahme wurden ihm so seine Stammzellen entnommen. „Alles kein Problem“, sagt der 33-Jährige, der bei einer Spezialtiefbau-Firma arbeitet.

Bei der Stammzellenspende | Manfred Jestl bei der Stammzellenentnahme im Krankenhaus
Bei der Stammzellenspende
| Manfred Jestl bei der Stammzellenentnahme im Krankenhaus © Geben für Leben/KK

Mittlerweile bekam der Leukämiepatient die Stammzellen des Osttirolers bereits transplantiert. Wenn alles klappt, wird der Mann wieder ganz gesund. „Das wird schon gut gehen“, meint der Osttiroler trocken. „Ich habe gerne geholfen. Wenn man helfen kann, dann tut man das ganz einfach.“

Für den Verein „Geben für Leben“ ist Jestls Einsatz jedoch keine Selbstverständlichkeit: „Manfred schenkte einem kranken Mann und seiner Familie das größte aller Geschenke – Hoffnung auf Weiterleben. Ein echtes Weihnachtswunder, das nicht nur für die betroffene Familie unvergesslich bleibt,“ heißt es von „Geben für Leben“.