In Kroatien wird heute, Freitag, der Boykott gegen die Preisexplosion fortgesetzt. „Was wir am Freitag erlebt haben, war sehr vielversprechend“, sagte Josip Kelemen, Berater der Plattform Halo gegenüber Večernji list, nach einer ersten derartigen Aktion vor einer Woche. Damals wurde über die Plattform „Halo inspektore“ in sozialen Medien dazu aufgerufen, nicht im Lebensmittelhandel, Drogeriemärkten und Tankstellen einzukaufen. Breite Unterstützung dafür kam von Verbraucherschutzorganisationen, der Gewerkschaft und auch aus der Politik, selbst Minister riefen dazu auf, sich dem Kampf gegen die Teuerung anzuschließen. Darunter Wirtschaftsminister Ante Šušnjara, Umweltministerin Marija Vučković sowie Parlamentspräsident Gordan Jandroković.

Diesmal will man einen Schritt weitergehen: „Wir rufen alle dazu auf, von jeglichen Käufen abzusehen, nicht nur in Geschäften, sondern auch an anderen Orten.“ Kroatiens Verbraucher wehren sich mit dem Boykott gegen die Preisexplosion im eigenen Land.

44 Millionen Euro weniger ausgegeben

Am 24. Jänner blieben die Geschäfte am 24. Januar in Kroatien vielerorts menschenleer. Auswertungen der Finanz zeigten, dass im Vergleich zur Vorwoche an diesem Tag 44 Prozent weniger Rechnungen ausgestellt wurden, der Umsatz brach sogar um 53 Prozent ein. Ein Minus von 52 Millionen Euro. Zwar wurde am Donnerstag und am Samstag etwas mehr als üblich konsumiert, bei der Betrachtung der gesamten Woche wurden aber insgesamt 44,183 Millionen Euro weniger ausgegeben. Das entspreche einem Prozent des Jahresumsatzes der fünf großen Handelsketten in Kroatien, schreibt Dnevnik.hr.

Totaler Konsumverzicht

Der Aufruf kommt nun einem totalen Konsumverzicht nahe: „Wir fordern die Bürger dringend auf, an diesem Tag nichts zu bestellen, keine Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, Rechnungen nicht zu bezahlen, Banken zu boykottieren und keinen Kraftstoff zu kaufen. Kaufen Sie nicht online ein und gehen Sie nicht in Drogerien“, sagte Kelemen und ruft auch die Handelsangestellten auf, sich der Aktion anzuschließen: „Zeigt am Freitag, dass Ihr bei uns seid und protestiert friedlich mit. Arbeitet so langsam wie möglich. Wir wollen Eure Jobs nicht gefährden, wir sagen nur Nein zu der Preisexplosion“.

Preistreiber

Drei Handelsketten und drei Produktgruppen, die man als besondere Preistreiber identifiziert haben will, sollen sogar eine Woche lang links liegen gelassen werden. Die Plattform ruft dazu auf „Eurospin“, „DM“ und „Lidl“ von Donnerstag bis zum 5. Februar zu boykottieren. So lange solle man auch kohlensäurehaltige Getränke des Getränkeriesen „Coca Cola“, in Flaschen abgefülltes Wasser, das mittlerweile teurer sei als Bier, und Waschmittel nicht einkaufen. Laut Kelemen wurden die Preise der Reinigungsmittel um bis zu 100 Prozent erhöht und zudem seien die Verpackungsgrößen reduziert worden, was aus Verbrauchersicht inakzeptabel sei. Auch den Banken und Telekommunikationsunternehmen, die schon 2024 ihre Gebühren erhöht hätten und wieder neue Gebühren ankündigen, solle man eine starke Botschaft senden und am kommenden Freitag auf ihre Dienstleistungen verzichten.

Sorge vor Rezession

Nicht alle sehen im Boykott die Lösung gegen die Teuerung. Große Handelsketten würden diesen Boykott unbeschadet überstehen, treffen werde es nur die kleinen Geschäfte, die unter dem Konsumverzicht massiv leiden. Der renommierte kroatische Volkswirt Petar Vušković warnt im Gespräch mit 24sata.hr gar vor einer drohenden Rezession und steigender Arbeitslosigkeit, sollte der Boykott langfristig andauern.