Niemanden zurücklassen“, der Satz zieht sich wie ein Credo durch das ganze Kenshiki-Forum von Toyota in Brüssel. Es ist eine Anspielung auf die Diskussionen rund um zu teure E-Autos, um die grundsätzliche Leistbarkeit von Mobilität und wie Toyota die Welt sieht. Hier, in Brüssel, geht es um die Zukunft des größten Automobilherstellers der Welt. Über zehn Millionen Fahrzeuge hat man 2024 verkauft, auf den Plätzen folgen der Volkswagenkonzern und Hyundai, beide mit einem gehörigen Respektabstand.
Dabei waren die letzten Jahre alles andere als eine g‘mahte Wiesn für Toyota. Man war schwer unter Druck, die E-Mobilität sei von den Japanern verschlafen worden hieß es. Tatsächlich zeigte sich Toyota im Vergleich zur Konkurrenz verhalten, das E-Auto existierte bisher nur in der Nische.
Yoshihiro Nakata, Toyotas Europa-Chef betrachtet das Thema aus seinem Blickwinkel: „Jeder hat gesagt, die E-Mobilität kommt sehr schnell, auch die Medien. Aber der damalige Toyota-Chef Akio Toyoda hatte einen anderen Blickwinkel: Es gibt keine alleinige Lösung für die ganze Welt. Was braucht der Konsument wirklich, von Region zu Region? Wir waren und wir sind nicht gegen Batterie-Autos, aber es war für uns nicht die alleinige Lösung. Wir denken nicht im Moment, wir denken und planen in langen Zyklen.“
Und so hat Toyota mit seinen Hybrid-Spielarten wieder den Nerv der Zeit getroffen. „Wir versuchen unsere gesellschaftliche Verantwortung immer auch mit unseren Produkten wahrzunehmen“, so Yoshihiro Nakata. „Es war nie Ziel der größte Autohersteller zu werden“, fügt er hinzu. „Wir haben einen ganz anderen Blick aufs Thema.“ Dazu gehört neben dem klassischen Auto-Geschäft genauso die Micro-Mobility für ältere Menschen (spezielle Gehhilfen etc.) oder die Wasserstoffgesellschaft. „Ich glaube, Wasserstoff ist eine der Zukunftslösungen. Busse und Trucks kommen zuerst mit solchen Antrieben.“ Und: „Wir dürfen nie vergessen, warum wir hier sind. Bestimmt nicht zum Selbstzweck.“ Und das wird beim Kenshiki-Forum deutlich.
Weltpremiere feierte der Toyota FT-Me: „Mikromobilität der nächsten Generation“, nennt Toyota die elektrische Knutschkugel, despektierlich und landläufig Mopedauto genannt. Toyotas Ansatz ist ein ganz anderer: Designt wie ein Jet-Helm, ein Zweisitzer, nicht einmal zweieinhalb Meter lang, samt Solardach, das 20, 30 Kilometer laden kann. Die Batterie hat 12 kWh Kapazität, die Reichweite sollte knapp unter 100 Kilometer liegen, an der Steckdose kann das 425-Kilogramm leichte Stadtgefährt geladen werden. Die Sitze sind umlegbar, Pakete bis 1,6 Meter Länge sind transportierbar, wenn man den Beifahrersitz umlegt.
Im Zentrum steht das Smartphone, das sich mit dem 45 km/h schnellen FT-Me vernetzt. Angedacht sind Lösungen wie das Auto als Lieferdienst-Postkasten zu verwenden, genauso wie man es als Sharing-Objekt für die Mobilität der Städte einsetzen kann. Toyota steht ja nicht alleine da, auch der Stellantis-Konzern hat ein ähnliches Konzept schon auf die Straße gebracht, Citroen, Fiat und Opel sind schon im Segment unterwegs.
Elektro-Offensive von Toyota - und neue Verbrenner und Hybride
Klar ist auch: Toyota nimmt jetzt die E-Mobilität ernst. Ein Vorbote ist der Toyota Urban Cruiser (4,28 m lang), mit zwei Batterieoptionen (49/61 kWh) sowie Front- oder Allradantrieb und einer maximalen Reichweite rund 400 Kilometern.
Herzstück der Elektro-Offensive ist sicherlich der C-HR+: 4,52 Meter ist er lang, üppig beim Platzangebot (Abstand von 900 mm zwischen den vorderen und hinteren Insassen). Wichtig und offensichtlich: Der C-HR+ ist vom C-HR mit Hybridantrieb „inspiriert“, wie Toyota es ausdrückt, aber ein eigenständiges Modell auf einer neuen Fahrzeug-Architektur für E-Autos.
An Bord sind entweder eine 57,7-kWh-Batterie (für Frontantrieb) oder eine 77-kWh-Batterie (Front-/Allradantrieb). Die maximale Reichweite wird bei 600 Kilometern liegen, geladen werden kann bis 150 kW. Spitzenmodell mit Allrad: 252 kW/343 PS. Und der elektrische bZ4X wird überarbeitet (neue Software, höhere Reichweite).
Aber nicht nur die Elektro-Abteilung wird bedient. Toyota arbeitet parallel auch an einer neuen, verbrauchsärmeren Verbrenner-Generation, samt Hybridantriebe.
Wie Toyota jetzt Lexus elektrifiziert
Lexus hat einen erstaunlichen Wandel durchgemacht. Die Verkaufszahlen brummen, 2024 war ein Rekordjahr in der Geschichte der Edelmarke, jetzt macht man sich an die Elektrifizierung der Marke, die als elektrische Speerspitze fungieren soll.
Der neue elektrische RZ feierte beim Kenshiki-Forum seine Weltpremiere. Drei weitere neue elektrische Lexus kommen in den nächsten zwölf Monaten. Highlights beim RZ: Das Lexus Steer-by-Wire-System (elektrische Sensorlenkung), neue Software- und Hardware (Schaltung ahmt ein manuelles Achtgang-Getriebe nach), sowie eine überarbeitete Batterie (77 kWh) mit längerer Reichweite.