Viele Menschen in Paris haben auf diesen Moment seit Jahren oder sogar Jahrzehnten gewartet, vor allem in den vergangenen Tagen, als die Temperaturen in der französischen Hauptstadt Spitzen von bis zu 40 Grad erreicht hatten und auch die Nächte nicht mehr abkühlten: Schwimmen in der Seine. Seit mehr als hundert Jahren war das verboten, seither träumen die Pariser davon.

Jacques Chirac, Bürgermeister von Paris, dann Präsident, hatte es versprochen und viele nach ihm auch. Den Olympischen Spielen 2024 und der Beharrlichkeit von Bürgermeisterin Anne Hidalgo ist es zu verdanken, dass dieser Traum endlich Wirklichkeit geworden ist. Die Seine ist sauber, jedenfalls, wenn es keinen Dauerregen gibt. Am heutigen Samstag darf angebadet werden.

Wer jedoch glaubt, er könne nach einem Rundgang durch den Louvre oder dem Shopping im Marais nun einfach irgendwo von einer Brücke ins kühle Nass der Seine springen und sein 1000-Meter-Programm absolvieren, hat sich getäuscht. Es gibt drei offizielle, abgegrenzte Badestellen mit festen Zeiten. Die zentralste liegt in der Nähe des Rathauses, gegenüber der Seine-Insel Île Saint-Louis, „Bras Marie“ genannt. Dort ist der Schwimmbereich von 70 mal 20 Metern mit Bahnleinen vom Bootsbetrieb abgetrennt und die Kapazität auf 150 Schwimmer begrenzt. Allerdings ist die Badestelle wochentags nur von 8 Uhr morgens bis 11.30 Uhr geöffnet. Am Sonntag kann man bis in den späten Nachmittag schwimmen.

Nur drei Badestellen sind zugänglich

Die beiden anderen Stellen befinden sich im Osten der Stadt am Bercy-Hafen sowie im Westen auf der Höhe der Schwaneninsel, die man von der Miniaturversion der New Yorker Freiheitsstatue kennt. Ins Wasser gelassen wird nur, wer von einem Bademeister schwimmtauglich befunden wird.

Dass die Seine wieder sauber genug ist, um darin zu schwimmen, ist ein Symbol der ökologischen Renaissance von Paris und das Ergebnis eines Jahrzehnts ambitionierter Planung, enormer Investitionen und politischer Beharrlichkeit. Denn sauber heißt in diesem Fall nicht nur, sie vom Schrott zu befreien, von Leihfahrrädern, Waschmaschinen und Konservendosen, die einfach im Fluss entsorgt wurden. Das Hauptproblem waren Fäkalbakterien. Wenn es stark regnete, lief das Pariser Kanalsystem über und in die Seine hinein. Alles, was in der Toilette landete, fand sich dann im Fluss wieder.

July 17, 2024, Paris, France: People gather on the Sully Bridge to watch the Mayor of Paris, Anne Hidalgo, swim in the River Seine. Paris Mayor Anne Hidalgo swims in the Seine River at Bras Marie with Marc Guillaume, Prefect of the Ile-de-France region and Tony Estanguet, President of Paris 2024, in Paris. Ten days before the start of the Olympic Games, the mayor of Paris has kept her promise and dived into the River Seine, to demonstrate the efforts of the city to improve the quality of the water of Seine. Paris France - ZUMAs197 20240717_aaa_s197_219 Copyright: xTelmoxPintox
Vor der Freigabe wurde mehrmals Probe geschwommen © IMAGO

Seit vergangenem Jahr leitet ein ausgeklügeltes System von Kanälen und Schleusen bei steigendem Pegel das Abwasser in ein gigantisches Auffangbecken. Der Betonschacht in der Nähe des Austerlitz-Bahnhofes ist 30 Meter tief, hat ein Volumen von 20 Olympischen Schwimmbecken und kann über 50.000 Kubikmeter Wasser fassen, das dann über Rohre in eine Reinigungsstation gepumpt, gesäubert und am Ende wieder in die Seine geleitet wird. Die Arbeit daran hat mehr als ein Jahrzehnt gedauert und hat Staat, Region und Stadt über 1,4 Milliarden Euro gekostet.

Ohne Olympia wäre so viel Geld nicht aufgebracht worden. Von Anfang an diente die Aussicht auf eine saubere Seine auch dazu, die Hauptstadtbewohner für die Spiele zu begeistern. Bürgermeisterin Hidalgo, die sich zum Ziel gesetzt hat, Paris an den Klimawandel, den die französische Hauptstadt besonders hart trifft, besser anzupassen, sprang schon letztes Jahr kurz vor Olympia in die Seine. „Das Wasser ist sanft und schmeckt überhaupt nicht nach Schlamm“, sagte sie strahlend. In den nächsten Tagen will die sozialdemokratische Stadtchefin es nochmals tun, um zu beweisen, dass man sich nicht vor bösen Bakterien fürchten muss.