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Boeing in BedrängnisExperte: Vermutlich Software schuld an Absturz

Dreiköpfiges Ärzteteam aus Österreich und ein Villacher Pfarrer an Bord der Unglücksmaschine. US-Hersteller Boeing unter Druck. Laut Augenzeugen brannte die Maschine bereits in der Luft. Flugschreiber wurde gefunden. Experte: vermutlich Software schuld.

ETHIOPIA-AIR ACCIDENT
Mit schwerem Gerät wird die Absturzstelle abgesucht © (c) APA/AFP/MICHAEL TEWELDE
 

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 mit 157 Todesopfern - darunter drei Ärzte aus Österreich - laufen die Ermittlungen zur Unglücksursache auf Hochtouren. Bei der Fehlersuche richtete sich der Blick der Ermittler am Montag auch auf den neuen Flugzeugtyp, der in den vergangenen sechs Monaten nun bereits zwei schwere Abstürze verzeichnete. Mehrere Länder verboten Starts der Maschinen.

Große Hoffnungen richteten die Ermittler auf die Blackboxes der Maschine, die am Montag gefunden wurden, wie die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines im Kurzmitteilungsdienst Twitter mitteilte. Die beiden Flugschreiber, also Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber, können wichtige Hinweise auf die Absturzursache geben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien ist der US-Hersteller Boeing stark unter Druck geraten.
  • Flugverbot für Maschinen des Boeing-Typs 737 Max in China. Auch Ethiopian Airlines erteilte allen baugleichen Maschinen ein Startverbot.
  • Die Aktien des französischen Flugzeug-Zulieferer Safran fielen am Montag in Paris um 1,9 Prozent.
  • Experten von Boeing und der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB übernehmen die Ermittlungen zur Unglücksursache vor Ort.
  • Insgesamt starben bei dem Absturz 157 Menschen - drei davon Ärzte aus Österreich, einer aus Kärnten. Ein weiteres Opfer ist ein evangelischer Priester, der jahrelang in Kärnten lebte.

Die Ethiopian-Airlines-Maschine war Sonntagfrüh kurz nach dem Start von Addis Abeba Richtung Nairobi abgestürzt. Alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Der Pilot hatte nach Angaben der Fluggesellschaft Probleme gemeldet und angekündigt, umzudrehen. Kurze Zeit später zerschellte die Maschine.

Boeing 737-800MAX abgestürzt: Suche nach Unglücksursache

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien hat der Geschäftsführer der betroffenen Fluglinie auf einer Pressekonferenz eingehende Untersuchungen angekündigt.

AFP

"Es ist zu früh, um über die Ursache des Unfalls spekulieren zu können. Weitere Ermittlungen sind in Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller Boeing, der Ethiopian Civil Aviation Authority und anderen internationalen Organisationen im Gange", meinte der Geschäftsführer der Ethiopian Airlines, Tewolde GebreMariam.

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Tewolde GebreMariam machte sich selbst vor Ort ein Bild.

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Sobald die Unfallursache geklärt sei, würden entsprechende Informationen bereitgestellt. GebreMariam versicherte am Sonntagnachmittag, seine Gesellschaft wolle "die Familien der Opfer mit allen nötigen Mitteln unterstützen".

 

(c) AP (Yidnek Kirubel)

Die verunglückte Boeing 737-800MAX war Sonntagfrüh von Johannesburg nach Addis Abeba geflogen und sollte von dort Reisende nach Nairobi bringen. Erst kürzlich - am 4. Februar - wären an der Maschine "strenge Wartungen" durchgeführt worden, sagte GebreMariam.

(c) AP (Yidnek Kirubel)

Gesteuert wurde das Flugzeug von einem erfahrenen Piloten, der 8.000 Flugstunden absolviert hatte. Bei dem Unglück kamen laut nunmehrigen Angaben der Fluglinie 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder aus 35 verschiedenen Nationen ums Leben.

 

(c) AP (Yidnek Kirubel)
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Es ist bereits das zweite Unglück innerhalb eines halben Jahres mit diesem Flugzeugtyp. Die Ethiopian Airlines, China und Indonesien ließen ihre 737-Max-8-Maschinen vorerst am Boden. Ethiopian Airlines verfügt über sechs weitere Boeing 737 Max 8 und hatte insgesamt 30 der Maschinen geordert. Die Unglücksmaschine war Mitte November geliefert worden.

Die chinesische Luftfahrtbehörde ordnete ein Startverbot für alle Boeing 737 Max 8 in der Volksrepublik an. Auch Indonesien wollte die Maschinen zunächst überprüfen lassen. Die Laudamotion-Mutter Ryainair hat 135 Stück bestellt, allerdings bis Ende Jänner noch keine bekommen. Österreichische Fluglinien haben den Flugzeugtyp nicht im Einsatz.

Boeing 737 Max 8 seit 2017 am Markt

Der bei Kurz- und Mittelstrecken beliebte Jet 737 von Boeing ist mit neuer Technologie ab dem Jahr 2017 als 737 Max ausgeliefert worden. Der Erstflug wurde im Jänner 2016 erfolgreich absolviert, sodass die neue Version produziert wurde. Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug weltweit. Laut der Homepage von Boeing wurden vom neuen Typ bisher 4.700 Maschinen bestellt.

Nach dem Erstflug im Jänner 2016 hatte der US-Flugzeugbauer vor zwei Jahren die ersten Maschinen der Version Max 8 mit besonders spritsparenden Motoren ausgeliefert. Die nun von Abstürzen betroffene 737 Max 8 bietet laut Boeing 162 bis 178 Sitze und hat mit einer Flügelspanne von 35,9 Metern eine Reichweite bis zu 6.570 Kilometer. Der Typus kostet etwa 103,7 Millionen US-Dollar (92,4 Millionen Euro).

 

>>>Kommentar: MAX 8 - Über dieser neuen Generation des amerikanischen Flugzeugherstellers liegt ein dunkler Schatten

Auch die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways teilte mit, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden. Andere Fluggesellschaften wie Norwegian und die US-Fluggesellschaft United erklärten hingegen, die Maschinen seien sicher und blieben weiterhin in Betrieb. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, die EU-Agentur für Flugsicherheit stehe mit den Behörden in Kontakt und verfolge die Ermittlungen genau. Auf Grundlage der Informationen werde man das Risiko beurteilen und möglicherweise auch weitere Schritte einleiten.

Der Hersteller Boeing sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und kündigte die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Diese sollten bei der Untersuchung der Unglücksursache helfen. Am Montag erklärte Boeing zudem, es gebe nach bisherigem Kenntnisstand keine Grundlage für neue Anweisungen an die Betreiber des Flugzeugtyps.

Die Opfer stammten aus 35 Ländern, zumeist aus Kenia und Kanada. Unter den Toten sind 22 UNO-Mitarbeiter. Viele von ihnen waren auf dem Weg zu einer Konferenz des UNO-Umweltprogramms (UNEP) in Nairobi.

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) reagierte betroffen auf den Absturz. "Der Tod der drei jungen Kollegen, die in Ausübung ihrer medizinischen Aufgaben unterwegs waren, erfüllt mich mit großem Schmerz und Betroffenheit", teilte ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres am Montag in einer Aussendung mit. "Die Anteilnahme der gesamten Ärztekammer gilt den Angehörigen der Opfer, denen wir in diesen schweren Stunden unser aufrichtiges Beileid aussprechen und viel Kraft wünschen möchten", betonte er.

Bei einem der Mediziner handelte es sich um einen in Oberösterreich geborenen 31-Jährigen, der am Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz beschäftigt war. Außerdem kamen ein aus Niederösterreich stammender 31-Jähriger, der im Landeskrankenhaus Steyr gearbeitet hatte, und ein 30 Jahre alter gebürtiger Kärntner, der an der MedUni Wien angestellt war, ums Leben. Sie wollten laut österreichischem Außenministerium auf Sansibar medizinisch arbeiten. Auch ein in Kärnten als evangelischer Pfarrer tätiger deutscher Staatsbürger war unter den Toten des Absturzes.

Papst Franziskus trauerte ebenfalls um die Opfer des Flugzeugabsturzes. Er bete für die Opfer aus verschiedenen Ländern und empfehle ihre Seelen der Gnade Gottes, hieß es in dem Telegramm von Kardinalstaatssekretär Parolin, das der Vatikan am Montag veröffentlichte. Den Familien der Opfer und allen anderen Trauernden sende der Papst sein herzliches Mitgefühl.

Erst im Oktober war eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air vor der indonesischen Küste abgestürzt, ebenfalls kurz nach dem Start. Alle 189 Menschen an Bord starben. Luftfahrtexperten kritisierten damals, Boeing habe die Fluggesellschaften und Piloten nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert. Allerdings hätte die Lion-Air-Maschine laut einem vorläufigen Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden wegen gravierender technischer Mängel nicht starten dürfen. Die Maschine hatte demnach Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern und den AOA-Sensoren, die Daten zum Auftrieb eines Flugzeugs liefern.

Ein Video zeigt die Arbeiten am Absturzort:

Für den deutschen Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt könnte die neue Software der Boeing 737 Max 8 an beiden bisherigen Abstürzen schuld gewesen sein. Bei den Unglücken seien Ähnlichkeiten aufgefallen, "die ins Auge stechen". In den neuen Flugzeugtyp wurde eine zusätzliche Software eingebaut, die dafür sorgt, dass die Flugzeugnase nicht zu hoch genommen wird. Diese dürfte sich eingeschaltet haben, obwohl der Flieger im Steigflug war, sagte Großbongardt im Ö1-Mittagsjournal.

Die Boeing-Aktien gaben am Montag kurz nach Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street deutlich nach. Am Nachmittag europäischer Zeit notierten sie bei 373,23 Dollar (rund 332 Euro) - ein Minus von 11,7 Prozent.

Wie ein Schlachtfeld: Boeing 737 stürzte kurz nach Start ab

Beim Absturz einer Boeing 737 MAX 8 der Ethiopian Airlines sind alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Das hat die staatseigene Fluggesellschaft über den Kurznachrichtendienst Twitter bestätigt. Die Maschine hatte sich auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi befunden.

 

(c) AP (Mulugeta Ayene)

Fassungslosigkeit und Trauer herrschten am Sonntag kurz nach der Nachricht vom Absturz am Flughafen von Addis Abeba. Auch drei Österreicher sollen unter den Todesopfern sein.

(c) AP (Mulugeta Ayene)

Nach Angaben der Airline brach der Kontakt mit der Maschine kurz nach dem Start in der äthiopischen Hauptstadt ab. Die Maschine hob demnach um 08.38 Uhr (Ortszeit) vom Flughafen Bole International ab, sechs Minuten später brach der Kontakt ab. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die Maschine nahe der Stadt Bishoftu südöstlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba befunden.

 

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Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed sprach den Angehörigen sein Beileid aus. "Wir möchten den Familien all derer, die heute auf einem planmäßigen Ethiopian Airlines-Flug nach Nairobi in Kenia ihr Leben verloren haben, unser tiefes Mitgefühl aussprechen", hieß es in einer über Twitter verbreiteten Beileidsbekundung.

 

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Die Ursache des Unglücks ist unklar. Laut der Flugüberwachungs-Webseite Flightradar24 soll die Geschwindigkeit während des Steigflugs geschwankt haben.

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Für die Angehörigen wurde eine Hotline eingerichtet.

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Boeing 737 Max 8
Boeing 737 Max 8 Foto © (c) APA

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Danke für Ihr Verständnis.

hansi01
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Experten von Boing und der US Verkehrssicherheit überprüfen



Das ist dasselbe als ob Schüler ihre eigene Schularbeit korrigieren dürfen.
Ein Softwarefehler oder sonstiges technisches Gebrechen ist bei Eigenkontrolle mit 99,9% Sicherheit ausgeschlossen.

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gerbur
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@hansi01

Die haben schon ein Interesse den Fehler zu finden! Wenn es derselbe ist wie beim LionAir Absturz, dann hat man wenigstens Gewissheit. Beim 1.Absturz haben falsche Anzeigen des Anstellwinkels die neu installierte automatische Höhenrudertrimmung aktiviert und die Nase nach unten gedrückt. Könnte diesmal wieder passiert sein, da diese Trimmung erst nach Einfahren der Klappen loslegt.

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DukeNude
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es ist meistens

der User ;)

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