„Das ist einfach unglaublich. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper“, sagt Melanie Stattmann. Sie und ihr Chor „New Voices“ machten ein kleines Wunder möglich.
Vor zweieinhalb Jahren luden die Sänger aus Dellach im Drautal zu einer Typisierungsaktion – gemeinsam mit dem Verein „Geben für Leben“. So versuchten sie lebensrettende Stammzellen für schwer kranke Menschen zu finden, hauptsächlich für Leukämiepatienten.
Wunder vom Drautal
Rund 200 Personen kamen damals in den Kultursaal Dellach und machten einen Wangenabstrich. Ihre Daten kamen in eine weltweite Datenbank. Die Chance, einen passenden Spender zu finden, liegt bei 1:500.000. Die Hoffnung war, dass durch die kleine Typisierungsaktion in Oberkärnten vielleicht irgendwann einmal ein passender Stammzellenspender für einen Krebspatienten gefunden wird. „Wenn nur einer dabei ist, der Stammzellen spenden kann, ist das ein Riesenerfolg“, sagte Chor-Obfrau Stattmann damals. Was dann geschah, übertraf jedoch alle Erwartungen. Denn: Es waren drei dabei!
Innerhalb weniger Monate wurden dank des Chores drei passende Stammzellenspender gefunden. Und: Alle drei hatten sich am selben Tag bei der Chor-Aktion typisieren lassen. Das ist einzigartig, heißt es vom Verein „Geben für Leben“. Alle drei jungen Männer wurden nach einer weltweiten Suche gefunden und jeder einzelne von ihnen wurde gefragt, ob er bereit sei ein Leben zu retten. Die Herren aus Oberkärnten zögerten nicht. „Was für ein Zufall! Sie wohnen alle in einem Umkreis von fünf Kilometern, aber ihre Stammzellen wurden jetzt in die verschiedensten Teile der Welt geschickt“, sagt Chor-Obfrau Stattmann.
Zuerst – im Februar – spendete Nikita Unterpirker seine Stammzellen einem schwer kranken Italiener. Dann – im Mai – half der 24-jährige Noah Thalmann einem Patienten aus den Niederlanden. Und jetzt vor wenigen Tagen gab Manuel Pscharzer seine Stammzellen einem Mann aus den USA. Pscharzer hat derzeit besonders viel um die Ohren. Denn der 30-jährige Landwirt macht gerade bei der aktuellen ATV-Staffel von „Bauer sucht Frau“ mit. Der „dynamische Drautaler“ mit abgeschlossenem Studium an der TU-Graz, zwölf Mutterkühen und einer Privatalm will seine Traumfrau kennenlernen. Vor kurzem wurde die Vorstellungsrunde mit dem Oberkärntner im Fernsehen ausgestrahlt.
ATV-Bauer sucht Frau
Doch bevor der 30-Jährige seine große Liebe findet, hat er noch schnell ein Leben gerettet. Der ATV-Bauer sagt: „Ich wünsche dem Patienten, der meine Stammzellen bekommen hat, nur das Allerbeste und dass er geheilt wird.“ Manuel Pscharzer hat einen Zwillingsbruder. Nach seiner Stammzellenspende in die USA meint er: „Jetzt habe ich einen zweiten genetischen Zwilling.“ Am Dienstag und am Mittwoch lag er noch im LKH Graz und ließ sich die Stammzellen aus dem Blut filtern, am Donnerstag war er schon wieder auf seinem Arbeitsplatz in einem Hightech-Unternehmen.
Er und die anderen beiden Stammzellen-Spender hoffen, dass sich noch viel mehr Leute typisieren lassen. „Der Chor und die drei Männer haben quasi vorgezeigt, wie es geht und wie schnell man zum Helfer werden kann“, lächelt Julia Neugebauer, die Sprecherin von „Geben für Leben“. Sie kann die „drautalerische Stammzellen-Treffer-Quote“ noch immer nicht ganz fassen: „Dass bei einer Typisierungsaktion gleich drei Lebensretter gefunden werden, hat es noch nie gegeben. Das ist wirklich wie ein kleines Wunder.“ New-Voices-Obfrau Stattmann meint gerührt: „Da muss jemand im Himmel mitgeholfen haben.“
Was soll man sagen? Dieser Chor ist ein Glücksbringer. Und irgendwo auf der Welt haben drei Menschen die neue Chance auf ein neues Leben bekommen.