Gezerre um VollwaisenRichter setzt für Eitan Vormund anstelle der Tante ein

Großeltern mütterlicherseits hatten gegen die Ernennung der Tante väterlicherseits Beschwerde erhoben – nun wird ein "externer" Vormund eingesetzt: Dabei soll es sich um einen Experten handeln, der nichts mit den beiden Herkunftsfamilien des Kindes zu tun hat.

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© (c) AP (Sebastian Scheiner)
 

Im Streit um die Obsorge für Eitan B., den einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore mit 14 Todesopfern im Mai 2021, ist am Donnerstag ein entscheidender Richterbeschluss ergangen. Das Jugendgericht von Mailand hat im Verfahren über die Beschwerde der Großeltern mütterlicherseits gegen die Ernennung der Tante väterlicherseits zum Vormund nun beschlossen, einen externen "Vormund" einzusetzen.

Unabhängiger Experte

Dabei soll es sich um einen Experten handeln, der nichts mit den beiden Herkunftsfamilien des Kindes zu tun hat. Der Sechsjährige soll weiterhin bei seiner Tante väterlicher Seite in der lombardischen Stadt Pavia leben, die von den Turiner Behörden das Obsorgerecht erhalten hatte, teilte die Präsidentin des Jugendgerichts, Maria Carla Gatto, am Freitag mit.

Die Entscheidung sei aufgrund des "sehr hohen Konfliktniveaus, das zwischen den Angehörigen des Kindes nach der Ernennung der Tante zum Vormund aufgetreten ist", gefallen. "Das sehr hohe Konfliktniveau hat bisher zweifellos dazu beigetragen, jede persönliche, beziehungsbezogene, finanzielle und erzieherische Entscheidung zu erschweren, die im vorrangigen Interesse des Kindes getroffen werden muss", so die Präsidentin des Gerichts. Der Beschluss des Mailänder Jugendgerichts wurde von den Großeltern mütterlicher Seite des Kindes gutgeheißen.

Das sehr hohe Konfliktniveau hat bisher zweifellos dazu beigetragen, jede persönliche, beziehungsbezogene, finanzielle und erzieherische Entscheidung zu erschweren, die im vorrangigen Interesse des Kindes getroffen werden muss.

Maria Carla Gatto, Präsidentin des Jugendgerichts Pavia

Tragödie am 23. Mai 2021

Das Seilbahnunglück geschah am 23. Mai, als das Zugseil kurz vor der Bergstation riss und die Kabine mit 15 Menschen an Bord in die Tiefe stürzte und zerschellte. Eigentlich hätten die Notbremsen am Tragseil greifen müssen, um ein Abstürzen zu verhindern. Allerdings waren sie mit Klammern blockiert, da sie laut Ermittlungen zuvor für Störungen im Betrieb gesorgt hatten.

14 Insassen starben damals. Nur der kleine Eitan hatte den Absturz schwer verletzt überlebt und seine Eltern, Urgroßeltern und einen kleinen Bruder bei dem Unglück verloren. Das Kind war im September von seinem Großvater von Italien nach Tel Aviv gebracht worden. Ein Gericht in der israelischen Hauptstadt beschloss jedoch, dass das Kind mit seiner Tante in Italien leben soll.

Kommentare (1)
muston
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Lesenswert?

Nemesis

Der kleine Bub wurde von seinem Großvater nicht nach Israel "gebracht" sondern entfuehrt, weshalb gegen ihn ein internationaler Haftbefehl erlassen wurde.