„Gegen den Schierling ist die Tollkirsche das reinste Kinderkompott.“ Ein Kärntner Landwirt, der anonym bleiben möchte, ist besorgt. Er entdeckte auf seinem Acker heuer die tödlich giftige Pflanze und war sofort alarmiert: „Wenn sich diese Pflanze auf den Äckern vermehrt, ist das der Tod eines Bauern. Bei dem traut sich ja niemand mehr etwas zu kaufen.“ Denn schon ein halbes Gramm des Schierlings-Giftes kann für einen Menschen tödlich sein.

„Jetzt wächst dieses Sauviech auf unseren Böden. Das ist eine Katastrophe, weil der Samen 20 Jahre keimfähig bleibt und sich die Wurzeln auch vegetativ vermehren können“, warnt der Landwirt. Man habe den Schierling sofort verbrannt und die betroffene Stelle wird seither pausenlos beobachtet und gemäht, damit nicht noch weitere Ackerflächen verseucht werden.

Dass der Schierling tödlich giftig ist, weiß die Menschheit seit der Antike. Und auch in Kärnten komme diese immer wieder vor, erklärt Erich Roscher, Leiter des Referats Pflanzenbau bei der Landwirtschaftskammer Kärnten: „Fast in jedem Bezirk gab es immer wieder Meldungen, auch flächig.“ Bei gewissen Ackerbaukulturen, wie Mais und Soja, könne man die Pflanzen mit unterschiedlichen Mitteln bekämpfen. Bei Biodiversitätsflächen oder Bio-Betrieben sei das wegen der strengen Auflagen oft schwerer.

DI Erich Roscher
Erich Roscher © Helge Bauer

Samen im Saatgut

Derzeit warnen die Landwirtschaftskammern in ganz Österreich vor dem Aufkommen der Pflanze. Auslöser dafür waren Schierlinge, die in Oberösterreich plötzlich gewachsen sind. „Und dort kannte man diese Pflanze bisher nicht“, erklärt Roscher. Daraufhin ist man dem nachgegangen und es stellte sich heraus, dass Samen der Giftpflanze in zwei Chargen eines Biodiversitätsdüngers geraten sein dürften. Üblicherweise befinden sich in dieser Mischung Buchweizen, mehrere Arten von Klee, Leindotter, Senf oder Spitzwegerich und Kümmel. Über letztgenannten, wird vermutet, dürfte der Schierling zur Mischung gekommen sein. Auch in Kärnten gab es wenige Meldungen von Bauern, die vermutlich den Schierling durch eine dieser beiden Mischungen auf ihren Feldern aufgebracht haben. Betroffene können sich bei der Abteilung Pflanzenbau der Landwirtschaftskammer Kärnten, Telefon: 0463/5850 DW 1421, beim Händler, in dem sie den Samen gekauft haben, oder beim Hersteller selbst melden, rät Roscher.

Landwirte, die am ÖPUL teilnehmen, sind dazu verpflichtet, sieben Prozent Biodiversitätsflächen anzulegen. Allerdings gibt es dafür unterschiedliche Saatgutmischungen, daher sind bei Weitem nicht alle Kärntner Bauern betroffen.

Roscher empfiehlt dennoch jedem Landwirt in Kärnten, genau darauf zu achten, ob nirgends ein Schierling wächst, um die Ausbreitung einzudämmen. Betroffene sollen die Pflanzen schlägeln, solange die Samen nicht reif und noch grün sind. Dann sind diese noch nicht keimfähig. Sind die Samen hingegen braun, getrocknet und reif, müssen sie mit einem Ganzkörperschutz ausgegraben und entsorgt werden, rät die Landwirtschaftskammer: „Pflanzen mit reifen, braunen Samen sollen abgeschnitten/abgemäht und in einer Verbrennungsanlage oder in einer gut funktionierenden, langsam arbeitenden Biogasanlage entsorgt werden. Größere Mengen können in Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden.“ Kompostiert werden soll eine Pflanze mit braunen Samen hingegen nicht, da nicht sichergestellt ist, ob die Samen dadurch zerstört werden.

Urlauber und Schüler aufklären

Landwirte sollen außerdem Fotos der Pflanze und von der Entfernung ans Pflanzenbaureferat der Landwirtschaftskammer schicken: „Eine Meldung bei der AMA ist jedoch nicht erforderlich.“ Betriebe, bei denen oft Urlauber oder Schüler am Hof sind, sollen ihre Gäste auf die Problematik hinweisen. Und Roscher rät, Pflanzen, die man nicht kennt, nicht anzugreifen oder gar in den Mund zu nehmen: „In der Natur gibt es einfach sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen sich die Pflanze schützt.“ Und davon sind einige auch für den Menschen giftig.