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Brandrodung und Abholzung Wo es überall auf der Erde brennt: Ein Lagebericht

Durch Brandrodung und Abholzung vernichtet der Mensch seit Jahrtausenden die Waldbestände.

SPACE-FIRES-GLOBE
Nicht nur im Amazonasgebiet brennt es, auch im Rest der Erde gibt es mehr (gelegte) Feuer als vermutet © APA/AFP/NASA/HO
 

Die brasilianischen Waldbrände sind in die Schlagzeilen geraten. Doch auch in anderen Regionen der Erde stehen derzeit Wälder in Flammen. Durch Brandrodung und Abholzung vernichtet der Mensch seit Jahrtausenden die Waldbestände - nicht zuletzt in Europa. In vielen Erdregionen toben die Brände derzeit besonders heftig. Ein Lagebericht:

Amazonas-Region

In Brasilien wüten die heftigsten Brände seit Jahren. Die Zahl der Feuer stieg nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE seit Anfang des Jahres um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf mehr als 80.000 Brände. Etwas mehr als die Hälfte der Brände wurden im Amazonasgebiet registriert, ein Drittel im sogenannten Cerrado, einer Savannenlandschaft im Südosten des Landes. Auch in einigen anderen Ländern der Region gab es mehr Brände, in manchen ging ihre Zahl zurück.

Im gesamten Amazonasbecken, das 7,4 Millionen Quadratkilometer und mehrere Länder umfasst, liegt die Zahl der Brände nach Angaben der NASA bisher etwa im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre, allerdings schwanke die Zahl stark. "Der August 2019 sticht hervor, weil er eine beachtliche Zunahme von großen, heftigen und andauernden Bränden entlang der Landstraßen im Zentrum des brasilianischen Amazonasgebiets gebracht hat", schreibt Douglas Morton von der NASA. "Während Dürren in der Vergangenheit eine große Rolle beim Entfachen der Brände gespielt haben, stehen die Feuer zu Beginn der aktuellen Trockenzeit eher im Zusammenhang mit Brandrodungen."

Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Waldzerstörungen ermutigt fühlten.

Weil der Amazonasregenwald riesige Mengen CO2 bindet, ist er auch für das Weltklima von entscheidender Bedeutung. "Der Amazonasregenwald speichert bis zu 150 Gigatonnen Kohlenstoff in seinen Bäumen, die schlimmstenfalls frei werden könnten", sagt Susan Trumbore vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie. "Zum Vergleich: Durch die Verfeuerung fossiler Brennstoffe setzten Menschen 2018 etwa zehn Gigatonnen Kohlenstoff als CO2 frei." Über die Verdunstung funktioniert der Wald zudem wie eine riesige Klimaanlage. "Wenn er verschwände, würde das den Weg von Stürmen verändern und auch außerhalb der Tropen die Niederschläge beeinflussen und die Wüstengürtel verschieben."

Brände im Amazonasgebiet: Kampf gegen das Flammenmeer

So sieht Regenwald aus, nachdem eine Feuerwalze durch ihn zog.

(c) APA/AFP/CARL DE SOUZA (CARL DE SOUZA)

Die Bevölkerung sowie Zehntausende Soldaten versuchen, die verheerenden Waldbrände im Amazonasbecken einzudämmen.

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Es bleibt beim Versuch: In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren.

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Die Auswirkungen sind weitreichend - nicht nur für die örtliche Bevölkerung, sondern für den ganzen Planeten.

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Seit Jänner stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80.000 Brände.

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Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

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Neben der großflächig zerstörten Flora sind natürlich auch unzählige Tierspezies betroffen.

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Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen.

(c) APA/AFP/PABLO COZZAGLIO (PABLO COZZAGLIO)

So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Para sich zu einem "Tag des Feuers" verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben.

(c) APA/AFP/PABLO COZZAGLIO (PABLO COZZAGLIO)

"Es besteht der Verdacht auf eine orchestrierte Aktion. Es gibt den Verdacht, dass das von langer Hand geplant wurde", sagte Generalstaatsanwältin Raquel Dodge.

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Die Feuer zu löschen ist geradezu unmöglich, zu entlegen, zu zahlreich, zu weit verstreut sind die Brandnester.

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"Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion", behauptet der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, der Nachrichtenagentur Agencia Brasil.

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Klicken Sie sich durch weitere Bilder aus dem Katastrophengebiet...

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Indonesien

In Indonesien sind bei Bränden seit Beginn des Jahres bereits mehr als 410.000 Hektar Wald vernichtet worden - eine Fläche größer als Deutschland. Betroffen sind vor allem die beiden riesigen Inseln Borneo und Sumatra. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde vom Dienstag sind aktuell mehr als 8.000 Helfer im Einsatz, um die Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Behörde sprach von mehr als 350 verschiedenen Brandherden.

Solche großen Feuer sind im Dschungel des weltgrößten Inselstaates nicht ungewöhnlich, vor allem in der gegenwärtigen Trockenzeit. Sie sind aber schlimmer als in den beiden Vorjahren. Immer wieder kommt es vor, dass Feuer absichtlich gelegt wird, um den Wald abzuholzen - von Farmern oder von Arbeitern im Auftrag von Firmen.

Abgesehen von der Vernichtung der Wälder ist die Luftverschmutzung enorm, was sich auch in Nachbarstaaten wie Singapur, Malaysia und Thailand bemerkbar macht. Nach einer Studie der Universitäten Harvard und Columbia führte die Luftverschmutzung durch die schlimmen Waldbrände in Indonesien 2015 in ganz Südostasien zum Tod von mehr als 100.000 Menschen.

Afrika

"Afrika ist einer der größten Brandherde der Welt - wenn nicht sogar der größte; Feuer in Afrika sind aber grundverschieden von denen im Amazonas", sagt der südafrikanische Wissenschafter Harold Annegarn. Gezielt würden jedes Jahr ganze Landstriche vom Norden bis zum Süden des Kontinents abgebrannt, weil abgestorbene Gräser und Sträucher nur sehr langsam verrotten. Deren Asche gilt jedoch als Dünger. Der international gefragte Experte für Luftverschmutzung betont: "Die jährlichen Savannen-Brände in Afrika sind Teil des Ökosystems, das stellt nicht gleich eine Katastrophe dar." In Wellen würden die Feuer von Westafrika über den Kongo und Angola bis in den Süden wandern.

Mit Sorge sieht Annegarn eine neue Entwicklung in Teilen Nigerias oder des Kongos, bei der für die Jagd ganze Wälder in Brand gesteckt werden, um dann das fliehende Wild auf einfache Weise zu erlegen. Auch die Brandrodung für Landwirtschaftszwecke sei ein zunehmendes Problem - wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt wie etwa in Brasilien, wo der kommerzielle Druck durch die Rinderzucht höher ist.

Russland

In Sibirien im Osten Russlands brennen seit Wochen Millionen Hektar Wald. Betroffen ist auch die für das Weltklima wichtige Taiga, ein riesiger Nadelwald. Dort gibt es in den Sommermonaten immer wieder Feuer, sie sind diesmal aber heftiger ausgefallen als in den Vorjahren. Die russischen Umweltschützer von Greenpeace errechneten auf Grundlage von staatlichen Satellitendaten, dass bereits mehr als 14 Millionen Hektar Wald vom Feuer vernichtet wurden. Die Behörden gingen zuletzt von einem geringeren Ausmaß aus. Das Militär hilft beim Löschen.

Bedingt durch Regen und die Löscheinsätze aus der Luft gingen die Brände zuletzt zurück. Nicht gelöscht wird auf Flächen, die als schwer zugänglich eingestuft wurden und wo keine Siedlungen in der Nähe sind. Es gibt Ermittlungen wegen Brandstiftung. Hitze und Trockenheit haben zur Ausbreitung geführt. Viele Russen machen auch Lagerfeuer, die dann außer Kontrolle geraten. Infolge der Brände hatten etliche Dörfer und Städte mit gefährlichem Rauch zu kämpfen. Bewohner kritisierten die Behörden, sie hätten viel zu spät mit den Löscharbeiten begonnen.

 

Kommentare (5)

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brosinor
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Wie wäre es...

...könnte die Klz auch mal über den Giftcocktail berichten den der ununterbrochene Verkehrskollaps in Graz verursacht?
Und der die Menschen HIER vor der eigenen Haustür krank macht!!!

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Mein Graz
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@brosinor

Es wird doch darüber berichtet!
Leider ist es doch so, dass Meldungen wie "Grüne Meilen für Graz" oder "Fridays for Future"-Proteste von vielen angefeindet, zumindest belächelt bzw. ins Lächerliche gezogen werden.
Wenn etwa Tiefgaragen mitten im Zentrum geplant werden, was noch mehr Individualverkehr in die Innenstadt zieht wird da bejubelt, welche Zukunftsvisionen doch die Grazer Planer haben. Die Forderungen nach Ausbau der Öffis werden so langsam umgesetzt, dass einem beim Gehen fast die Füße einschlafen. Und wenn dann über Murgondel oder Plabutsch-Seilbahn diskutiert wird statt über Verlängerung der Straßenbahn stellen sich mir die Haare auf.

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brosinor
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???

aber über die krankmachende Verkehrshölle wird doch kein Sterbenswörtchen geschrieben.
Wo sind die Ärzte? Wählen die alle den Sargnagl?

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herwig67
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Sanktionen

Statt einem Handelsabkommen sollte die EU sich eher Sanktionen gegen Brasilien überlegen z.B. ein Stopp des Fleischimports.

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Mein Graz
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@herwig67

Man sollte auch die Sojaimporte nicht vergessen, Brasilien ist der 2.-größte Sojalieferant für Europa, ein Großteil davon Gen-verändert.
Und dieses Soja wird zur Herstellung von Fleisch verwendet...

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