Eine Woche nach dem verheerenden Großbrand zeigt sich das ganze Ausmaß der Zerstörung beim Feuerwehrhaus in Lieserhofen. Das Dach ist bereits abgetragen, die beiden ausgebrannten Einsatzfahrzeuge wurden entsorgt. Wo einst die Fahrzeughalle mit dem erst sechs Jahre alten Tanklöschfahrzeug und dem heuer angeschafften Kleinlöschfahrzeug stand, ragen nur noch verrußte Mauern in den Himmel. Zwischen Schuttcontainern und einem Bagger laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren – der Blick auf die Brandruine schmerzt dennoch.
„Wenn man jetzt hier steht, wird einem erst bewusst, was wir tatsächlich verloren haben“, sagt Feuerwehrkommandant und Abschnittsfeuerwehrkommandant René Moser. „Die Fahrzeuge, Geräte und Werkzeuge kann man ersetzen. Viel schlimmer sind die Dinge mit emotionalem Wert – Urkunden von Leistungsbewerben oder unsere historischen Gerätschaften im kleinen Feuerwehrmuseum.“ Dort lagerten unter anderem alte Tragkraftspritzen, die die Kameraden in unzähligen Stunden restauriert hatten. Sie wurden durch Hitze und Rauch schwer beschädigt. „Funktionsfähig sind sie nicht mehr. Aber wir hoffen, sie zumindest wieder so herrichten zu können, dass wir sie später im neuen Feuerwehrhaus ausstellen können.“
Einsatzbereitschaft bleibt erhalten
Die beiden zerstörten Fahrzeuge waren nahezu neu: Das Tanklöschfahrzeug war erst sechs Jahre alt, das Kleinlöschfahrzeug wurde heuer angeschafft und hätte noch gesegnet und in Dienst gestellt werden sollen. Auch Werkzeuge, Schlauchmaterial, Atemschutzgeräte und die Werkstatt im nördlichen Gebäudeteil wurden vollständig zerstört. Ein kleiner Lichtblick: Die Einsatzbekleidung der rund 60 Feuerwehrmitglieder befand sich im südlichen Gebäudeteil. Dieser blieb nahezu unbeschädigt.
Beim Feuerwehrhaus stehen mittlerweile zwei Container, zwei weitere sollen in den kommenden Tagen folgen. Sie dienen als Übergangsquartier. Als Nächstes steht die Prüfung der Zwischendecke an. Erst wenn ein Sachverständiger diese freigibt, können Aufenthaltsraum, Küche und Sanitäranlagen wieder vollständig genutzt werden. Auch für Einsätze ist gesorgt: Die Feuerwehr Seeboden stellte der Wehr kurzfristig ein Kleinlöschfahrzeug zur Verfügung. „Damit ist die Einsatzbereitschaft für Lieserhofen jederzeit gewährleistet“, betont Moser. Er selbst hatte beim Brand die Einsatzleitung über und konnte trotz allem kühlen Kopf bewahren. Sein Dank gilt deshalb allen neun Feuerwehren mit rund 120 Einsatzkräften. „Die Zusammenarbeit hat ausgezeichnet funktioniert. Jeder Handgriff hat gepasst“, sagt Moser.
Zwischen Hoffnung und Trauer
Mittlerweile steht fest, wie es zu dem Feuer kommen konnte. „Unsere Feuerwehr trifft keinerlei Schuld. Die Ermittlungen haben eindeutig ergeben, dass ein technischer Defekt die Ursache war“, sagt Bürgermeister Thomas Schäfauer. Beeindruckend ist für ihn und Moser der Zusammenhalt, den die Feuerwehr seit dem Brand erlebt. Noch am Abend des Unglückstages kamen sämtliche Mitglieder zu einer Sitzung zusammen. „Natürlich mussten wir die nächsten organisatorischen Schritte besprechen. Aber mindestens genauso wichtig war es, dass wir gemeinsam dieses Ereignis verarbeiten konnten. Wir mussten füreinander da sein“, erzählt Moser.
In den Tagen danach trafen sich die Kameraden immer wieder, räumten gemeinsam auf und verschafften sich einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörung. Auch Schäfauer spricht von außergewöhnlicher Solidarität. „Die gesamte Gemeindeverwaltung arbeitet mit Hochdruck daran, den Wiederaufbau auf Schiene zu bringen. Von der Gemeindeverwaltung über den Gemeindevorstand bis hin zu den Feuerwehrkameraden ziehen derzeit alle an einem Strang. Auch Unternehmen, Vereine und zahlreiche Privatpersonen haben ihre Hilfe angeboten – diese Solidarität ist beeindruckend.“
Das Feuerwehrhaus befindet sich im Eigentum der Gemeinde beziehungsweise ihrer Immobiliengesellschaft und ist entsprechend versichert. Zudem haben Landeshauptmann Daniel Fellner und Gemeindereferentin Marika Lagger-Pöllinger finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau zugesagt. Der genaue Umfang der Schäden müsse allerdings erst durch einen Sachverständigen festgestellt werden. Erst danach könne entschieden werden, welche Gebäudeteile erhalten bleiben und wann der Wiederaufbau beginnen kann.
Gemeinsam durch die Krise
Für Gemeindevorstand, Feuerwehrreferent und Feuerwehrkamerad Horst Zwischenberger war die Alarmierung ein Schock. „Als ich bei der Einsatzmeldung unsere eigene Adresse gesehen habe, konnte ich es zuerst gar nicht glauben“, erzählt er. „Beim Einsatz selbst hat die Zusammenarbeit aller Feuerwehren hervorragend funktioniert. Das Treffen am Abend dann war dann enorm wichtig – nicht nur organisatorisch, sondern auch für den Kopf. Zusätzlich hatten wir bis 23 Uhr Brandwache.“ Noch am Tag des Brandes kam auch die Drohne der Rehkitzrettung mit Wärmebildkamera zum Einsatz, um versteckte Glutnester aufzuspüren.
Zwischen den verkohlten Überresten gibt es aber auch Bilder, die den Kameraden Kraft geben. Im Gebäude blieb ausgerechnet die Statue des heiligen Florian, des Schutzpatrons der Feuerwehr, erhalten. Auch die Darstellung des Heiligen am Schlauchturm überstand das Feuer nahezu unbeschadet. Es sind kleine Zeichen inmitten der Verwüstung. Und vielleicht genau jene, die den Kameraden in diesen Tagen Hoffnung geben. Eines ist in Lieserhofen deutlich zu spüren: Das Feuerwehrhaus ist zerstört. Die Gemeinschaft dahinter aber ist stärker denn je.