In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden im Bezirk Völkermarkt mehrere zweisprachige Ortstafeln beschädigt. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Straftat aus und hat daher den Verfassungsschutz informiert. „Die weiteren Ermittlungen werden vom Landesamt Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung mit Unterstützung der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst geführt“, hieß es dazu Sonntagmittag.
Kontrolle
Betroffen waren insgesamt fünf zweisprachige Ortstafeln - vier in der Gemeinde Bad Eisenkappel/Železna Kapla, eine in der Gemeinde Bleiburg/Pliberk. Von den unbekannten Tätern wurden die slowenischen Ortsbezeichnungen besprüht und somit unkenntlich gemacht. Die Ortsbezeichnungen in deutscher Sprache blieben unberührt. „Derzeit werden die betroffenen Ortstafeln auf Spuren untersucht. Zeitgleich werden alle zweisprachigen Ortstafeln im Bezirk Völkermarkt durch die jeweils zuständige Polizeiinspektion auf Beschädigungen kontrolliert“, so die Polizei, die noch am Sonntag einen Zeugenaufruf startete.
Gesucht werden etwaige Zeugen oder auch andere Auskunftspersonen, die in der Nacht auf Sonntag entsprechende Wahrnehmungen gemacht haben. Sie werden ersucht, sich an die nächste Polizeiinspektion zu wenden oder ihre Wahrnehmungen über Tel. 133 bekanntzugeben. Hinweise können auch anonym oder via E-Mail an lpd-k-lse@polizei.gv.at abgegeben werden.
Laut Polizeisprecher Mario Nemetz konnte mittlerweile vom Großteil der betroffenen Tafeln die aufgesprühte Farbe wieder entfernt werden, eine musste vorübergehend abmontiert werden.
Reaktionen
Valentin Inzko, Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, verurteilt die Schmieraktion: „Ausgerechnet am Weltmissionssonntag glaubten einige Ewiggestrige, die slowenischen Bezeichnungen für Bad Eisenkappel/Železna Kapla, Koprein/Kropivna und offensichtlich auch in Bleiburg/Pliberk in einer Schmieraktion entfernen zu müssen. Lange genug wurde missioniert, belehrt und in Erinnerung gerufen, dass die Volksgruppe seit genau 70 Jahren, seit dem Staatsvertrag aus 1955, Rechte auf zweisprachige Gerichte, Schulen, Amtssprache und Ortstafeln hat. Es scheint aber, dass die im Verfassungsrang stehenden Rechte der ohnehin immer kleiner werdenden Volksgruppe, einige noch immer stören“, schreibt Inzko in einer Aussendung.
Zusammenhalten
Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates und der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen und Sloweninnen Bürgermeister Bernard Sadovnik verurteilt die jüngsten Schmieraktionen an zweisprachigen Ortstafeln ebenfalls auf das Schärfste. „Diese Vandalenakte sind nicht nur ein Angriff auf öffentliche Einrichtungen, sondern vor allem auf das friedliche und respektvolle Zusammenleben in unserem Land“, betont Sadovnik. Er ruft dazu auf, zusammenzuhalten und noch näher zusammenzurücken, insbesondere als klares Zeichen gegen jegliche Form von Extremismus – egal von welcher Seite.
Politik
Auch die Politik meldet sich zu Wort. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ): „Vandalenakte sind ein feiger Angriff auf das friedliche und respektvolle Zusammenleben in unserem Land.“ Kaiser erwartet von den zuständigen Behörden vollständige Aufklärung: „Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden und sollten geschichtliche Nachhilfe bekommen.“
ÖVP-Landtagsabgeordneter Hannes Mak sagt: „Ich verurteile die Beschmierungen von Ortstafeln in Südkärnten auf das Schärfste. Provokationen aller Art sind völlig inakzeptabel – unabhängig, ob sie von rechts oder links kommen. Wir sollten in Kärnten die Zeiten solch verletzender Aktionen längst überwunden haben.“
Fassungslos zeigt sich der Team Kärnten-Volksgruppensprecher im Landtag, Franz Josef Smrtnik, selbst Vizebürgermeister der betroffenen Gemeinde Bad Eisenkappel/Železna Kapla: „Dort, wie auch in Bleiburg, wurde die slowenische Ortsbezeichnung unkenntlich gemacht. Wir haben für solch einen aggressiven Akt überhaupt kein Verständnis. Es scheint, dass die positive Stimmung zwischen Mehrheits- und Minderheitsbevölkerung sowie das friedliche Zusammenleben einigen noch immer ein Dorn im Auge ist.“
Olga Voglauer, Volksgruppensprecherin der Grünen im Parlament und Landessprecherin der Grünen Kärnten, kritisiert die Schmieraktion, bei der die slowenischen Ortsbezeichnungen unkenntlich gemacht wurden, scharf: „Kärnten ist Koroška. Kärnten ist zweisprachig. Wer heute noch zweisprachige Ortstafeln beschmiert, beschmiert nicht Schilder – sondern unser gemeinsames Kärntner Selbstverständnis. Solche Aktionen gehören ins finstere Gestern.“