„Um 3.23 Uhr hat es gekracht, es war ein lauter Klescher“, berichtet ein Nachbar. Rasch war klar: Der freistehende Bankomat einer Bank in Hart in Arnoldstein wurde gesprengt. Ein Bild der Verwüstung bot sich im Anschluss den Ermittlern vom Landeskriminalkommando Kärnten und Passanten, denn der Parkplatz vor der Bank war mit Glassplittern verunreinigt - bis zu einer etwa 50 Meter entfernten Tankstelle waren die Spuren sichtbar.
Großfahndung
„Es gab eine großflächige Fahndung mit großem Polizeiaufgebot, auch der Entschärfungsdienst der Direktion für Spezialeinheiten war vor Ort“, erklärt Polizeisprecherin Waltraud Dullnig. Mit Hubschraubern, Hundeführern und vielen Einsatzkräften aus den umliegenden Polizeiinspektionen suchte man nach den noch unbekannten Tätern - vorerst vergeblich. Aber sie haben sich am Bankomaten die Zähne ausgebissen. „Ersten Ermittlungen zufolge haben die Täter keine Beute gemacht. Der Bankomat war sehr gut abgesichert. Allerdings ist der Sachschaden erheblich“, so Dullnig.S
Suche nach drei Tätern
Inzwischen geht die Polizei von drei Tätern aus. „Die Ermittlungen haben ergeben, dass sie sich bereits eine Stunde zuvor im Bereich des Tatorts aufgehalten haben“, sagt Dullnig und bittet eventuelle Zeugen darum, sich beim Landeskriminalamt Kärnten (059 133 - 203 750) zu melden.
Banken haben reagiert
Die Banken haben auf die Serie an Bankomatsprengungen - 15 gab es heuer bereits in Österreich - reagiert. „Wir nehmen das sehr ernst und arbeiten eng mit den Behörden zusammen. Die Banken erhöhen laufend die sicherheitstechnischen Maßnahmen bei Bankomaten“, sagt Manfred Wilhelmer, Spartenobmann Bank und Versicherung, der Wirtschaftskammer Kärnten. Nähere Angaben wolle man nicht machen. Die Bankomaten bleiben aber mit Bargeld bestückt. Wilhelmer: „Wir können die Bankkundinnen und -Kunden beruhigen: Die Bargeldversorgung für die Kärntner Bevölkerung bleibt außerhalb der Schalteröffnungszeiten weiterhin gewährleistet.“
Erste Sprengung im Jahr 2019
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass der Bankomat in Hart Ziel von Kriminellen war: Am 10. Juni 2019 hatten Täter um 2.54 Uhr zugeschlagen und auch eine unbekannte Summe an Bargeld erbeutet. Der Anschlag von Mittwoch in Hart ist bereits die 15. Bankomatsprengung in diesem Jahr in Österreich, die erste in Kärnten seit Juni 2021. Damals explodierte in Mittlern in Eberndorf ein Geldausgabegerät, ein Geldbetrag in unbekannter Höhe wurde entwendet, die Täter fasste man nie.
Versuchte Sprengung in Osttirol
In der Nacht auf Freitag wurde auch in Sillian in Osttirol versucht, einen Geldautomaten in die Luft zu jagen. Aus bisher unbekannten Gründen wurde aber keine Sprengung ausgelöst und die Tat blieb beim Versuch. Der Täter flüchtete ohne Beute in unbekannte Richtung. In diesem Fall hat das Landeskriminalamt Tirol die Ermittlungen übernommen.
„Soko Bankomat“
Wegen der Häufung dieser Delikte wurde im Bundeskriminalamt ein „Sonderkommando Bankomat“ eingerichtet. SOKO-Leiter Dieter Csefan vermutet eine Gruppierung aus den Niederlanden hinter der Sprengserie. „Sie wird auf rund 1000 Mitglieder geschätzt, die wiederum in Kleingruppen untergliedert ist“, so Csefan, letztere können aus 20 bis 100 Personen bestehen. Die Mitglieder werden in den Niederlanden trainiert und reisen von dort aus quer durch Europa, um dann entsprechende Taten zu begehen. „Die Täter benutzen auf ihrer Flucht hochmotorisierte Fahrzeuge mit 700 bis 800 PS“, berichtet Csefan. Um auf Nummer sicher zu gehen, seien die Fahrzeuginsassen zudem noch mit Lasern ausgerüstet, um etwaige Verfolger zu blenden. Noch nicht geklärt sei, ob die Täter dann im Land bleiben oder sich unmittelbar ins Ausland absetzen.
Das Vorgehen der Tätergruppen ist insgesamt hochprofessionell, wie aus Csefans Erläuterungen hervorgeht: Es wird arbeitsteilig agiert, man gehe etwa davon aus, dass Logistiker die Fluchtwege vorher auskundschaften, die ausführenden Täter würden Overalls tragen, vermummt sein und das Hinterlassen von DNA-Spuren werde mit Klebebändern verhindert.