Es ist kein dummer Vandalenakt, sondern eine politisch motivierte Straftat, wegen der die Kärntner Polizei derzeit ermittelt.

Unbekannte Täter haben in der Nacht auf Freitag den Gedenkstein beim Kärnten Museum verunstaltet, beschmiert und möglicherweise auch beschädigt. „Wir ermitteln wegen Verhetzung“, sagt Werner Pucher, Sprecher der Landespolizeidirektion Kärnten. Auch das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) ist informiert.

Das Kunstwerk von „Zweintopf“ erinnert neben den Opfern von Nachkriegsgewalt auch an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und damit der NS-Herrschaft. 

Der beschmutzte Gedenkstein
Der beschmutzte Gedenkstein © KLZ / Thomas Martinz

Landeshauptmann: „Inakzeptable Provokation“

Landeshauptmann Peter Kaiser verurteilt von bislang unbekannten Personen angebrachte Transparent aufs Schärfste. „Es handelt sich um eine unnötige und inakzeptable Provokation, die offensichtlich darauf abzielt, das friedliche Zusammenleben in Kärnten zu stören“, betont Kaiser. Kärnten habe in den vergangenen Jahren große Fortschritte im respektvollen Umgang mit der gemeinsamen Geschichte sowie in den Beziehungen zwischen Kärnten und Slowenien sowie zwischen deutsch- und slowenischsprachigen Kärntnerinnen und Kärntnern erzielt. „Solche bewusst gesetzten Entgleisungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir auf einem guten Weg des Miteinanders sind. Wir lassen nicht zu, dass das durch derartige Aktionen infrage gestellt wird“, sagt Kaiser.

Grüne: „Häufung rechter Aktionen“

„Die Häufung der Aktivitäten aus der rechten Szene in Kärnten ist erschreckend“, kritisiert Olga Voglauer, Nationalratsabgeordnete und Landessprecherin der Grünen Kärnten, die Aktion, und verweist auf Parallelen zu Vorfällen der vergangenen Monate: Angriffe auf die Pride, die Verhüllung des Regenbogen-Zebrastreifens und der rechtswidrige Polizeieinsatz am Peršmanhof. Die Landesregierung sei gefordert, ein klares Zeichen zu setzen: „Schutz von Gedenkstätten, konsequente Strafverfolgung rechter Gewalt und eine ehrliche Aufarbeitung der Kärntner Geschichte sind dringend notwendig. Es ist höchste Zeit, dass in Kärnten die gesamte Geschichte sichtbar gemacht wird – nicht nur die Tätergeschichte.“

Landesmuseum: „Geistloser Rückfall“

Das Landesmuseum für Kärnten bedauert in einer Aussendung „diesen geistlosen und geschichtsblinden Rückfall“ und weist den rechtsextremen Gehalt der Aktion vehement zurück. „Wir laden alle Menschen ein, sich im kärnten.museum zu informieren und die noch bis Sonntag laufende Ausstellung „Partizanke Art. Die Kunst des weiblichen Widerstands in Jugoslawien und Kärnten. Umetnost ženskega odpora v Jugoslaviji in na Koroškem“ zu besuchen.“

Am Sonntag, dem letzten Ausstellungstag, ist der Eintritt in die Sonderschau kostenlos.

Das Kunstwerk erinnert neben den Opfern von Nachkriegsgewalt an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und der NS-Herrschaft 
Das Kunstwerk erinnert neben den Opfern von Nachkriegsgewalt an die Opfer des Zweiten Weltkrieges und der NS-Herrschaft  © Kärnten Museum

Provokante Fehlstelle

Der Gedenkstein wurde am 8. Mai dieses Jahres vor dem Kärnten Museum aufgestellt. Als eine Reproduktion auf das Original-Denkmal am Klagenfurter Domplatz, erklärt das Künstler-Duo „Zweintopf“, das den neuen Gedenkstein gestaltet hat, auf seiner Homepage. Durch das Herausschneiden von zwei Worten („von Partisanen“) aus der ursprünglichen Inschrift entstehe eine provokante Fehlstelle, die die verkürzte Darstellung der geschichtlichen Ereignisse sichtbar machen soll, so die Künstler Eva Pichler und Gerhard Pichler. So werde aus der gezielten Verurteilung einer bestimmten Gruppe ein allgemeines Gedenken.